Fünf Minuten mit ... Dr. Rainer Martens, Vorstand Technik der MTU Aero Engines AG

Bayerns Wirtschaft ist lebendig – dazu tragen vor allem die Menschen, die hier arbeiten und leben, bei. In unserer Rubrik „5 Minuten mit …“ stellen wir jeden Monat eine interessante Persönlichkeit aus Wirtschaft und Forschung vor. Diesen Monat haben wir uns mit Dr. Rainer Martens, Vorstand Technik der MTU Aero Engines AG unterhalten. Das Unternehmen hat mit der Entscheidung für sein neues Logistikzentrum ein positives Signal für den Technologiestandort Bayern gegeben und hochqualifizierte Arbeitsplätze vor Ort gesichert.

Dr. Rainer Martens, Vorstand Technik der MTU Aero Engines AG
Dr. Rainer Martens, Vorstand Technik der MTU Aero Engines AG

Im Januar 2015 ging das neue Logistikzentrum in Betrieb. Welche Bedeutung hat das für die MTU Aero Engines AG und den Standort Bayern?

Das neue Logistikzentrum der MTU Aero Engines an ihrem Firmensitz ist ein weiteres, klares Bekenntnis zum Standort München und ein Erfolgsgarant für das gesamte Unternehmen und seine Hightech-Arbeitsplätze. Im 80. Jahr unseres Firmenbestehens ist der hochmoderne Neubau ein unübersehbares Zeichen unserer Leistungs- und Innovationsfähigkeit. Mit ihm tragen wir der zu erwartenden Geschäftsentwicklung Rechnung und schärfen das Profil des Münchner Standorts: Unser Fokus liegt auf komplexen Hightech-Bauteilen und hochautomatisierten Fertigungssystemen.

In den nächsten Jahren haben wir viel vor: Die MTU ist heute an so vielen zivilen Triebwerksprogrammen wie noch nie in ihrer Geschichte beteiligt – und zwar in allen Schubklassen: bei Business-Jets, Regional-Jets, Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen sowie auf der Langstrecke. Ein Star in unserem Portfolio ist der Getriebefan. Er ist technologisch etwas ganz Besonderes und auf dem Markt ein voller Erfolg: In Rekordgeschwindigkeit schnellten die Bestellungen auf über 6.000 Triebwerke hoch – für fünf Flugzeugtypen. Im nächsten Jahr starten wir in München die Endmontage des Getriebefan-Antriebs für die A320neo. Das ist für uns ein Novum, denn hier wurde noch nie ein ziviles Triebwerk zusammengebaut.

Anlässlich der Marktprognosen wird sich unsere Produktion drastisch verändern und massiv erhöhen: Bis 2018 rechnen wir mit einer Verdoppelung unserer Modulauslieferungen. Das ist eine Herausforderung, die wir so noch nicht hatten, der wir uns aber mit großem Engagement stellen. An verschiedenen Standorten haben wir umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur getätigt - in München entstand unter anderem das neue Logistikzentrum.


Ihr Unternehmen investiert 10 Millionen Euro. Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Die neue MTU-Logistikzentrale ist die zweite Großinvestition in München angesichts der rasanten Geschäftsentwicklung: Im vergangenen Jahr haben wir bereits ein neues Blisk-Kompetenzzentrum in Betrieb genommen. Auch das ein Mehrere-Millionen-Euro-Projekt. Blisks sind Hochtechnologie-Bauteile für Hochdruckverdichter, für die die MTU weltweit einer der führenden Hersteller ist. Diese Bauteile kommen unter anderem in den neuen Getriebefan-Antrieben zum Einsatz.

Der Getriebefan basiert auf einer völlig neuen Triebwerksarchitektur und schafft auf einen Schlag eine Kraftstoffeinsparung von 15 Prozent, senkt den CO2-Ausstoß ebenfalls um 15 Prozent und halbiert den Lärm. Mit diesem ökoeffizienten Triebwerk für Regional-, Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge haben wir zusammen mit Pratt & Whitney einen technologischen Quantensprung geschafft, den der Markt goutiert. An Anwendungen für Großraumflugzeuge wird auch schon gearbeitet. Für uns wird sich der Getriebefan zum wichtigsten zivilen Triebwerk der Zukunft entwickeln.

