Gewerbesteuerhebesatz: Finanzielle Vorteile bei der Standortwahl

Bei der Standortsuche spielen viele Faktoren eine Rolle. Marktchancen, Entwicklungspotenziale, der Talentpool oder regionale Netzwerke, auf die Unternehmen zurückgreifen können, sind dabei nur einige unter vielen. Nicht zu vergessen sind natürlich finanzielle Aspekte, die Berücksichtigung finden müssen. Dabei lohnt es sich durchaus, auch das Thema Steuern mit in die Standortsuche einzubeziehen.

Denn das Zauberwort lautet hier Gewerbesteuerhebesatz. Was sperrig klingt, bedeutet ganz einfach, dass die Kommunen in Deutschland selbst darüber entscheiden, wie hoch Unternehmen am jeweiligen Standort lokal besteuert werden. Der Hebesatz legt dabei den Faktor fest, mit dem wiederum die gesetzlich festgelegte Gewerbesteuer-Messzahl von 3,5 Prozent multipliziert wird. Die zu zahlende Gewerbesteuer errechnet sich somit folgendermaßen:
Gewerbeertrag * 3,5 Prozent (Gewerbesteuer-Messzahl) * Hebesatz der Kommune in Prozent
Ein Beispiel: 1 Mio. Euro * 3,5% * 490% (München) = 171.500 Euro (Gewerbesteuer).

Gewerbesteuer sparen dank niedriger Hebesätze

Der Hebesatz ist damit natürlich ein beliebtes und probates Mittel, Firmen mit niedrigen Sätzen an den Standort zu locken. Um das gegenseitige Unterbieten zu begrenzen, hat der Gesetzgeber allerdings festgelegt, dass der Hebesatz 200 Prozent nicht unterschreiten darf . Unnützes Wissen am Rande: Eine rheinland-pfälzische Gemeinde  in der Eifel hält mit 900 Prozent den Rekord für den höchsten Hebesatz – diesen entrichtet aber nur ein einziger Gewerbetreibender im Ort, der als Bürgermeister diesen Betrag zudem selbst verfügt hat.

Wichtig für Unternehmen ist, den individuell richtigen Weg zu finden. Lohnt es sich, sich in Gemeinden mit niedrigeren Hebesätzen anzusiedeln? Je nach Geschäftsmodell kann das durchaus überlegenswert sein. Zudem bewährt sich oft schon ein Blick in die unmittelbare Nachbarschaft, denn zwischen zwei Kommunen können die Gewerbesteuerhebesätze deutlich variieren – so sparen Unternehmen leicht Steuern ohne große Veränderungen in der Standortqualität auf sich zu nehmen.

Gewerbesteuerhebesätze in Bayern

Interessant zu wissen ist, dass die Kommunen den Hebesatz jedes Jahr selbstständig  festlegen können. Daher sollten Unternehmen vor einer Ansiedlung erfragen, wie hoch der aktuelle Hebesatz  ist . Bei der Suche nach Informationen hierzu können Sie sich gerne jederzeit an Invest in Bavaria wenden. Eine Tendenz der jeweiligen Hebesätze lässt sich aus den bestehenden Zahlen ableiten.

Bayern hat nach Brandenburg durchschnittlich die niedrigsten Hebesätze von allen Bundesländern, Hamburg durchschnittlich den höchsten. In mehr als 2.000 bayerischen Gemeinden finden Unternehmen Hebesätze zwischen 230 und 490 Prozent vor. Die Unterschiede erklären sich dabei auch aus städtischen und ländlichen Gebieten. In städtischen wirtschaftsstarken Gebieten tendiert der Hebesatz höher zu sein als in ländlichen Gebieten. Übrigens, der niedrigste Hebesatz in Bayern liegt bei 230 Prozent in Schwaben  in den Gemeinden Rettenbach am Auerberg (Ostallgäu) und Wolfertschwenden (Unterallgäu), der höchste mit 490 Prozent in Oberbayern  (München). Dass der Blick in die Nachbarschaft keinesfalls zu vernachlässigen ist, beweist zum Beispiel Grünwald. In direkter Nähe zu München liegt der Hebesatz bei nur 240 Prozent, deutlich unter dem in München.

Egal, für welchen Standort sich Unternehmen in Bayern entscheiden: Der Gewerbesteuerhebesatz ist definitiv eine Variable, die bei der Standortanalyse beachtet werden sollte. Mehr Informationen zu Gewerbeflächen und Standorten in Bayern bietet außerdem unsere interaktive Kompetenzkarte.