Luftfahrt und Medien: Zwei starke bayerische Branchen im Austausch mit den USA

Vom 31. Mai bis zum 6. Juni besuchte eine Delegation bayerischer Unternehmer und Wissenschaftler aus den Bereichen Luftfahrt und Medien die US-Bundesstaaten Georgia, South Carolina und Alabama unter Leitung von Staatssekretär Franz Josef Pschierer. Dr. Klaus-Peter Potthast, Leiter der Abteilung Medien und Internet im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, war bei der Reise mit dabei und hat seine Beobachtungen für uns festgehalten.

Luftfahrt und Medien: Zwei starke bayerische Branchen im Austausch mit den USA
Dr. Klaus-Peter Potthast; Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer; Dr. Ulrike Wolf, Leiterin Außenwirtschaft & Standortmarketing im Bayerischen Wirtschaftsministerium; Eberhard Rotter, MdL; Siegfried Schneider, BLM-Präsident (v. l. n. r.)

In Atlanta, der ersten Station unseres Besuchs in den USA, widmete sich ein kleiner Teil der Delegation um BLM-Präsident (Bayerische Landeszentrale für Neue Medien) Siegfried Schneider noch am Tag der Ankunft den Kontakten zum US-Fernsehsender CNN, der in München den CNN-Award ausrichtet.

Den Flugzeugbauer Lockheed Martin besuchten wir am Montag. Wenn bei den bayerischen Delegationsteilnehmern noch Zweifel an der Wichtigkeit der Projekte von Lockheed Martin bestanden, dann sorgte spätestens die langwierige Sicherheitskontrolle dafür, uns vom Gegenteil zu überzeugen. Wo heute das Modell C130 und womöglich bald ein neuer Stealthbomber gebaut werden, entstand vor Jahrzehnten der Starfighter, den auch die Bundeswehr bezog. Staatssekretär Franz Josef Pschierer erinnerte sich an seine Zeit bei der Luftwaffe und das gespaltene Verhältnis zu diesem Flugzeugtyp. Bereits am Vormittag fand ein Symposium mit Luftfahrtexperten aus beiden Ländern statt. Am Abend jedenfalls sah man nur zufriedene Gesichter. Dafür sorgte sicher auch die sprichwörtliche Südstaaten-Gastfreundschaft, die uns beim Empfang der Powerregionen (unter anderem Quebec, Oberösterreich und Bayern) in Atlanta zu Teil wurde.

Medienlandschaft Deutschland – Medienlandschaft USA

Um den zweiten Schwerpunkt dieser Reise – Medien – ging es beim Besuch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von Georgia (GPB). Ungläubig darf man den Blick von Teya Ryan nennen, der Präsidentin der Rundfunkanstalt, als sie die Zahl von 7.5 Milliarden Euro Finanzleistung an ARD und ZDF in Deutschland hörte. Der Unterschied zum amerikanischen System ist überdeutlich. Insgesamt 425 Millionen US-Dollar stehen für alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in 50 US-Staaten jährlich zur Verfügung. Davon werden verschiedene Fernseh- und Hörfunkprogramme finanziert. Rund ein Drittel der Kosten muss über Spenden gedeckt werden. Einen weiteren Beitrag leistet die "Monetarisierung" des Gebäudes. Derzeit nutzt z.B. eine irische Theatergruppe ein Studio. Die große Zeit der Public Broadcaster waren die Jahre, in denen es nur die drei großen Networks  gab. Heute erreicht GPB in der Woche etwa 2 Millionen Zuschauer. Teya Ryan glaubt aber an ein Comeback, denn die Spartenkanäle, zu denen viele Zuseher abwanderten, werden immer billiger bestückt und damit weniger attraktiv. Die deutschen Gäste schauen, hören und staunen: Das werde ich bei Gelegenheit Vertretern des Bayerischen Rundfunks erzählen. Vielleicht wachsen Dankbarkeit und Kreativität.

