Fasten in Bayern – mit Starkbierfesten und Derblecken

Die ausgelassene Zeit des Karnevalfeierns ist vorbei – die Fastenzeit gemahnt uns zur Abstinenz. Ganz egal, ob Schokoladen-, Fleisch- oder TV-Verzicht: Seit dem 01. März liegen 40 Tage der selbstgewählten Entbehrung vor uns, bis am 15. April die Fastenzeit zu Ostern ein Ende findet. Doch es gibt einen kleinen Hoffnungsschimmer für alle, die nicht 40 Tage lang auf jeden Genuss verzichten möchten: die bayerische Starkbierzeit.

Luise Kinseher bei der Fastenpredigt (c)sampix

Dass Starkbier in Bayern ausgerechnet zur Fastenzeit Hochsaison hat, kommt nicht von ungefähr. Weil Flüssiges das Fasten nicht bricht, entwickelten die Paulaner-Mönche 1629 ein kräftiges Doppelbockbier, das sie während der Tage ohne Essen stärken sollte. Die Idee und vor allem das würzige Bier fand schnell Anklang bei der Bevölkerung, sodass sich die Tradition bis heute gehalten hat: Fastenzeit ist Starkbierzeit.

Starkbieranstich am Josefstag

Heute ist es längst nicht mehr nur Paulaner, die mit ihrem zünftigen Fastenhelfer die Starkbierszene prägen. Erkennbar sind die verschiedenen Starkbiere an der charakteristischen Namensendung auf -ator, was zu durchaus kreativen Namen wie Animator, Triumphator oder Delikator führt. Anhänger des flüssigen Fastens sollten sich den 19. März jedes Jahr im Kalender markieren, denn der Josefstag markiert den ungefähren Zeitpunkt, zu dem der heiß ersehnte Starkbieranstich stattfindet. Und typisch bayerisch wird hier nicht einfach nur getrunken, sondern ein buntes Programm begleitet den Anlass. So ist zum Anstich des ersten Fasses der Ministerpräsident gefragt, sobald das Bier fließt, rutscht er aber in eine eher passive Rolle – nämlich als Spottopfer beim traditionellen Derblecken.

Kein Starkbier ohne Derblecken

 

Das Derblecken, bei dem herausragende politische Persönlichkeiten auf humoristische und ironische Art und Weise kritisiert werden, ist untrennbar mit dem Starkbierfest verbunden. Das wohl berühmteste findet auf dem Münchener Nockherberg statt, der längst zum Synonym für die Veranstaltung avanciert ist. Der Begriff des Derbleckens stammt übrigens aus der Zeit, als die Wirte ihre Stammgäste noch persönlich mit derben Sprüchen begrüßten. Wer nicht als Spaßverderber dastehen wollte, musste die Beleidigungen humorvoll über sich ergehen lassen – so auch die politische Elite von heute, deren Lachen wohl nicht immer ganz von Herzen kommt.
Dieses Jahr war es bereits am 08. März wieder so weit. Politiker aus München, Bayern und Berlin wurden auf dem Nockherberg  erneut zum Opfer der spöttischen Reden. Wer wissen will, worum es sich dabei genau handelt, kann hier die Fastenpredigt der „Mama Bavaria“ Luise Kinseher aus diesem Jahr noch einmal Revue passieren lassen.

Alternative Craftbeer-Szene in Bayern

Wer kein Fan des zünftigen Starkbiers ist, aber zur Starkbierzeit nicht auf flüssiges Fastenbrechen verzichten will, für den haben wir gute Nachrichten: Denn auch die bayerische Brauerszene beweist, dass sich aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser weit mehr herstellen lässt als Helles oder Weißbier. So ist das Brauen von Craftbeer längst nicht mehr nur ein neumodischer Trend, sondern wird von den Hopfenbauern und Brauern ernsthaft betrieben. Auf diese Weise entsteht eine Vielzahl geschmacklicher Alternativen, die das Bier aus dem angestaubten Wirtshaus herausholen und neu in Szene setzen – übrigens stets im Einklang mit dem Reinheitsgebot.