© Technische Hochschule Ingolstadt (THI)

Simulationen bei CARISSMA in Ingolstadt mit einem Hexapod

Sicherheit Aug 29, 2022

Mehr als nur Crashtest-Dummys im Einsatz: Bayerische Institutionen arbeiten zusammen, um autonomes Fahren sicher zu machen.

Selbstfahrende Fahrzeuge sind ein bahnbrechendes Konzept im Straßenverkehr, das in der Öffentlichkeit allerdings noch Skepsis hervorruft. Dabei haben vollautonome Lösungen das Potenzial, deutlich sicherer zu sein als von Menschen gesteuerte Fahrzeuge. Deshalb wird das autonome Fahren unsere Straßen in Zukunft eindeutig sicherer machen. Um jedoch eine breite Akzeptanz bei den Verbrauchern zu erreichen, muss die Sicherheit sowohl der Fahrer als auch dem Umfeld gewährleistet sein. Es müssen neue Testverfahren für autonom fahrende Fahrzeuge, branchenweite Normen und Vorschriften entwickelt werden. Als eines der weltweit führenden Zentren für Innovation und Produktion in der Automobilindustrie ist Bayern Schauplatz zahlreicher globaler, nationaler und lokaler Initiativen in diesem Bereich. Hier stellen wir einige wichtige Akteure und Projekte vor.

Universitäten bieten Plattformen für modernste Testmethoden

 

CARISSMA an der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) zum Beispiel ist ein führendes wissenschaftliches Zentrum für Fahrzeugsicherheit in Deutschland. Die Prüfstände sind wahrscheinlich die fortschrittlichsten in Europa und unterstützen den gesamten Zyklus der Entwicklung von Fahrzeugsicherheitssystemen - von der ursprünglichen Idee bis hin zu Software und Systemen, die in das Fahrzeug selbst integriert sind. Ein Testzentrum, Fahrsimulatoren, ein Freigelände sowie verschiedene Labore ermöglichen es den Wissenschaftlern, die Entwicklung des autonomen Fahrens durch modernste Testmethoden sowohl in der virtuellen als auch in der realen Welt voranzutreiben.

Wenn es um das automatisierte Fahren geht, ist die Sicherheit die größte Herausforderung. Die einzige Möglichkeit, sie zu bewältigen, besteht darin, die Betriebsgrenzen der Technologie langsam zu erweitern und zu testen, zu testen und nochmals zu testen.
Professor Werner Huber,
Leiter des CARISSMA Institute of Automated Driving (C-IAD)

© Technische Universität Ingolstadt

Testen realer Verkehrssituationen auf dem CARISSMA Outdoor-Testgelände

Im realen Straßenverkehr gibt es unendlich viele mögliche Sicherheitsrisiken, die in Straßentests nicht vollständig abgebildet werden können.  Deshalb konzentriert sich die CARISSMA-Forschung auf die Entwicklung neuer und effizienterer Testmethoden und -szenarien, wie z. B. die Abbildung verschiedener Wetterbedingungen im Labor und in der Simulation. Als solcher ist es auch ein unschätzbarer Partner für Automobilhersteller, OEMs und Partner-F&E-Zentren auf der ganzen Welt.

Standards sind das absolute „Muss“ für das selbstfahrende Auto   
 

Um die Kompatibilität der Testergebnisse und den Datenaustausch zwischen den Kooperationspartnern zu gewährleisten, ist eines entscheidend: Standards.

Die ASAM (Association for Standardisation of Automation and Measuring Systems) in München entwickelt gemeinsam mit ihren Mitgliedern Standards für die Verifizierung und Validierung von autonom fahrenden Fahrzeugen. Um relevante Standards zu definieren, insbesondere für die Simulation von Szenarien für autonomes Fahren arbeiten sie eng mit Initiativen wie CARISSMA zusammen. Die ASAM-Standards werden weltweit von Unternehmen umgesetzt.