Mit der Beteiligung am Getriebefan hat die MTU einmal mehr unter Beweis gestellt, was sie seit Jahrzehnten auszeichnet: Als Technologieführer in wesentlichen Triebwerksbereichen – Niederdruckturbinen, Hochdruckverdichter, Turbinenzwischengehäusen, Herstell- und Reparaturverfahren – waren wir technologisch immer wieder Schrittmacher. Und das soll auch so bleiben. Heute sind wir mit unseren Technologien in jedem dritten Verkehrsflugzeug vertreten und haben uns als verlässlicher, unverzichtbarer Partner in der Branche etabliert.


Damit ist also der Grundstein für das künftige Wachstum gelegt?

Für das Jahr 2015 erwartet die MTU einen starken Anstieg des zivilen Seriengeschäfts. Hier soll der Umsatz um einen hohen einstelligen Prozentwert zunehmen. Gleiches erwarten wir für die zivile Instandhaltung. Hier sind wir einer der größten Anbieter weltweit. Bis 2017 befindet sich die MTU in einer Phase großer Investitionen. Unsere Marktposition ist durch unsere Beteiligungen an den neuen, zivilen Triebwerksprogrammen gesichert. Dadurch nehmen das Serien- und Instandhaltungsgeschäft weit stärker zu als der Ersatzteilbereich. Das Militärgeschäft bleibt stabil.

Die kommenden Jahre sind nicht nur geprägt vom Serienhochlauf der Getriebefan-Programme, sondern auch von deren technologischer Weiterentwicklung. Außerdem laufen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für wichtige Zukunftsantriebe, wie das GE9X für die Boeing 777X, die einen eng gesteckten Zeitplan bis zur Indienststellung haben. In der Instandhaltung positionieren wir uns verstärkt im MRO-Netzwerk der OEMs, sprich: der großen Triebwerkshersteller GE und Pratt & Whitney. Die Investitionen werden sich ab 2018 auszahlen. Wir erwarten dann ein beschleunigtes Wachstum der margenstarken Unternehmensbereiche.


Wie beurteilen Sie die Fachkräftesituation in Bayern und speziell in München?


Die Fachkräftesituation in Bayern und speziell in München ist relativ gut, da die bayerische Metropolregion ein attraktiver Standort ist. Mitarbeitergewinnung und -bindung bleibt für die MTU ein strategisches Ziel. So viel zum lokalen Umfeld.

Für Deutschland muss man sagen, dass der Fachkräftemangel durchaus ein Thema ist, denn hier wird für die benötigten Fachdisziplinen immer noch zu wenig ausgebildet. Als Triebwerkshersteller stellen wir zu 90 Prozent Absolventen der MINT-Studiengänge neu ein. Das bedeutet, dass hier die Zahl der Bewerber für uns deutlich kleiner ist als bei den doch gängigeren Studienfächern, wie Betriebswirtschaft und Jura.

Für uns gilt generell: Wir nehmen nur die Besten. Um das zu gewährleisten, unterhalten wir enge Beziehungen zu den für uns besonders relevanten Hochschulen und deren Lehrstühlen. Dazu gehören unter anderem die RWTH Aachen, die TU München, die Bundeswehr-Uni in München, die TU Braunschweig und die Uni in Stuttgart. Vorteilhaft für uns ist, dass die MTU in der Luftfahrtbranche einen sehr guten Namen hat und für viele Bewerber die erste Wahl ist. Wir ruhen uns auf diesem positiven Image aber nicht aus, sondern arbeiten konsequent daran, das zu bleiben, was wir sind: ein attraktiver Arbeitgeber.


Dürfen wir Sie noch fragen, welche Ziele Sie privat am liebsten ansteuern?

Auch für mich ist die bayerische Landeshauptstadt natürlich ein attraktiver Standort – mit allen kulturellen und geographischen Vorzügen. Ich kenne München seit Ende der 1990er-Jahre und genieße die Stadt und ihr umfangreiches Freizeitangebot sehr. Als Oldenburger habe ich auch die bayerische Lebensart zu schätzen gelernt und suche natürlich gerne die Biergärten auf. Zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählt Vieles, was mit Sport und Musik zu tun hat. Das Konzertangebot von Klassik bis Rock ist hier natürlich überragend und wird von mir ausgiebig genutzt. Im Urlaub ist es für mich ein Genuss, gemeinsam mit meiner Frau in unserem alten VW-Bus durch die Mittelmeerländer zu reisen. Das machen wir schon seit vielen Jahrzehnten.