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Business-Gepflogenheiten in Bayern: Knigge mit Tipps und Tricks

Unser Business-Knigge für Bayern beschreibt berufliche Umgangsformen sowie Dresscodes und gibt allgemeine Tipps für Geschäftstermine sowie Geschäftsessen. Wie diese Business-Gepflogenheiten in Bayern gehandhabt werden und wie Sie es vermeiden, im Freistaat in ein Fettnäpfchen zu treten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Knigge: Woher kommt der Begriff eigentlich?
 

Das aus dem Englischen stammende Wort „Business“ ist auch in Bayern gebräuchlich und bezeichnet allgemein die Geschäftswelt, doch woher kommt eigentlich der Begriff Knigge? 
Als Adolf Freiherr von Knigge 1788 sein Werk „Über den Umgang mit Menschen“ schrieb, wollte er Bürgern helfen, sich am Hofe zurechtzufinden. Allerdings entspricht dem, was der Freiherr mit seinem Buch ausdrücken wollte, etwas Anderem, als es heute Anwendung findet. Statt mit guten Tischmanieren in Verbindung gebracht zu werden, beschrieb er, wie mit Menschen verschiedenen Charakters und in unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen umzugehen ist. Nach zahlreichen posthumen Überarbeitungen glich sein Buch jedoch irgendwann einer Anstandsfibel. Heute ist der Name „Knigge“, wie sein berühmtes Buch auch genannt wird, in Deutschland ein Synonym für Etikette. 
 

Business-Meetings in Bayern: Von Smalltalk über die Kulinarik bis hin zu Mitbringsel aller Art
 

Smalltalk

Eine typische Business-Gepflogenheit, egal ob in Bayern oder sonst wo auf der Welt, ist der Smalltalk. Doch wie werden Sie am schnellsten mit einem Geschäftspartner warm – insbesondere im Freistaat? Richtig, indem Sie seine Sprache sprechen! Das gilt für ausländische wie für inländische Geschäftspartner. Die Bayern sind besonders stolz auf ihre Kultur und wenn sie dürften, wären sie wohl bereits ein eigener Staat. Gerade beim Geschäftsessen tut es gut, sich über andere Themen als die Arbeit zu unterhalten. Brechen Sie das Eis, indem Sie über landesspezifische Besonderheiten sprechen. Unterschiedliche Dialekte und die Sprachvielfalt in Bayern ist nicht nur ein unverfängliches Thema, es lockert gleichzeitig die Stimmung. Warum beeindrucken Sie Ihr Gegenüber nicht mit ein paar Floskeln bayerischer Mundart? In unseren Bayern-Business-Knigge haben wir einige Beispiele für Sie zusammengefasst:
 

  • Servus [z œ ɐ̯ v ʊ s  ] = Hallo, Tschüss
  • Griaß di (God) [g ʁ i: a: s   d i:   (g ɔ t)] = Grüß Gott, Guten Tag
  • Wiederschaun [v i: d ɐ ʃ aʊ n ], Pfiat di (God) [pf i: a t   d i:   (g ɔ t)  ] = Auf Wiedersehen, Tschüss
  • Habedehr(e) [ h a: b ə d e: h ʁ ə  ], gfraid me [g f ʁ ɛ: t   m ə ]= Hat mich gefreut, freut mich
  • Dangschee [d a ŋ s ʃ e:] = Danke schön, vielen Dank
  • Wos mägst? [v o: s   m ɛ: k s t]  = Wie bitte? 
  • Hock di her da! [h ɔ k   d i:   h e: ɐ   d a:] = Setz dich ruhig zu uns
  • Do legst di nieda! [d ɔ   l e: k s t   d i:   n i: d a: ] = Donnerwetter (Ausdruck des Erstaunens)
  • An Guadn [a n   g ʊ a: d n ] = Guten Appetit
  • Bassd scho  [b a s s t   ʃ ɔ] = alles in Ordnung 
     

