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Tracht und Tradition zum Oktoberfest

Reisende in München können im September schnell den Eindruck bekommen, die ganze Stadt wäre verrückt nach Tracht. Wer jetzt gleich darüber nachdenkt, wie sich das nächste Business-Meeting in Dirndl oder Lederhose bestreiten lässt, kann ganz beruhigt sein: Trachten haben vor allem zum Oktoberfest und zu anderen Events wie dem Starkbierfest im Frühling Saison, das restliche Jahr ist auch der Bayer in alltagstauglicher Kleidung unterwegs.

Dirndl und Lederhose sind übrigens noch nicht lange wieder auf dem Vormarsch – die Tracht auf dem Oktoberfest ist erst seit einigen Jahren und vor allem bei den jungen Leuten wieder in Mode. Für alle, die sich ebenfalls für die mehr oder minder volkstümliche Kleidung entscheiden, hier ein kleiner Wegweiser durch die Welt der Tracht.

Stilecht in Dirndl und Lederhose

Das Dirndl entstammt der alten dörflichen und praktischen Frauen-Tracht des 19. Jahrhunderts (Dirn = Mädchen) und besteht aus Rock, Schürze und Bluse plus diverser Accessoires. Damals noch einheitliche Arbeitskleidung, sind Farbe und Schnitte heute ganz den persönlichen Vorlieben vorbehalten und sorgen für ein buntes Treiben auf der Wiesn. Frauen, die zum ersten Mal ins Dirndl schlüpfen, sollten große Sorgfalt auf das Binden der Schleife verwenden. Denn ob rechts (bereits vergeben), links (ungebunden) oder vorne mittig (der Tradition nach ist die Schleifenträgerin noch Jungfrau, in heutiger Zeit beschreibt es wohl eher den in der Online-Welt anzutreffenden Status „es ist gerade schwierig“) – den jungen Burschen signalisieren die Dirndl-Trägerinnen so ein eventuelles Interesse am Anbandeln.
Auch für die Männer gibt es beim richtigen Outfit einiges zu beachten. Wer nicht sofort als Zuagroaster auffallen möchte, sollte sich folgende Tipps merken:

  • Zur Lederhose gehören immer Strümpfe oder die typischen Wadenwärmer (Loferl).

  • Hosenträger nicht hängen lassen. Wer keine Hosenträger mag, kann problemlos auf einen Gürtel ausweichen.

  • Zur Lederhose gehört ein Hemd; entweder das klassische weiße Leinenhemd für alle, die es traditionell mögen oder ein schlichtes Karo-Hemd.

  • Schuhe: Auch wenn Sneaker mittlerweile mehr oder minder akzeptiert sind, der Klassiker sind immer noch die Haferlschuhe. Eine mögliche Alternative sind Wanderschuhe.

  • Eine gute Lederhose hält ein Leben lang, sollte darum keine billige Massenware von der Stange sein und – das Wichtigste – gehört nicht in die Waschmaschine. Nur so kann sich die typische Patina bilden.

Brauchtumspflege in Bayern

Wichtig zu wissen: „Die bayerische Tracht“ schlechthin gibt es so gar nicht. Denn auch wenn sich natürlich die Ähnlichkeiten im Schnitt nicht leugnen lassen, hat sich die dörfliche Tracht in den bayerischen Regionen durchaus unterschiedlich entwickelt. Für die Pflege des Brauchtums sind heute die Trachtenvereine zuständig. Historische Gewänder im strengeren Sinne sind die Trachten allerdings nicht – sondern lebten erst mit der Verbreitung der Trachtenvereine in der Zeit um 1900 erst richtig auf. Zudem war das Adelsgeschlecht der Wittelsbacher großer Fan der urtümlichen Kleidung und trug maßgeblich zur Förderung der Trachtenvereine bei. Die Lederhose, als bäuerliches Gewand eigentlich schon vom Feld vertrieben, erlebte so ihr Revival – und das dank der zahlreichen Verzierungen prunkvoller als je zuvor.


Aber ganz egal, ob historisch oder nicht – die Tracht ist weltweit untrennbar mit dem Gedanken an die bayerische Tradition verknüpft. In diesem Sinne wünschen wir fröhliches O zapft is!