Bei ASAM treffen sich Experten von Zulieferern, Herstellern, Werkzeuganbietern, Ingenieursdienstleistern und Forschungsinstituten aus der ganzen Welt, um sich auf Standards für die Entwicklung und Prüfung in der Automobilindustrie zu einigen. Dazu gehören Standards für simulierte Umgebungen wie ASAM OpenDRIVE, der festlegt, wie die Geometrie von Straßen, Fahrspuren und Objekten sowie Markierungen auf und neben den Straßen beschrieben werden sollten. Ein weiterer Standard, ASAM OpenSCENARIO, beschreibt komplexe Manöver, an denen mehrere Einheiten wie Fahrzeuge, Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer beteiligt sind.

 

Komplexe Aufgaben wie das autonome Fahren lassen sich nicht einzeln realisieren. Wir sehen, dass die Zusammenarbeit bei dieser Aufgabe extrem wichtig ist. Standards sind der Schlüssel, damit die Zusammenarbeit funktioniert.
Benjamin Engel,
Chief Technology Officer (CTO) bei ASAM e.V.

Bedrohungen der Cybersicherheit erfordern neue Lösungen für die Risikogefährdung und die Risikoanalyse
 

TÜV SÜD mit Hauptsitz in München ist ein internationales Prüf- und Zertifizierungsinstitut und seit über 100 Jahren führend in der Fahrzeugprüfung. Im Zeitalter des hochautomatisierten Fahrens unterstützt das Unternehmen seine Kunden bei der sicheren Entwicklung und der reibungslosen weltweiten Einführung von automatisierten Technologien.

Wie CARISSMA und ASAM arbeitet auch das Team von multidisziplinären Experten mit einem umfassenden globalen Netzwerk von Wirtschaftsunternehmen, Universitäten, Regulierungsbehörden und Forschungsinstituten zusammen, um die zahlreichen neuen Herausforderungen der Branche zu bewältigen.

Eine dieser Herausforderungen ist die Cybersicherheit: Mit zunehmender Vernetzung steigt das Risiko von Hackerangriffen auf elektronische Fahrzeugsysteme. TÜV SÜD entwickelt neue Lösungen für die Gefahren- und Risikoanalyse und den Datenschutz, um diesen neuen Bedrohungen zu begegnen. So hat TÜV SÜD beispielsweise eine Methode zur Bewertung der Cybersicherheit entwickelt, die auf den neuesten internationalen Cybersicherheitsstandards basiert. Die Methode hilft Herstellern, Fahrzeuge mit soliden Sicherheitskonzepten zu entwerfen.

Die Initiativen im Bereich der Sicherheit ergänzen die umfangreichen Entwicklungen im Bereich des automatisierten Fahrens, die in ganz Bayern stattfinden. Das Ökosystem umfasst neben großen Herstellern, Erstausrüstern und Forschungsinstituten viele weitere Akteure, die sich auf bestimmte Themen konzentrieren. An der OTH Regensburg läuft beispielsweise das Projekt „FLASHMOB KI“, das Lösungen für den automatisierten ÖPNV im ländlichen Raum entwickelt: Ein KI-basiertes System soll künftig feste Fahrpläne für Busse überflüssig machen und den Fahrgästen ermöglichen, eine Fahrt auf Abruf zu buchen.

An der Universität Passau arbeitet das FORWISS-Institut mit 16 anderen Projektpartnern am @CITY Projekt, um die Herausforderungen des automatisierten Fahrens in städtischen Umgebungen zu bewältigen: Da es häufiger zu Begegnungen mit Fußgängern und anderen Fahrzeugen kommt und die Straßenarchitektur komplexer ist, sind hochgenaue Kartendaten erforderlich. FORWISS fungiert als Softwareentwicklungspartner, um sicherzustellen, dass sie in Echtzeit verfügbar sind.

Um das autonome Fahren Wirklichkeit werden zu lassen, sind branchenübergreifende Innovation und Zusammenarbeit eine Voraussetzung. Bayern steht an der Spitze dieser Bewegung und verbindet die Akteure auf lokaler und globaler Ebene. Die Ergebnisse dieser Innovationen finden schon heute ihren Weg auf die Straße: Freuen Sie sich darauf, dass die Straßen in naher Zukunft sicherer werden.

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