Forschungsinitiative "Urban Air Mobility": Ingolstadt bewirbt sich als Modellregion für Flugtaxis

Flugtaxis sollen schon bald dabei helfen, die Verkehrsprobleme in europäischen Städten zu lösen. Was sich liest wie die Vision aus der Science-Fiction, ist tatsächlich das erklärte Ziel einer Forschungsinitiative der Europäischen Kommission mit dem Namen „Urban Air Mobility“. Im Rahmen der Initiative sollen geeignete Konzepte und Technologien für den individuellen Luftverkehr erforscht und entwickelt werden. Die Städteregion Ingolstadt könnte dabei künftig als Testfeld dienen.

Ingolstadt als Pilotstadt für digitale/autonome Mobilität


Ingolstadt und seine Region entwickeln sich immer mehr zu einem Zentrum für die Erforschung und Erprobung von Mobilitätslösungen. Wichtige Player auf diesem Feld sind z.B. die ortsansässigen Unternehmen Audi und Airbus sowie das Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), ebenso die Technische Hochschule mit ihrem Forschungszentrum Carissma. Die Ansiedlung des Fraunhofer Anwendungszentrums für vernetzte Mobilität, die Aufnahme der Technische Hochschule Ingolstadt in das Forschungsnetzwerk Künstliche Intelligenz und die geplante Teststrecke für autonomes Fahren „Erste Meile“ runden dieses europaweit einmalige Profil ab.

Ein ideales Testfeld


Ingolstadt stellt auch aufgrund seines hohen Verkehrsaufkommens und der großen Bevölkerungsdichte ein ideales Testfeld dar. Ein weiteres Plus der Region ist ihre geographisch zentrale Lage unweit der Metropolen München und Nürnberg und der Großstädte Augsburg und Regensburg. Auch zu den Flughäfen München und Nürnberg ist es nicht weit. Darüber hinaus bietet Bayern durch die vielen hochinnovativen kleinen und mittelständischen Unternehmen und Konzerne beste Voraussetzungen für die Ansiedlung. Zudem gibt es mit Unternehmen wie Ascending Technologies, Lillium und Quantum Systems eine Reihe von bayerischen Start-ups, welche mit Innovationen im Bereich der Drohnentechnologie und Ultraleichtflugzeuge neue Maßstäbe setzen.

Unterstützung durch den Freistaat


Bayerns Wirtschafts- und Technologieminister Franz Josef Pschierer würdigt daher die Vorreiterrolle, die Ingolstadt bei dem Thema übernimmt: „Damit spielt Bayern nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Kontext erneut ganz vorne mit, wenn es darum geht Transportmöglichkeiten auch in der dritten Dimension, nämlich in der Luft, weiter voranzutreiben.“  Ein überregionales Flugtaxi-Testfeld rund um Ingolstadt, Manching und Umland soll Unternehmen die Chance geben, ihre Lufttaxis technisch weiterzuentwickeln. Auch wenn der genaue Umriss des Testfelds noch nicht final ist, so hat es immerhin schon einen Namen: „Manching-Ingolstadt plus“.

Was steckt hinter „Urban Air Mobility“?


Was auf Mittel- und Langstreckenflügen zwischen Kontinenten, Ländern und Städten mit Millionen von Passagieren seit Langem funktioniert, war bei Kurzstreckenflügen innerhalb von Städten oder Regionen bisher nicht möglich. Ob wegen fehlender Technologien, Ökologie, Wirtschaftlichkeit oder ungeklärter Sicherheits- und Rechtsfragen – der städtische Luftraum war bis dato für Kurzstreckenverbindungen tabu. Das ändert sich gerade: Neu entwickelte, umweltfreundliche Elektroantriebe, leistungsstarke Batterien mit extrem kurzen Ladezeiten, minimaler Platzbedarf für Start- und Landeplätze, schnelle Computer und Big Data schaffen die nötigen Voraussetzungen, um „Urban Air Mobility“, also Luftmobilitätskonzepte innerhalb und zwischen Städten, praktisch in Angriff zu nehmen. Schon im kommenden Jahrzehnt soll auch in Europa möglich sein, was heute in Dubai schon Realität ist: die Abholung per Lufttaxi.

Flugtaxis, Medizintransporter und Verkehrsüberwacher


Mobilitätsexperten gehen allerdings davon aus, dass es erst einmal zu anderen Einsatzmöglichkeiten kommen wird, bevor die Fluggeräte für die Beförderung von normalen Bürgern eingesetzt werden können. Denkbar sind hier etwa Flüge zur städtischen Stauüberwachung, zum Transport dringender Notfallgüter wie Blutkonserven, Defibrillatoren oder Medikamente. Und schon in nicht allzu ferner Zukunft soll ein Flugtaxi einen Notarzt schnell und staufrei zum Notfall transportieren können. Von da wäre es nicht mehr weit bis zum individuellen Personennahverkehr im städtischen Luftraum.