Makerspaces in Bayern: Wo Ideen zu Unternehmen werden

Wer den Schritt in die freie Wirtschaft wagt, muss sich vor allem eins fragen: Kann mein Produkt mit dem rasanten Tempo Schritt halten, in dem sich Technik und Wirtschaft im Zeitalter der Digitalisierung weiterentwickeln? Um das herauszufinden, können sich junge Unternehmer in Bayerns Makerspaces Unterstützung holen. Hier entwickeln und prüfen sowohl erfahrene Fachkräfte als auch ambitionierte Visionäre neuartige Technologien. Wie solche Testlabore die Wirtschaft revolutionieren und wo sie in Bayern zu finden sind, verrät dieser Artikel.

Wörtlich bedeutet „makerspace“ so viel wie „ein Raum für Macher“. Mit anderen Worten: Ein Ort, an dem Menschen gemeinsam Dinge kreieren und erfinden. In der heutigen Wirtschaft steht der Begriff für Orte, an denen Firmengründer  – aber zum Teil auch bereits etablierte Unternehmen – in kooperativer Zusammenarbeit und mithilfe modernster Techniken ihre Ideen testen und in ein fundiertes Geschäftskonzept umwandeln. Zu diesem Zweck schaffen Makerspaces optimale Voraussetzungen für junge Start-ups und Industrie.


Biopark in Regensburg


Direkt auf dem Campus der Universität Regensburg stehen im sogenannten Biopark knapp 20.000 qm Büro- und Laborfläche inklusive technischer Ausstattung und Serviceleistungen zur Verfügung. Diese Makerspaces eignen sich besonders für medizinische Forscher, die in Bayern eine Geschäftsidee ausbauen möchten. Sämtliche Labore vor Ort entsprechen den Standards der Sicherheitsstufe S1 bzw. S2. Zusätzlich zu Einzelbüros können für größere Veranstaltungen auch Konferenzräume oder ein Hörsaal angemietet werden. Derzeit sind 38 Mieter mit insgesamt mehr als 600 Mitarbeitern ansässig, die von einer ausgezeichneten Infrastruktur rund um den Arbeitsplatz profitieren. Dazu zählen unter anderem:

•    Kindertagesstätte
•    Direkte Anbindung an die Autobahn
•    Intensiver Austausch mit wissenschaftlichen Fakultäten


Aktuell entwickelt die Evanium Healthcare GmbH im Biopark ein Mittel, das die Folgeschäden von Alkoholkonsum verringern soll. In Kooperation mit der Universität Regensburg machte das junge Start-up im Jahr 2019 einen Wirkstoff ausfindig, der ethanol-sensitive Rezeptoren gezielt modulieren kann. Daraufhin führte Evanium Healthcare am Uniklinikum Würzburg weitere Messungen durch, welche die alkohol-antagonistische Wirkung des Stoffes bereits im Zellversuch bestätigten. 

Innovationspark in Augsburg 


Unter dem Motto „Forscherparadies statt Mietgebäude“ hat es sich der Innovationspark in Augsburg zur Aufgabe gemacht, Unternehmensgründer aus den Bereichen Industrie 4.0 und Ressourceneffizienz in Bayern nachhaltig zu fördern. Hier sind Start-ups richtig, die Erfindungen in folgenden Branchen vorantreiben wollen:

•    Faserverbund und Leichtbau
•    Mechatronik und Automation
•    Informationstechnologien
•    Embedded Systems
•    Umwelttechnik


Das Gründerzentrum mit Schwerpunkt auf digitale Technologien hilft innovativen Unternehmern in Bayern dabei, ihre Forschungsergebnisse in marktreife Produkte zu verwandeln. Hierfür stehen Vorrichtungen bereit wie beispielsweise:

•    Trassen für zusätzliche Rohrleitungen
•    Luftabsaugkanäle
•    Autoklav-Anschluss


Außerdem soll die Kommunikation sowohl innerhalb der Teams als auch mit Kunden möglichst schnell und einfach ablaufen. Dafür sorgt ein professionelles Facility Management ebenso wie das regionale Netzwerk Ressourceneffizienz.
 