Kleidung
Die Bayern lieben ihre Tracht und Tradition! Der Nationalstolz führt sogar so weit, dass die international bekannte Lederhose durchaus auch außerhalb von Volksfesten getragen wird. Auch im Business-Leben ist die bayerische Tracht vor allem in der Start-up-Welt nicht mehr wegzudenken: So tragen zum Beispiel Veranstaltungen wie die Bits & Pretzels dazu bei, dass Lederhose und Dirndl zunehmend auch als Business-Outfit getragen werden können. Auch ist es üblich, in Zeiten von Oktober- oder Starkbierfesten sowie Volksfesten schon in Tracht ins Büro zu kommen (und danach weiterzuziehen). Das ist allerdings stark Branchen-abhängig. Wer also professionell auftreten möchte, sollte die Regeln des Business-Knigge beachten – Bayern hin oder her. So ist im Business-Life nach wie vor der Anzug und gegebenenfalls eine Krawatte bei Männern sowie der Dreiteiler bei Frauen präsent. 

Zeitmanagement
Vielleicht nicht unbedingt typisch bayerisch, aber definitiv typisch deutsch ist die Pünktlichkeit. Sie gehört zu einer der wichtigsten Business-Gepflogenheiten in Bayern wie auch jedem anderen Bundesland. Bayerische Gastgeber und Geschäftspartner erwarten, dass Sie pünktlich sind. Wer unpünktlich zu einem Geschäftstermin erscheint, sollte nicht nur einen triftigen Grund dafür haben, sondern auch dafür sorgen, dass es nicht wieder vorkommt. Warum die Deutschen bei zeitlich festgelegten Terminen so unflexibel sind, hat eine einfache, aber logische Erklärung: Wer pünktlich anfängt, kann schneller Feierabend machen.

Infografik (Download)

Mentalität
In Bayern ist „Servus“ sowohl eine Begrüßungs- als auch eine Abschieds-Floskel. „Grias di God“ oder „Grüß Gott“ ist wiederum bei der älteren Generation sehr gebräuchlich. Zwar handelt es sich hierbei definitiv nicht um Business-Gepflogenheiten, doch auch einem gestandenen Firmenchef kann in Bayern schon mal der ein oder andere Ausdruck wie „Kruzifixsakrament!“ herausrutschen. Diese „Grantelei“ mag vielleicht unfreundlich oder gar derb erscheinen, ist aber gar nicht so schlimm gemeint, wie sie sich anhört. Das Fluchen gehört in Bayern einfach zur Mentalität dazu. Und wer die Bayern besser kennt, weiß: Der „Depp“ ist im Freistaat durchaus auch als herzlich gemeinte Umgangsform zu verstehen. Fakt ist: Die Bayern mögen vielleicht kurz angebunden und eitel wirken, im Herzen sind sie jedoch sehr freundliche „Laid“. Der Bayer grantelt zwar gerne und oft, allerdings ist er auch sehr Gesprächsoffen – auch wenn der Anlass noch so klein ist.


Kulinarik 
Eines steht fest: In Bayern ist das Essen mindestens so wichtig, wie die Begrüßung. Daher ist es nicht unüblich, mit den Geschäftspartnern im Business-Meeting zum Lunch zu gehen. Traditionell bayerisch versteht sich – zum Beispiel in den Biergarten. Dabei gibt es ebenfalls einiges zu beachten: Die Klassiker der bayerischen Küche sind Haxen oder das fränkische Schäufele. Da die allerdings schwer zu essen sind und gerne mal den ein oder anderen Fleck auf dem Hemd hinterlassen, ist es ratsam, lieber zur Brezn oder anderen kulinarischen Köstlichkeiten zu greifen – Ihr Business-Partner kann Ihnen mit Sicherheit Tipps geben! 

Mitbringsel
In vielen Ländern, etwa in Asien, gehört es zum guten Ton, dem Business-Partner ein Geschenk zu überreichen. In Bayern gehört das nicht zwingend dazu. Allerdings freut sich jeder über ein kleines Mitbringsel. Am besten wählen Sie dafür etwas für Ihr Land Typisches oder besonders Originelles aus. Der Preis dafür muss nicht hoch sein, es gelten die compliance-Regeln.