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- Blog #bytevaria- Von Franken bis zum Bodensee: Weinwandern in Bayern
Wenn sich im Herbst die Weinberge verfärben und die Weinlese ihrem Ende entgegengeht, zeigen sich Bayerns Weinlandschaften von ihrer reizvollsten Seite. Jetzt ist die ideale Zeit, die Weinregionen bei ausgedehnten Spaziergängen und Wanderungen zu erkunden.
Zwischen Reben, Flusstälern und unverwechselbarem Genuss
Weinwanderungen in Bayern führen durch eine jahrhundertealte Kulturlandschaft: entlang von Rebhängen und Flusstälern, durch historische Weinorte und zu Aussichtspunkten mit Blick über die Weinlandschaften. Dabei wird erlebbar, wie eng Weinbau, Landschaft und regionale Genusskultur über Jahrhunderte miteinander verbunden sind.
Das Spektrum reicht von den traditionsreichen Weinlagen Frankens über die Hänge entlang der Donau bis zu kleineren Weinbaugebieten in Oberbayern, Schwaben und der Oberpfalz. Jede Region ist dabei von eigenen landschaftlichen und weinbaulichen Besonderheiten geprägt. Auch kulinarisch ist der Wein vielerorts fest in der regionalen Kultur verankert. In Heckenwirtschaften, traditionellen Gasthäusern und bei Winzerfamilien treffen regionale Küche und Weine aus heimischem Anbau aufeinander. Weinwandern verbindet damit Naturerlebnis, Einblicke in den Weinbau und regionale Genusskultur zu einer ganz besonderen Form des Wanderns.
Franken: Weinwandern zwischen Main, Steigerwald und Tauber
Mit rund 6.000 Hektar Rebfläche ist Franken im Norden Bayerns das mit Abstand größte Weinbaugebiet des Freistaats. Von den Weinlagen rund um Bamberg bis zu den Rebhängen bei Aschaffenburg prägen Weinberge entlang des Mains und an den Hängen des Steigerwalds eine vielgestaltige Kulturlandschaft. Entsprechend abwechslungsreich sind die Weinwanderwege, die durch Flusstäler und Weinlagen, zu historischen Weinorten und immer wieder zu neuen Ausblicken auf die fränkische Weinlandschaft führen.
Unterfranken ist das Zentrum des fränkischen Weinbaus. Zwischen Aschaffenburg, Miltenberg, Würzburg und der Volkacher Mainschleife prägen Rebhänge und historische Weinorte das Landschaftsbild. Wer diese Weinlandschaft zu Fuß erkunden möchte, findet ein breites Spektrum an Routen: von kurzen Rundwegen durch einzelne Weinlagen bis zu ausgedehnten Strecken durch ganze Weinregionen.
Eine besondere Orientierung bieten die mehr als 25 zertifizierten „Wege zum Wein“ im Fränkischen Weinland. Sie machen die Verbindung von Weinbau, Landschaft und Kultur unmittelbar erlebbar und führen unter anderem vorbei an Naturdenkmälern, Kapellen und charakteristischen Weinbergsterrassen. Wie vielfältig diese Wege sind, zeigen die unterschiedlichen Routen: Die „NaTour und Wein im Stettener Stein“ oberhalb von Karlstadt führt durch die gleichnamige Weinlage und eröffnet weite Blicke über das Maintal. Rund um die Volkacher Mainschleife verbinden Wanderwege Rebhänge mit historischen Weinorten. Die rund sechs Kilometer lange Iphöfer Weinentdeckerrunde führt durch die Weinlagen bei Iphofen und Rödelsee und zu den „terroir f“-Aussichtspunkten. Der Abt-Degen-Steig erschließt die Weinberge bei Zeil am Main und führt hinauf zum Zeiler Käppele. Überregionaler angelegt ist der rund 79 Kilometer lange Fränkische Rotwein-Wanderweg von Großwallstadt bis Bürgstadt, der durch die Weinlandschaft Churfrankens führt und sich in Etappen erwandern lässt.
Auch Mittelfranken gehört zum fränkischen Weinbaugebiet. Weinbau findet sich hier insbesondere entlang der Mittelfränkischen Bocksbeutelstraße, im Aischgrund und am Übergang zum Steigerwald. Rund um Ipsheim lässt sich diese Weinlandschaft auf verschiedenen Wegen erkunden. Der Ipsheimer Wein-Wander-Weg führt durch die Rebanlagen unterhalb der Burg Hoheneck; mehrere Routen, darunter ein rund sechs Kilometer langer Rundweg, erschließen die Weinberge. Informationstafeln vermitteln Wissenswertes über Rebsorten und Weinbau. Zu den Stationen zählen die Weinbergkapelle, der Europa-Weinberg und der „terroir f“-Aussichtspunkt mit Blick über das obere Aischtal.
