Das Oktoberfest – wie es sich Millionen Menschen miteinander gemütlich machen

Brauchtum, Wirtschaftsfaktor und Exportschlager: Vor über 200 Jahren war die Münchner Theresienwiese noch ein Acker vor der Stadt - heute ist sie eines der Wahrzeichen Münchens, schon allein wegen des Oktoberfests. Die “Wiesn” ist vielleicht das Aushängeschild Bayerns in der Welt - ein sehr großes, buntes und umsatzstarkes. Wir schauen auf die Zahlen dieses Volksfestes.

Es ist das größte Volksfest der Welt und seit 1810 ein weiterer guter Grund München zu besuchen. Das Oktoberfest geht zurück auf die Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese sowie ein Pferderennen, das zu Ehren ihrer Vermählung auf der Theresienwiese abgehalten wurde. Daher stammt der bayerische bzw. Münchner Begriff für das Volksfest: “d’Wiesn” - femininum, singular. Sprich: “Wir waren gestern auf der Wiesn!” Das weiß seit Anfang dieses Jahres auch die Onlineversion des Duden, dem Standardwörterbuch der deutschen Rechtschreibung.

Mittlerweile veranstaltet das Oktoberfest die Stadtverwaltung München und der Gesamtumsatz kann sich jedes Jahr sehen lassen: etwa eine halbe Milliarde Euro. Die übrigen Kennzahlen der Wiesn sind ebenso beeindruckend. 2017 kamen wieder über 6 Millionen Besucher (6,2 Mio.) aus aller Welt nach München. Anhand der Abhebungen an den auf der Festwiese aufgestellten Geldautomaten wird ermittelt, woher die Menschen kommen. Demnach waren es vor allem US-Amerikaner, danach Italiener, Schweizer, Briten, Österreicher und Franzosen aber auch viele andere Länder rund um den Globus.

Alle Besucher vereint der Bierdurst. Vergangenes Jahr tranken sie 7,5 Mio. Liter Bier – bei einem Preis von aktuell bis zu 10,95€ pro Mass (1 Liter-Krug) Wiesnbier. So ein Tag auf dem Oktoberfest macht hungrig: 2017 haben die Festzeltküchen insgesamt 127 Ochsen und 59 Kälber verarbeitet, die Zahl der Brathühnchen liegt hingegen weit über der 400.000-Marke. Insgesamt bieten die Festzelte der Münchner Brauereien 119.000 Gästen einen Platz. Allein das größte, das Hofbräu-Zelt, hat 9.991 Plätze. Die kleinsten sind das Cafe Schiebl und Cafe Guglhupf mit jeweils 60 Plätzen. 

Das zurückliegende Oktoberfest war auch eines der längsten durch den nachfolgenden Feiertag am 3. Oktober: 18 Tage drehte sich alles um das knapp 35 Hektar große Areal im Herzen der bayerischen Hauptstadt. Zur Freude der über 500 Betriebe, die mit 8.000 festen und noch einmal 5.000 wechselnden Beschäftigten in dieses Volksfest involviert sind. 

Rund 13.000 Menschen arbeiten auf dem Oktoberfest


Am Ende der gut zwei Wochen flossen vergangenes Jahr 3,25 Mio. Kilowattstunden Strom und verbrannten 224.000 Kubikmeter Gas. Seit dem Jahr 2000 werden alle öffentlichen Bereiche der Wiesn und immer mehr Fahrgeschäfte mit Öko-Strom versorgt. Über 4.000 Fundstücke ließen die Gäste zurück. Darunter 1.300 Ausweise, 520 Mobiltelefone, zwei Krücken, ein Trinkhorn und ein Gebiss.

Zurück blieben außerdem 90 Tonnen Abfall - fünf Tonnen weniger als im Vorjahr. Denn Umweltschutz wird auf dem Oktoberfest großgeschrieben. So gibt es seit 1991 betriebliche Regelungen, um den Besuch auf dem größten Volksfest der Welt ökologisch verträglich zu gestalten. Neben dem damals erteilten Verbot von Einweggeschirr – heute findet man auf den Biertischen ausschließlich echtes Porzellan – reichen die Maßnahmen dazu von der Reduzierung des Abfalls und des Wasserverbrauchs über das Angebot von Bio-Schmankerln und regionalen Produkten bis hin zum Einsatz von biologisch abbaubarem Schmieröl bei den Fahrgeschäften. In vielen der kleinen und großen Bierzelte wird das Nachspülwasser der Bierkrugspülmaschinen nicht in den Abwasserkanal geleitet, sondern für die Zelttoiletten verwendet. All diese Aspekte werden als „Öko-Punkte“ in einem Bewertungssystem bei der Zulassung der rund 550 Gastrobetriebe, Fahrgeschäfte und Schausteller zur Wiesn beachtet.

Und Achtung! Der FC Bayern ist laut Statistik während der Wiesnzeit fast unbesiegbar. In den letzten 20 Spielen, die zwischen Ende September und Anfang Oktober liefen, hat der FCB nur eine Niederlage kassiert: ein 0:1 gegen Atlético Madrid.

Mittlerweile hat sich die Wiesn aber auch als Export-Hit erwiesen:

  • China, Qingdao: 2 - 3 Mio. Besucher
  • Brasilien, Blumenau: 700.000 Besucher
  • Kanada, Kitchener-Waterloo: 700.000 Besucher
  • USA, Cincinnati: 500.000 Besucher

Das Münchner Oktoberfest beginnt dieses Jahr übrigens am 22. September und geht bis zum 6. Oktober. Wir sehen uns also, wenn es bald wieder heißt: “Ein Prosit der Gemütlichkeit”!