brigk Makerspace in Ingolstadt 


Auch im Gründerzentrum brigk in Ingolstadt ist ein Makerspace angesiedelt, der sich als „Raum für Kreativität, Begegnungsstätte, Labor, Werkstatt und Spielplatz in einem“ versteht. Hier können Künstler, Handwerker oder technische Experten gleichermaßen zur Tat schreiten. Das Leistungspaket beinhaltet einen 24-stündigen Zugang zu folgenden Arbeitsbereichen:

•    Holzverarbeitung: Sägen, Bohren, Hobeln, Schleifen
•    Metallverarbeitung: Schneiden, Schweißen, Fräsen, Biegen
•    Elektronik: Löten, Verdrahten, Coden
•    Rapid Prototyping: Lasercutting, Scannen und Geräte für die Zukunftstechnologie 3D-Druck 
•    Textilverarbeitung: Nähen, Stickereien, Lederarbeiten


Je nach Bedarf lassen sich hier Räumlichkeiten pro Tag, Monat oder Jahr anmieten. Außerdem können Mieter zwischen Basic- und Advanced-Preisklassen wählen – abhängig davon, welche Maschinen sie nutzen möchten. Dank seiner flexiblen Tarifangebote eignet sich der brigk Makerspace daher besonders für die Förderung von ambitionierten Existenzgründern in Bayern, die nur wenig Kapital zur Verfügung haben.
 

ZDI Mainfranken


Am 9. Mai 2018 öffnete der bayerische Makerspace „Cube“ im Zentrum für digitale Innovationen (ZDI) Mainfranken feierlich seine Türen. Wie der Name bereits verrät, handelt es sich hierbei um ein quadratisches Gebäude, dessen Innenbereich verschiedene Räumlichkeiten umfasst:

•    Prototypwerkstätten
•    Start-up-Büros
•    Co-Working-Flächen
•    Aufenthalts- und Kommunikationsräume


Das Projekt Cube soll auch die Entwicklung Würzburgs als „Smart City“ vorantreiben. Zu den Projektpartnern zählen unter anderem:

•    Ludwigs-Maximilians-Universität Würzburg
•    Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
•    IHK Würzburg-Schweinfurt
•    Region Mainfranken GmbH


Makerspaces in München


Im Umkreis der bayerischen Hauptstadt gibt es an vier verschiedenen Standorten Testlabore, die Start-up-Gründer zum Experimentieren einladen.


MakerSpace der UnternehmerTUM in Garching


Ähnlich wie der brigk Makerspace in Ingolstadt spricht die Hightech-Werkstatt MakerSpace in Garching bei München sowohl junge als auch versierte Unternehmer an. Das Testlabor gehört zu den zahlreichen Projekten, die das Zentrum für Innovation und Gründung an der Technischen Universität München, allgemein bekannt als UnternehmerTUM, ins Leben gerufen hat. UnternehmerTUM hat es sich zum Ziel gesetzt, innovative Gründer mit einem Rundum-Service bei der Entwicklung von Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen zu unterstützen. In diesem Sinne schafft der Garchinger Makerspace als größtes europäisches Gründerlabor mit öffentlichem Zugang ein interaktives Netzwerk für „Tüftler und Forscher, Anfänger und Profis, Start-ups und Industrie“ in Bayern. Auf insgesamt 1.500 qm stehen verschiedene Werkbereiche zur Verfügung, darunter:

•    Maschinenbau
•    Metall-, Holz und Textilverarbeitung
•    Elektronik


Dabei haben Mitglieder Zugriff auf Geräte wie 3D-Drucker, Laserschneider oder eine Wasserstrahlschneidemaschine. Überdies können sie an speziellen Trainingseinheiten teilnehmen oder Beratungsgespräche wahrnehmen.

Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie


Als Tochtergesellschaft des Freistaats zielt das Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB) darauf ab, das interdisziplinäre Feld der Life Sciences in Bayern zu fördern. Dafür hat das IZB Räumlichkeiten eingerichtet, die exakt auf die Anforderungen von Biotech-Start-ups zugeschnitten sind. Insgesamt umfasst die Biotechnologie sämtliche Disziplinen, die lebende Organismen erforschen und aus gewonnen Erkenntnissen neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Zu diesem Zweck bietet das IZB seinen Mietern Unterstützung für folgende Herausforderungen:

•    Projektfinanzierung
•    Betriebswirtschaftliches Management
•    Suche nach Kooperationspartnern
•    Wissenschaftliche Vernetzung
•    Messeveranstaltungen
•    Marketingkampagnen


Darüber hinaus befindet sich der bayerische Makerspace in unmittelbarer Nähe zu renommierten Forschungseinrichtungen der Biotechnologie. Hierzu zählen das Max-Planck-Institut für Biochemie und Neurobiologie auf dem Campus Martinsried genauso wie die Fakultät für Biologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)


Ludwig-Bölkow-Campus 


In der Gemeinde Taufkirchen, knapp 30 km vom Münchner Flughafen entfernt, befindet sich der Ludwig-Bölkow-Campus (LBC). Dort arbeiten Lehrstühle verschiedener Hochschulen mit Industriepartnern zusammen, um interdisziplinäre Forschungseinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Hierzu zählen zum Beispiel:

•    Advanced ALM Lab: Die Disziplin Application Lifecycle Management, kurz ALM, befasst sich mit dem gesamten Lebenszyklus einer digitalen Anwendung. Ausgehend von diesem Ansatz fördert das ALM-Lab die Entwicklung von Produkten wie Raketentriebwerken oder Bauteilen für Verkehrsflugzeuge. 
•    System Lab: In diesem Labor entsteht die Infrastruktur der Zukunft. Der Schwerpunkt liegt auf Systemauslegung-, simulation, -integration und Systemtests neuer Technologien Im Bereich der Starr- und Drehflügler. 
•    Algentechnikum: Hierbei handelt es sich um ein innovatives Treibhaus, in welchem Forscher erstmals Machbarkeitsstudien für Algenprozesse in Bezug auf unterschiedliche Klimazonen, Algenstämmen und Kultivierungstechnologien erstellen können.


Information Security Hub


Direkt am Münchner Flughafen befindet sich seit Januar 2018 das Kompetenzzentrum gegen Cyber-Kriminalität, der sogenannte Information Security Hub. In diesem hochmodernen Testlabor können private Unternehmen und staatliche Behörden Security-Experten aus- oder weiterbilden. Ebenso lassen sich hier neuartige Technologien und Verfahren prüfen. Insgesamt setzt sich das Zentrum aus acht Bereichen zusammen:

1.    Trainingsraum und Labor für Operational Technology
2.    Trainingsraum für Office-IT
3.    Gastronomieflächen, die auch als Testumgebung für Kassensysteme dienen
4.    Design-Thinking-Lab
5.    Control Center
6.    Tower, in dem Regie & Steuerung für Trainings und Events stattfinden
7.    Amphitheater als zentraler Meeting-Raum
8.    Executive-Briefing-Center


Existenzgründer fördern und in die Zukunft Bayerns investieren

Wie dieser Artikel zeigt, gibt es über verschiedene Regierungsbezirke Bayerns hinweg eine Vielzahl an Makerspaces, die den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt im Freistaat vorantreiben. Die Vorteile, welche sich aus solchen Angeboten für Start-ups ergeben, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

•    Technische Ausstattung: Wer einen Makerspace anmietet, spart sich teure Investitionen in technische Vorrichtunten. Je nachdem, auf welche Branche ein Testlabor ausgerichtet ist, beinhaltet der Mietpreis bereits die Nutzung spezieller Maschinen und Geräte. 
•    Dienstleistungen: Neben Arbeitsfläche stellen Bayerns Zentren für Start-up-Förderung außerdem ein umfangreiches Paket an Service-Angeboten bereit, um ihre Mieter aktiv bei ihren Projekten zu unterstützen. 
•    Infrastruktur: Bayerische Makerspaces zielen darauf ab, Existenzgründer intensiv mit regionalen Kontaktstellen zu vernetzen. Dazu gehören wissenschaftliche Abteilungen an Hochschulen genau wie potenzielle Geschäftspartner und Kunden. Auch das große Angebot an Co-Working Büros im Freistaat trägt dazu bei.