Oberfranken liegt am östlichen Rand des fränkischen Weinbaugebiets. Rund um Bamberg spielt der Weinbau zwar eine kleinere Rolle als in Unterfranken, prägt die Kulturlandschaft jedoch gemeinsam mit der traditionsreichen Bierkultur. In Oberhaid und Unterhaid säumen Weinberge den Main, während historische Bierkeller und Kellergassen von der langen Brautradition zeugen.
Beides lässt sich auf der Wanderung von Dörfleins über den Kreuzberg zur Ruine der Helenenkapelle erleben. Die Route führt durch eine von Wein- und Hopfenanbau geprägte Landschaft und vorbei an traditionellen Bierkellern.
Weinwandern an der Donau
Östlich der fränkischen Weinlandschaften liegt rund um Regensburg ein kleines, historisch gewachsenes Weinbaugebiet. Zwischen Regensburg und Wörth an der Donau wird auf wenigen Hektar Baierwein angebaut, der als Regensburger Landwein vermarktet wird. Orte wie Bach an der Donau und Kruckenberg erinnern an die lange Weinbautradition entlang des Flusses.
Wie sich diese Geschichte heute zu Fuß erkunden lässt, zeigt der rund neun Kilometer lange Winzerweg bei Bach an der Donau. Er führt durch die Weinberge und entlang des Baierweinwegs und vermittelt Einblicke in den regionalen Weinbau. Dabei eröffnen sich immer wieder Blicke über die Donau. Stationen wie das Baierwein-Museum und der Weinlehrpfad vertiefen die Einblicke in die Geschichte und Entwicklung des Weinbaus an der Donau.
Weinbau in Oberbayern
Von der Donau führt die Spur des Weinbaus weiter nach Süden. Auch abseits der traditionellen Weinregionen entstehen wieder kleinere Rebflächen. Am Ammersee wird seit 2018 erneut Wein angebaut. Zwischen Utting und Schondorf wachsen die Reben an den Hängen über dem See und fügen sich in die Kulturlandschaft des Fünfseenlands ein. Wanderwege eröffnen dabei immer wieder Ausblicke auf den Ammersee und das Alpenvorland.
Der Weinbau knüpft hier an eine lange Geschichte an: Bereits in römischer Zeit sollen am Ammersee Reben kultiviert worden sein. Die heutigen Weinberge stehen damit zugleich für die Wiederbelebung einer regionalen Tradition.
Wein zwischen Alpen und Bodensee
Noch weiter südlich verändert sich die Kulisse grundlegend: In Bayerisch-Schwaben trifft der Weinbau auf die Landschaft des Bodensees. Rund um Lindau wird seit den 1970er-Jahren wieder Wein angebaut. Die Reben wachsen an den Hängen rund um die Stadt und liegen in einer von See, Obstbau und eiszeitlich geprägten Moränenhügeln bestimmten Umgebung. Der elf Kilometer lange Gartenkulturpfad „Villenparks, Weinberge und Streuobstwiesen“ führt über den Hoyerberg und eröffnet Ausblicke auf Lindau und den Bodensee.
Von den Flusstälern Frankens bis zum Bodensee zeigt sich damit, wie unterschiedlich die Weinlandschaften Bayerns geprägt sind. Während in Franken die Rebhänge eng mit den Tälern des Mains verbunden sind, treffen die Weinberge am Bodensee auf Seeufer, Streuobstwiesen und das Alpenpanorama. Weinwandern erschließt so nicht nur unterschiedliche Anbaugebiete, sondern auch die vielfältigen Kulturlandschaften, in denen der Weinbau verwurzelt ist.
Weinwandern ist mehr als zu Fuß durch Weinberge streifen
Ob kurze Tour durch eine einzelne Weinlage oder ausgedehnte Wanderung durch eine ganze Weinregion: Bayerns vielfältige Wein-Routen bieten die unterschiedlichsten Zugänge zum Weinbau. Besonders im Herbst, wenn die Reben ihr Laub färben und die Weinlese vielerorts in vollem Gang ist, wird aus dem Wandern ein unmittelbares Erlebnis der Jahreszeit. Zwischen Weinbergen, Flusstälern und Seen zeigt sich dann eine weitere besondere Seite Bayerns, die sich am besten zu Fuß und mit dem Gaumen entdecken lässt.