Fasching in Bayern: Die fünfte Jahreszeit

Fastnacht, Fasnacht, Karneval, Fasching: Die Zeitspanne vor dem Beginn der christlichen Fastenzeit hat viele Namen. Schüler haben – Faschingsferien sei Dank – schulfrei und abendliche Prunksitzungen der Faschingsgesellschaften erheitern die Bevölkerung. Außerdem zelebrieren die Einwohner in den bayerischen Gemeinden etliche Faschingsbräuche, die sich im Kern oft ähneln: Bei den meisten wird sich verkleidet und viel Lärm gemacht. Die genaue Herkunft der einzelnen Traditionen ist allerdings sehr unterschiedlich. Lesen Sie hier, worauf es in der Faschingszeit in Bayern ankommt und was sie so besonders macht.

Fasching: Feiern vor der Fastenzeit


Bei den meisten Fastnachtsbräuchen geht es darum, böse Geister zu vertreiben und vor der Fastenzeit noch einmal richtig zu feiern. Auch das kalte Wetter und den Winter zu verjagen sind oft Ziel der traditionellen Bräuche. Zu diesem Zweck feiert die Bevölkerung in Bayern Faschingsumzüge, Prunksitzungen und verschiedene lokale Feste. Bei den meisten dieser Aktivitäten spielt vor allem die Verkleidung der Beteiligten eine wichtige Rolle. Entweder werden schaurig verkleidete Gestalten symbolisch verjagt oder die Verkleideten sollen selbst etwas vertreiben: In der Regel böse Geister oder den Winter. Außerdem schließt sich direkt an die Faschingszeit die Fastenzeit an. Um dafür ordentlich vorbereitet zu sein, darf zu Karneval nochmal ordentlich geschlemmt werden: Vor allem Krapfen sind in allen Regionen Bayerns beliebt. Diese kleinen Gebäckstücke sind sehr süß und werden mit verschiedenen Füllungen angeboten; meistens gibt es sie mit Marmeladenfüllung. Das etwa Faustgroße Faschingsgebäck ist eine echte Kalorienbombe: Ein einzelner Krapfen bringt es auf etwa 400 Kalorien. Dazu ist es Tradition, bei Faschingsumzügen zahlreiche Süßigkeiten zu verschenken und natürlich wird auch nicht wenig Bier getrunken. In Anbetracht dieser kalorienreichen Bräuche ist es wohl für alle Beteiligten gut, dass sich die Fastenzeit direkt an die Karneval-Saison anschließt: Die Faschingszeit endet mit dem Aschermittwoch, der den Beginn der sechswöchigen Fastenzeit einläutet. 
 

Kulinarische Spezialität zur Faschingszeit: Krapfen (Foto: Mainpost)

Fas(t)nachtsbräuche in Bayern


Wie bereits gesagt gibt es unzählige verschiedene, größtenteils lokale Bräuche, die in der Faschingszeit in Bayern gefeiert werden, auch 2020 wieder. Wir stellen einige der kuriosen Brauchtümer vor und geben einen Einblick in die historischen Hintergründe – wenn sie denn bekannt sind. 


Rauhnächte


In vielen Gemeinden in Süddeutschland werden Rauhnächte gefeiert. Meistens allerdings um den Jahreswechsel herum. In einigen Orten, wie beispielsweise in Frauenau, begeht man dieses Fest später, um die Faschingszeit. Am Faschingssamstag versammeln sich zahlreiche schaurige Gestalten in möglichst furchterregenden Masken und Kostümen in der kleinen Gemeinde im Bayerischen Wald.  So sollen böse Geister vertrieben werden, um den Bewohnern im neuen Jahr Glück zu bringen. Die genaue Herkunft dieser jahrhundertealten Tradition ist unklar. Die Namensherkunft geht aber auf das mittelhochdeutsche Wort rûch zurück, was „haarig“ bedeutet. Es bezieht sich auf die haarigen Dämonen, die in dieser Zeit ihr Unwesen treiben und die es durch schaurige Verkleidung zu vertreiben gilt . 


Fasenickl in Kipfenberg


Im Markt Kipfenberg im Landkreis Eichstätt gibt es den Brauch der „Fasenickl“. Die Fasenickl sind maskierte Gestalten, die mit ihren Schellen großen Lärm verursachen und durch die Straßen ziehen. Angeblich geht diese Tradition auf die Zeit der Pest zurück: Die Masken dienten zum Schutz vor Krankheiten und durch den Lärm sollten alle Anwohner gewarnt werden, wenn Pestkranke abtransportiert werden. Bis heute verkleiden sich zahlreiche Kipfenberger jedes Jahr und ziehen maskiert und lärmend durch die Stadt – dabei transportieren sie aber glücklicher Weise keine Kranken mehr ab, sondern feiern ihr lokales Brauchtum. 


Hexenverbrennung in Lauingen


Seit bald 450 Jahren begeht Lauingen am Gründonnerstag – der im Lokaldialekt gumpiger Donnerstag heißt – ein besonderes Fest: Tagsüber treiben sich zahlreiche Hexen in der Innenstadt herum. Sobald es dunkel wird, beginnt der Kampf der Hexen, die symbolisch für den Winter stehen, gegen die „Frühlingsnarren“. Der Frühling obsiegt und symbolisch wird deshalb in der Nacht die Oberhexe verbrannt. Das Fest findet seinen Abschluss, wenn der „Herr der Jahreszeiten“ verkündet, dass der Winter Abschied nimmt.  


Tanz der Marktfrauen


Auch in der Landeshauptstadt München hat man eigene Faschingsbräuche. Zum Abschluss des Faschingsdienstags findet auf dem Viktualienmarkt der Tanz der Marktfrauen statt. Er gilt als Höhepunkt des Straßenfaschings in München und startet jedes Jahr um 11 Uhr. Der Brauch geht bis in den Beginn des 19. Jahrhunderts zurück und wird mittlerweile professionell unterstützt: Für die Choreografie der Marktfrauen ist ein professioneller Tanzlehrer zuständig und die Proben beginnen bereits vier Monate vor dem Faschingsdienstag. In diesem Video sieht man den Tanz aus dem Jahr 2019. 
 

Faschingsumzüge


Besonders am Rosenmontag, Faschingssonntag und am Faschingsdienstag finden viele Umzüge in Bayern statt. Bei einem Faschingsumzug ziehen verschiedene Karnevalsgesellschaften durch die Stadt: In der Regel kostümiert und mit einem bestimmten „Wagenmotto“. Die meisten Gesellschaften haben mindestens einen Wagen, von dem Musik dröhnt und Süßigkeiten fliegen. Manche Unternehmen nehmen auch Teil und besonders Brauereien sind gern gesehen: Sie verteilen keine Süßigkeiten, sondern Freibier an die Schaulustigen, die sich das Spektakel ansehen. Da es in nahezu allen größeren und zahlreichen kleineren Gemeinden mindestens einen Faschingsumzug gibt, ist es nicht möglich, den oder die besten zu küren: Fasching ist ein regional geprägter Brauch, deshalb sollte man zu dem Umzug in der Gemeinde gehen, zu der man den größten Bezug hat. 


Brauchtum hat in Bayern Tradition


Neben den Faschingsgesellschaften pflegen auch viele Privatleute im Freistaat verschiedene Brauchtümer. So ist das Tragen von Lederhosen nicht nur zur Zeit des Oktoberfestes hier nicht selten. Überhaupt wird der Trachten-Tradition in Bayern viel Aufmerksamkeit gewidmet.