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Ostern in Bayern – mehr oder weniger traditionell

In Bayern bringt nicht immer der Osterhase die Geschenke, zuweilen übernimmt diese wichtige Aufgabe auch der Storch. Aber wussten Sie, dass es im Freistaat noch eine Vielzahl anderer – und zum Teil kurioser – Osterbräuche gibt? Wir haben einige zusammengestellt, damit Sie sich beim Osterspaziergang angesichts Ihrer Verwunderung nicht gleich als Zugereister outen.

Lebendige Tradition

Apropos Osterspaziergang: Warum diesen nicht mit einem Ausflug ins unterfränkische Lohr am Main verbinden? Das beschauliche Örtchen ist jedes Jahr Ziel tausender Schaulustiger, die sich das Spektakel der Karfreitagsprozessionen nicht entgehen lassen wollen. Schon seit mehr als 350 Jahren wird hier mit lebensgroßen Figuren das Leiden und Sterben Jesu Christi dargestellt. Ganz und gar historisch geht es auch beim Georgiritt in Traunstein zu. Seit 1891 machen sich die Reiter in traditionellem Gewand und hoch zu Ross zur St. Veits-Kirche in Ettendorf auf. Begleitet wird der Zug durch Gruppen, die auf dem Stadtplatz den historischen Schwerttanz aufführen. Rekordträchtig scheinen die Besucherzahlen bei diesen Events, aber ins Guinness-Buch der Rekorde hat es eine ganz andere Tradition geschafft: der geschmückte Osterbrunnen in Bieberbach. Mit mehr als 11.000 Eiern ist er der wohl am großzügigsten verzierte Brunnen zur Osterzeit. Hintergrund der Tradition ist der Glaube, dass der dekorierte Brunnen das ganze Jahr über frisches Wasser spendet.

An den bevorstehenden Kirchbesuch werden die Gläubigen zu Ostern übrigens nicht durch läutende Glocken erinnert, denn die ruhen über die stillen Feiertage. Als Alternative praktizieren manche Dörfer das sogenannte Karfreitagsratschen, bei dem Ratschen aus Holz, Klappern und sonstige Hilfsmittel die Kirchenglocken ersetzen sollen. Zuweilen ziehen auch Ministranten „lärmend“ durch die Straßen, um Geld und Süßigkeiten zu sammeln.

Mit Spaß am Spiel

Etwas weniger traditionell, aber darum nicht weniger unterhaltsam geht es beim Eierpicken zu. Ziel des Wettkampfes ist es, die Schale des gegnerischen (und hoffentlich hartgekochten) Eis mit einem gezielten Stoß des eigenen zu zerschlagen. Mehr Vorbereitungsaufwand braucht es beim „Oarscheiben“. Auf den Stielen zweier zusammengesteckter Rechen lassen die Wettkämpfer ihre Eier hinabrollen. Auf das erste liegengebliebene Ei wird eine Münze gelegt, alle nachfolgenden Eier sollen möglichst die Münze vom ersten Ei herunterstoßen. Der Gewinner darf die erbeuteten Schätze natürlich behalten.

Interessant mutet auch das „Gockelholen“ an; eine Tradition, die vor allem bei jungen Männern und Frauen beliebt ist. Die jungen Damen bereiten in der Nacht auf Ostersonntag Geschenke vor, die sich die umherziehenden Männer dann mit einer Leiter bewaffnet von ihrer Angebeteten abholen kommen. Merkwürdig scheint der Brauch, ein gekochtes Ei über das eigene Haus zu schleudern – vor allem, wenn auf der anderen Seite noch jemand versucht, das Wurfgeschoss aufzufangen. Dabei steckt tatsächlich einen tieferen Sinn hinter dieser „Sportart“: Das geworfene Ei soll das Haus im nächsten Jahr vor Blitzeinschlägen schützen.

Vielleicht übernehmen Sie ja nun auch die ein oder andere bayerische Ostertradition oder lassen sich von unseren Tipps zu einem Ausflug über die Feiertage inspirieren. In jedem Fall wünschen wir Ihnen ein schönes Osterfest.