"Silicon Valley an der Salzach" – das Chemiedreieck Bayern

Wer hätte gedacht, dass sich in der malerischen Landschaft Bayerns einer der wichtigsten Standortfaktoren des Freistaates „verbirgt“? Wobei angesichts der weitläufigen Industrieanlagen eigentlich keine Rede von einem Versteck sein kann. Gemeint ist das Chemiedreieck Bayern – auch das „Silicon Valley an der Salzach“ genannt. Im südöstlichen Oberbayern liegt das Zentrum der bayerischen chemischen Industrie. Mit seinen zahlreichen international aufgestellten Unternehmen zählt es zudem zu den bedeutendsten Chemieregionen Europas.

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Mit 20.000 Mitarbeitern beschäftigen die ansässigen Firmen mehr als ein Drittel aller Angestellten in der chemischen Industrie in Bayern. Darüber hinaus sind rund 5.000 weitere Arbeitsplätze in der Region eng mit der Industrie verknüpft. Gemeinsam schaffen sie einen Gesamtumsatz von zehn Milliarden Euro jährlich.


Stark im Verbund


Von ihrer wirtschaftlichen Stärke profitieren die ansässigen Unternehmen auch im Verbund. Ein Großteil der Firmen und die Bayerischen Chemieverbände im Dreieck haben sich zu einer Gemeinschaftsinitiative zusammengeschlossen, um die ganzheitliche Entwicklung der Region zu fördern. So wurden beispielsweise bereits mehrere Milliarden Euro in neue Produktionsanlagen und die Standortinfrastruktur investiert. Zudem eröffnet die seit 2012 in Betrieb genommene Ethylen-Pipeline Süd (EPS) den Zugang zum nordwesteuropäischen Ethylenverbund und damit zu neuen Märkten. Damit hat das Chemiedreieck eine langfristige Perspektive, Drehscheibe eines gesamteuropäischen Pipelinenetzes zu werden.


Auch wenn sich die Unternehmen räumlich über einige Entfernungen erstrecken: Mit einem leistungsfähigen Transportnetz nutzen sie die ökonomischen und ökologischen Vorteile, die sich aus der gemeinsamen Lage und der Zusammenarbeit ergeben. So passieren rund sechs Millionen Tonnen an Gütern jedes Jahr die Tore der Chemiewerke.

Geschichtsträchtig und zukunftsweisend


Das Chemiedreieck kann auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurückblicken, an deren Anfang drei Wasserkraftwerke stehen, die auch heute noch in Betrieb sind. Heute umfasst das Spektrum der angesiedelten Unternehmen eine große Bandbreite und Vielfalt von Chemikalien. Dabei hat sich die Produktion weg von Massengütern hin zur Fertigung von Spezialprodukten verlagert.


So geschichtsträchtig die Vergangenheit des Chemiedreiecks aber auch ist: In puncto zukunftsweisende Technologien brauchen sich die Unternehmen nicht zu verstecken. Auch hinsichtlich der Digitalisierung ist die Branche weit vorn – digitale Technologien und die Verwertung von Echtzeitdaten spielen eine große Rolle zum Beispiel bei der Steuerung komplexer Produktionsanlagen, die häufig in größere Verbundsysteme eingebettet sind. Damit sehen sich die Akteure auch als Impulsgeber für künftige Entwicklungen: Mit dem Internet der Dinge und Industrie 4.0 als maßgeblichem Antrieb zur Steigerung der Produktivität sind auch Unternehmen der chemischen Industrie auf neue Technologien angewiesen.

Ausgezeichnete Cluster


Darüber hinaus profitiert das Chemiedreieck auch von hervorragend ausgebildetem Nachwuchs am Hochschulstandort Bayern. Zudem bringen Netzwerke wie das Cluster Chemie Unternehmen und Forschungseinrichtungen der bayerischen Chemiebranche zusammen und leisten wertvolle Beiträge, um die Zeit bis zur Marktreife für chemische Produkte zu verkürzen. Für seine Beratung ausländischer Industrieparkentwickler und die hervorragende Integration anderer bayerischer Branchencluster ist das Cluster mit dem Gold Label für exzellentes Clustermanagement der Europäischen Kommission  ausgezeichnet worden.


Und auch Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner betont die Bedeutung der gesamten Branche: „Der Stellenwert der chemischen Industrie zeigt sich einerseits mit Blick auf die über Jahre hinweg hohen Umsatz- und Beschäftigungszahlen in diesem Wirtschaftszweig. Andererseits sind die vielfältigen Produkte der Chemieunternehmen Grundstoffe für andere Industriezweige. Die Chemieindustrie ist somit ein wichtiger Pfeiler der gesamten Industrielandschaft Bayerns.“