VR- und AR-Forschung in Bayern: Von den Grundlagen zur konkreten Anwendung

Viele Start-ups bringen den Freistaat im Bereich der AR und VR voran – aber nicht nur die. Auch an den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wird fleißig getüftelt.

Stichwort ist hier Cross-Industry-Innovation, denn oftmals geht es darum, die aus dem Gaming-Sektor bekannten Technologien auch für andere Anwendungsfelder zu erschließen. Wir haben uns das genauer angeschaut.

Cross-Industry-Innovation: Angewandte Virtual Reality


Unter anderem verfügt die Technische Universität München über eine eigene Forschungsabteilung, den Lehrstuhl für Informatikanwendungen in der Medizin & Augmented Reality. Hier wird an AR- und VR-Konzepten geforscht, vor allem die Themen Interaktion und Verarbeitung stehen bei der Arbeit im Vordergrund. Der anwendungsorientierte Lehrstuhl unterhält zahlreiche Kooperationen mit Krankenhäusern, Forschungszentren und MedTech-Anbietern, aber auch mit Partnern aus der Industrie, die an AR- und VR-Konzepten interessiert sind. Dazu gehören unter anderem das Deutsche Herzzentrum München, Siemens oder BMW.

An der Universität Regensburg widmet sich das Play2Change-Projekt, eine Kooperation der Medieninformatik mit der Klinischen Psychologie und Psychotherapie, der Nutzung von virtuellen Realitäten. Der Schwerpunkt der Psychologie liegt dabei auf der Anwendung als Therapiemethode bei Angst- und Belastungsstörungen und der Weiterentwicklung als Forschungswerkzeug. Denn mit Hilfe von VR lassen sich Experimentalsituationen leicht simulieren und manipulieren. Die Medieninformatik beschäftigt sich darüber hinaus mit der grundlegenden Weiterentwicklung von Mensch-Maschine-Interaktionen, die virtuelle Realitäten bieten. Usability und Nutzererlebnis sind zwei der wesentlichen Kriterien, die die Forscher dabei anlegen.

Beispiele für mögliche Anwendungsgebiete

VR-Anwendungen in der Labor-Testumgebung


Über ein eigenes Labor für Virtual Reality und Simulation, das alle Stufen von AR bis VR erfahrbar machen soll, verfügt die Technische Hochschule Ingolstadt. Einer der Forschungsschwerpunkte ist die Collaborative VR, die die Zusammenarbeit mehrerer Personen in der virtuellen Umgebung ermöglichen soll. Auch im Rahmen des Studiengangs Digital Business ist VR ein wichtiges Thema.
Das Leibniz Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften arbeitet im Zentrum für Virtuelle Realität und Visualisierung mit modernster Technologie an VR-Konzepten. In Kooperation mit der LMU München erstellen Studierende in der Vorlesung „Virtual Reality“ eigene VR-Anwendungen, die im Rahmen des jährlichen VR Open Lab Days vorgestellt werden. Hier können Besucher sich auch ein Bild des aufwendig gestalteten Labors machen, das zwei große immersive Installationen, eine Powerwall und eine 5-seitige Projektinstallation beherbergt. Bisher sind daraus zahlreiche Forschungsprojekte hervorgegangen, von der Archäologie über die Architektur bis hin zu Life Sciences und Ingenieurwissenschaften.

VR-Grundlagenforschung


Die Anwendung von AR- oder VR-Konzepten setzt voraus, dass die technischen Grundlagen ausgereift sind. Essentiell ist unter anderem das Thema 3D-Visualisierung, dem sich beispielsweise der Forschungsverbund For3D widmet. Der Verbund, an dem die FAU Erlangen-Nürnberg, die TU München, die Universität Bayreuth, das Fraunhofer IIS und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie zahlreiche Industriepartner beteiligt sind, forscht in sieben Teilprojekten an den algorithmischen Grundlagen der 3D-Erfassung.

Besonders erfreulich dürfte für die Forschenden sein, dass auch das Fraunhofer IIS mit an Bord ist. Denn mit dem Holodeck 4.0 liefert das Institut für Integrierte Schaltungen Raum für verschiedenste Themenwelten. Bis zu 100 Nutzer können sich im virtuellen Raum bewegen, was die Installation auch für Anwendungsfelder aus Produktion und Logistik oder der Architektur interessant macht. Damit das VR-Erlebnis rundum stimmig wird, beschäftigen sich die Wissenschaftler am IIS außerdem mit Audio- und Medientechnologien, die dreidimensionale Klangwelten vermitteln sollen.

Ganz egal, ob Grundlagenforschung an neuen Technologien, Entwicklung im dreidimensionalen Raum oder das Weiterdenken neuer Anwendungsmöglichkeiten: Die bayerische Forschung im Bereich der Augmented und Virtual Reality ist breit gefächert und immer auf der Suche nach fortschrittlichen Lösungen.

In unserer Infografik haben wir wichtige Informationen für Sie aufbereitet.