Sprungbrett Bayern: Celonis – Bayerns nächstes Einhorn

Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Ob sich aber aus einem studentischen Projekt ein Start-up entwickelt und daraus innerhalb weniger Jahre ein Weltmarktführer mit Hunderten von Mitarbeitern, hängt nicht nur von der Idee, sondern auch vom Standort ab. Wir gehen der Frage nach, von welchen Standortfaktoren das Münchner Start-up Celonis auf seinem Weg zum “next Unicorn” besonders profitiert hat.

Das Gründerteam: Martin Klenk, Bastian Nominacher und Alexander Rinke

„Die Digitalisierung erzeugt unglaubliche Produktivität. Gleichzeitig sehen sich Unternehmen heute aber auch mit einer gestiegenen Komplexität konfrontiert, da ist es enorm hilfreich genau zu sehen, was im Unternehmen wie abläuft“, so Bastian Nominacher, einer der drei Celonis-Gründer. Und genau dieses Problem löst ihre Software-Anwendung, die auf der Technologie des „Process Mining“ basiert und derzeit in immer mehr Unternehmen für Durchblick sorgt. Ziel ist es, mit Hilfe von Data Analytics ineffiziente Prozesse zu identifizieren und zu optimieren. In Kürze wird die Celonis-Software durch die Integration von Machine Learning und Artificial Intelligence in der Lage sein, selbständig auf Probleme und Engpässe aufmerksam zu machen und vollständig automatisiert smarte Empfehlungen zu geben.

Der Nährboden: die bayerische Hochschullandschaft


Begonnen hat alles an der TU München. Bastian Nominacher studierte Wirtschaftsinformatik und Finance & Information Management, Martin Klenk belegte Informatik und Alexander Rinke machte seinen Abschluss in Mathematik. Zum ersten Mal trafen die drei in der studentischen Unternehmensberatung Academy Consult München e.V. aufeinander. Für den Bayerischen Rundfunk analysierten sie damals interne Serviceprozesse. Das klappte so gut, dass sie beschlossen, sich mit einer eigenen Process Mining Software selbständig zu machen.

Celonis Process Mining

Das Wachstum: Kunden und Partner direkt vor der Haustür


Erfolgreiche Unternehmen aus allen Branchen haben ihren Sitz in Bayern. Darunter befinden sich Global Player ebenso wie Mittelständler und neben weltbekannten Marken auch Hidden Champions. Dieses Umfeld war für Celonis ideal, um schnell zu wachsen. Von Anfang an gelang es dem Start-up, Kunden zu gewinnen und diese mit dem eigenen Produkt zu überzeugen. Sämtliche Gewinne wurden umgehend in weitere Mitarbeiter und ein eigenes Büro re-investiert. Heute arbeiten 30 Prozent aller DAX-Unternehmen mit der Celonis Software, darunter Konzerne wie Airbus, Bayer, RWE, Siemens, Nestlé und Vodafone sowie die Beratungen Deloitte und KPMG. Vor Kurzem konnte sogar der Softwarehersteller SAP als Partner gewonnen werden, der die Software jetzt in seinem eigenen Produktportfolio vertreibt.

Der Nachwuchs: Motivierte Mitarbeiter frisch von der Uni


München hat sich von Anfang an als perfekter Standort erwiesen. Die beiden großen Universitäten der Stadt – TU München und LMU – sowie diverse Fachhochschulen sorgen für einen großen Pool an Talenten, der sich stetig neu mit Absolventen füllt. Und das ist auch gut so, schließlich beschäftigt Celonis mittlerweile über 300 Mitarbeiter an mehreren Standorten. Bis 2020 will das Unternehmen – mit weiteren Niederlassungen vor allem in den USA – die 1000-Mitarbeiter-Marke knacken.

Der Dünger: Zugang zu Kapitalgebern


Was mit einer Startfinanzierung von 12.500 Euro und leer geräumten Studentenkonten begann, ist mittlerweile üppig mit Finanzmitteln ausgestattet. Für die internationale Expansion besorgte sich Celonis Mitte 2016 bereits 27,5 Millionen US-Dollar von den Investment-Firmen Accel Partners und 83North. Zwei Jahre später folgten im Rahmen einer Serie-B-Finanzierungsrunde weitere 50 Millionen Dollar für den Weltmarktführer im Process Mining. Celonis zählt jetzt zu den wertvollsten deutschen Start-ups. Es ist wurde damit zum jüngsten Einhorn - die Firma verzeichnete zuletzt einen Unternehmenswert von etwas über einer Milliarde Dollar.

Auch die noch kurze Geschichte der Firma Celonis beweist, dass Erfolg und nachhaltiges Wachstum nicht vom Himmel fallen. Vielmehr tragen neben einer durchschlagenden Idee und den entsprechenden Gründerpersönlichkeiten weitere, handfeste Standortfaktoren zum Erfolg bei. Und gerade hier hat Bayern mehr zu bieten als viele andere Standorte. Das zeigt sich auch an den vielen weiteren spannenden AI und ML Start-ups, die in der Region Erfolg haben.