Aus alt mach neu: alte Maschinen werden wieder flugtauglich gemacht
Der straffe Zeitplan ließ uns keine Zeit zum Verschnaufen. Schnell wieder zurück zur Luftfahrt: Wie bei Lockheed Martin kümmern sich auch die Experten im Mercer Engineering Center um die Flugzeuge des Typs C130. Allerdings werden in Warner Robins, einem Ort auf halber Strecke zwischen Atlanta und Savannah, keine neuen Flugzeuge gebaut, sondern alte Maschinen wieder flugtauglich gemacht und auf den neuesten technischen Stand gebracht. Die knappen Anweisungen und präzisen Erläuterungen des zweiten Redners standen im Kontrast zu der freundlich hellen Redeweise seiner Kollegin zuvor und entlarvten ihn als ehemaligen Luftwaffenoffizier. Ohne die enge Verbindung zum Militär – die Robins Air Force Base ist nicht weit entfernt – gäbe es sicher kein "Mercer Engineering Research Center", ein Spin-Off der privaten Mercer Ingenieur-Schule.  In den USA gibt es offensichtlich keine Berührungsängste gegenüber dem Kunden Luftwaffe. Für das Engineering Center scheint sich das Kerngeschäft der Instandsetzung von Maschinen der Air Force zu lohnen. Ein freundlicher Empfang, ebenso bunte wie leckere Cup-Cakes, und sonst? Die mitgereisten Wissenschaftler bleiben gelassen: „Die helfen der Air Force Geld zu sparen."

Privatjet mit der größten Reichweite
Während der Präsentationen des Präsidenten und der Vizepräsidenten des Flugzeugbauers Gulfstream spüren wir: hier ist man stolz auf das neue Projekt, das Privatjet G650ER, welches ab 2015 ausgeliefert wird und über eine beispiellose Reichweite von fast 14.000 km verfügt. In den Gesprächen hat sich aber auch gezeigt: die bayerische Luftfahrtbranche muss sich keinesfalls verstecken. Das ein oder andere Geschäft scheint sich in der Konzernzentrale in Savannah bereits anzubahnen. So sind nur entspannte Gesichter zu sehen.

Neue Flugzeuge für den Inlandsverkehr
Ein weiterer Höhepunkt der Reise war der Besuch des Airbus-Werks in Mobile/Alabama. Ab 2015 soll hier die Endmontage für Flugzeuge der A320-Familie stattfinden. Die Montagehalle ist noch im Bau, man sei aber gut in der Zeit. Durch das Engagement in Mobile soll der amerikanische Markt unmittelbar bedient werden. Die Wachstumsfantasien wurden durch den großen Erneuerungsbedarf bei amerikanischen Airlines im Inlandsverkehr geweckt. Vor allem gefordert sind Maschinen mit nur einem Gang, wie der Airbus 321.

Savannah College of Art and Design
Als Freund der Kreativwirtschaft besuchte ich in Savannah auch das „Savannah College of Art and Design“ (SCAD): „We are simply unique“, erzählte mir eine Vertreterin des SCAD. 1978 wurde es gegründet. Über die Stadt verstreut finden sich die Universitätseinrichtungen, die alle Kunst- und Kreativsparten abdecken. In modernisierten Fabrikhallen ebenso wie in historischen Gebäuden. Sogar Schauspiel und Sport werden unterrichtet. Ich bin zu Gast bei den Spieleentwicklern, der Designabteilung und den Graphikern. Studenten sehe ich heute nicht, die haben frei. Dafür aber beeindruckende Abschlussarbeiten. Bill Lee, der Leiter des SCAD, ist erst seit knapp einem Jahr hier beschäftigt und ist begeistert: „Die Möglichkeiten hier sind großartig. Es gibt höchstens ein oder zwei vergleichbare Universitäten.“ Dem ist nach meinem Eindruck nur schwer zu widersprechen.

Was können wir aus dieser Reise lernen?
Vor allem, dass Wirtschaft und Wissenschaft in Bayern noch enger zusammenrücken müssen. Da sind sich die mitgereisten bayerischen Unternehmer und Wissenschaftler einig. Der Besuch bei HERTY, einem Forschungs- und Entwicklungszentrum der Georgia Southern University, machte deutlich, wie die Amerikaner es schaffen, wissenschaftliche Erkenntnis effektiver in marktgängige Produkte und Anwendungen umzusetzen. Vielleicht müssen in Bayern auch Förderstrategien überdacht werden.

Der Garant für den großen Erfolg dieser Reise war Craig Lesser. In Atlanta oder Savannah hört man nur Lob für den früheren Wirtschaftsminister Georgias. Der Jurist und jetzige Consultant ist ein guter Freund Bayerns und geübter Türöffner. Schon im Herbst wird er wieder in Bayern sein. Die Partnerregionen Georgia und Bayern sind sich wieder ein Stück näher gekommen.