Mobilität der Zukunft: Bayern fährt schon mal voraus

Beim Thema Mobilität stehen uns ähnlich große Veränderungen bevor wie den Menschen vor 125 Jahren, als das Automobil erfunden wurde. Der eigene PKW war für viele lange Zeit ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit und Ausdruck des sozialen Status. Dies wandelt sich gerade grundlegend. Vor allem wenn es um den eigentlichen Zweck des Autos geht, nämlich komfortabel und schnell von einem Ort zum anderen zu kommen. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle.

So verändern schon heute digitale Angebote wie zum Beispiel Ridesharing die Mobilität. Autonome Shuttles befinden sich längst im Testbetrieb, und ihr Einsatz auf öffentlichen Straßen dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Selbst an Lufttaxis wird intensiv geforscht, so dass die luftgestützte Personenbeförderung im Nahverkehr rein technisch betrachtet bald kein Problem mehr darstellt.

Um die digitale Transformation des Mobilitätssektors weiter voranzutreiben, wird in Bayern die Zusammenarbeit zwischen den Vorreitern der Branche besonders gefördert. Dabei geht es nicht nur um das Auto, die Bahn oder das Flugzeug – die Mobilität soll durch den Einsatz neuer Technologien grundlegend revolutioniert werden. Hierbei spielen vor allem die einschlägigen Acceleratoren namhafter Unternehmen eine hervorgehobene Rolle.

Auf der Überholspur: Bayerische Acceleratoren für Mobilitäts-Start-ups

  • BMW Start-up Garage
    Als sogenannter „Venture Client“ kooperiert BMW mit ausgesuchten Mobilitäts-Start-ups, noch bevor deren Produkt marktreif ist. In realen Projekten wird das jeweilige Produkt in direkter Zusammenarbeit zur Marktreife entwickelt und gemeinsam mit einem BMW-Fachbereich in der Praxis erprobt. Der Autobauer fungiert dabei nicht nur als Mentor, sondern auch als zahlender Kunde.

  • MAN Impact Accelerator
    Der Nutzfahrzeughersteller fördert Start-ups, die an Innovationen für den Transport- und Logistiksektor arbeiten, um nachhaltige Lösungen für soziale und ökologische Herausforderungen zu finden. Dabei stellt MAN nicht nur über 300 namhafte Mentoren zur Verfügung, sondern auch Zugang zu geeigneten Investoren und vielen nützlichen MAN-Ressourcen.

  • Volkswagen Data Lab Munich
    In seinem Start-up Space Programm bietet das Münchener Data Lab Tech-Gründern die Möglichkeit, ihre digitalen Anwendungen schnell und effektiv im Rahmen eines realen VW-Projekts zu testen und weiterzuentwickeln. Die Teilnehmer am Programm haben dabei Zugriff auf die gesamte Konzern-Infrastruktur wie Datenbanken, Tools und Know-how.

  • ESA Business Incubator Centre Bavaria
    Das ESA BIC Bavaria bietet Start-ups Unterstützung und technische Expertise in vielen für die Mobilitätsindustrie relevanten Bereichen. Dazu gehören u.a. Satellitennavigation, Datensysteme, Robotik und Software-Systeme. Neben der Hauptniederlassung in Oberpfaffenhofen betreibt die ESA BIC Bavaria Zweigstellen in Nürnberg, im Berchtesgadener Land und in Ottobrunn.

  • Digital Hub Mobility
    Im Digital Hub Mobility bündeln Unternehmen aus dem Mobilitätsbereich und Technologieunternehmen ihre Kräfte. Ziel ist es, den Standort im Bereich Mobilität zu stärken und Innovationen nachhaltig zu fördern. Um dies zu erreichen, werden gemeinsam mit Start-ups und der Wissenschaft branchenübergreifende Mobilitätslösungen entwickelt. Der Digital Hub Mobility ist im Gründungs- und Innovationszentrum UnternehmerTUM angesiedelt. Das Netzwerk der deutschlandweit insgesamt 12 Digital Hubs ist eine Initiative der Bundesregierung – neben dem Mobility Hub gibt es in Bayern den Hub für Digital Health in Nürnberg.


Attraktiver Standort für die Mobilität der Zukunft

Es ist kein Wunder, dass die hervorragenden Standortvoraussetzungen in Bayern jede Menge Start-ups im Mobilitätssektor auf den Plan rufen. Einen disruptiven Ansatz verfolgt dabei der hochinnovative Newcomer Lilium. Sein elektrisch betriebenes Fluggerät, das senkrecht starten und landen kann, könnte in naher Zukunft die Vision vom Flugtaxi Realität werden lassen.

Nicht minder innovativ ist das Team von WARR Hyperloop der Technischen Universität München, das schon zum dritten Mal in Folge die offizielle SpaceX Hyperloop Pod Competition gewonnen hat. Ein weiterer bayerischer Akteur im Bereich Mobilität ist das Start-up EmQopter aus Würzburg. Die Gründer entwickelten die erste genehmigungsfähige Drohne, die unbemannt Lasten von A nach B transportieren kann. Zum weiteren Portfolio von EmQuopter gehören Sensormodule mit Künstlicher Intelligenz, eine Drohne mit Greifarm sowie Fluggeräte zu Forschungszwecken.

Beste Perspektiven für Firmen aus aller Welt

Im bayerischen Mobilitäts-Ökosystem fühlen sich jedoch nicht nur einheimische Start-ups wohl. Das Mobility-Hub übt auch auf internationale Player eine starke Anziehungskraft aus. So eröffnete Anfang 2018 der kalifornische Uber-Konkurrent Lyft seine erste europäische Niederlassung in München, um sich dort vor allem der SLAM-Technologie (Simultaneous Localization and Mapping) zu widmen. Auch das chinesische Elektroauto-Start-up Nio lässt seine Fahrzeuge seit Kurzem in Bayern entwerfen. Bei Nio ist man überzeugt, dass München die beste Location für Automotive Designer sei, sehr guten Zugang zur Zulieferindustrie böte und außerdem mit hoher Lebensqualität punkten könne. Dies sehen auch Nio´s chinesische Konkurrenten FAW und Byton so und setzen auf Bayern als Innovationsstandort für die Mobilität der Zukunft: FAW hat erst im November ein Büro in den Co-Working-Büros von WeWork in München eröffnet, Byton setzt seit 2017 von Ismaning aus auf Design Made in Bavaria. Ein weiterer Zugang aus dem Ausland ist Zenuity, ein Joint Venture zwischen Volvo und Autoliv, das Software für Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen entwickelt.