Fünf Minuten mit ... Markus Köpfer, Geschäftsführer der Actuator Solutions GmbH, Treuchtlingen

Bayerns Wirtschaft ist lebendig – dazu tragen vor allem die Menschen, die hier arbeiten und leben, bei. In unserer Rubrik „5 Minuten mit …“ stellen wir jeden Monat eine interessante Persönlichkeit aus Wirtschaft und Forschung vor. Diesen Monat haben wir uns mit Markus Köpfer, Geschäftsführer der Actuator Solutions GmbH, unterhalten. Das Hightech-Unternehmen ist dabei, Aktuatoren (Wandler bzw. Antriebselemente) auf der Basis von Formgedächtnislegierungen zu etablieren und strebt damit die Rolle des Weltmarktführers in der SMA-Aktuatorik an.

Ihre Aktuatoren setzen elektrische Signale in mechanische Bewegung um und verfügen über ein Formgedächtnis – daher auch „shape memory alloy“ genannt. Auf welchem technischen Prinzip basieren diese Lösungen und welche Vorteile bieten sie?

Die Formgedächtnislegierung besteht aus den Metallen Nickel und Titan. Im richtigen Mischungsverhältnis verschmolzen, erhält das Metall eine Art Gedächtnis: Es nimmt zwei verschiedene Kristallstrukturen an, und zwar einmal im kalten Zustand (im Fachjargon: martensitische Phase), in dem es sehr robust und elastisch ist, und zum anderen in einer trainierbaren Umwandlungstemperatur (im Fachjargon: austenitische Phase), bei der es sich in eine feste Form fügt. Durch Erwärmung lässt sich also eine sehr präzise Formveränderung herbeiführen. Diese gewissermaßen metallischen Muskeln nutzen wir gezielt, um der Natur nachempfundene Bewegungen auszuführen, die völlig geräuschlos sind und durch unsere Aktuatoren bei kleinstem Raumbedarf ausgeführt werden können.  


In welchen Branchen und Bereichen kommt dies zur Anwendung?


Prinzipiell dient unsere Technologie als Ersatz für Motoren und elektromagnetische Aktoren. Durch die Systemvorteile, die sie bietet – als kleine, leichte und dennoch kraftvolle Antriebsquelle – und unsere Kompetenz bei der Umsetzung in vollautomatische Fertigungen eignet sie sich vor allem in Industriebranchen, die große Volumen mit hohen Qualitätsanforderungen haben. Dies sind Consumer Electronics (insbesondere Smartphones), Automobilindustrie sowie Medizintechnik.


Als innovatives Unternehmen, das vollkommen neue Anwendungen entwickelt, brauchen Sie einerseits qualifizierte Fachkräfte, andererseits gute Kontakte zu potentiellen Kunden. Welche Rolle spielt der Standort Bayern dabei für Sie?

Der Standort Bayern ist attraktiv für unser internationales Team. Wir müssen auf der einen Seite Brücken schlagen zu unseren asiatischen Kunden, aber auch zu Entwicklungsingenieuren in aller Welt, die sehr gerne nach Bayern kommen. Auf der anderen Seite sind wir als international agierendes Unternehmen attraktiv für bayrische und deutsche Ingenieure. Es ist unbestritten, dass heute asiatische Unternehmen die Zusammenarbeit mit deutschen bzw. bayerischen Unternehmen begrüßen – wir werden dort gerne empfangen.


Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie vor Ort und welche Ziele verfolgen Sie vom neuen Unternehmenssitz aus?
 
Wir zählen derzeit 45 Mitarbeiter und befinden uns in einer deutlichen Wachstumsphase. Seit 2013 ist unser neuer Stammsitz in Gunzenhausen, wir sind dort mit unserem Mutterunternehmen Alfmeier Gruppe, die Präzisions-Komponenten wie Ventile, Aktuatoren, Pumpen und Steuergeräte für die Automobil-Industrie fertigt, unter einem Dach. Wir bauen unsere Weltmarktführerschaft für SMA-Aktuatorik weiter aus – vor allem in den Bereichen Smartphones und Automobile, aber auch in weiteren interessanten Marktsegmenten.


Wie kam es zur Standortentscheidung für Gunzenhausen? Und konnten Sie beim Aufbau des neuen Stammsitzes von Fördermitteln profitieren?

Der Standort Gunzenhausen hatte sehr viel Charme für die ASG – nicht nur durch die Nähe und hervorragende Anbindung zu den Alfmeier Standorten Weißenburg, Treuchtlingen und Nürnberg. Auch die aktive Unterstützung der Stadt Gunzenhausen und der Wirtschaftsförderung des Landkreises hat uns die Entscheidung leicht gemacht. Zudem erhielt die ASG vom Freistaat Bayern wichtige Fördermittel im Bereich der Produktentwicklung.


Welche Ziele in Gunzenhausen und Umgebung steuern Sie in Ihrer Freizeit gerne an?

Gunzenhausen im Fränkischen Seenland ist landschaftlich sehr attraktiv für Familien und gerade für junge Leute. Wir genießen auch die Nähe zu den benachbarten historischen Städten Weißenburg und Dinkelsbühl, die Hesselberg-Region und gerne auch die kleinen versteckten Attraktionen, die man im Altmühltal und der Umgebung finden kann.