Disruption in Bayern – Fin- und InsurTech-Boom in München

Die Finanz- und Versicherungswelt wird auf den Kopf gestellt – dafür sorgen junge Start-ups, die die Chancen der Digitalisierung nutzen und mit disruptiven Technologien völlig neue Geschäftsmodelle entwickeln. Noch aber geht es nicht ohne die großen Player und beide Seiten haben erkannt, dass die Zusammenarbeit für alle Parteien von Vorteil sein kann. Fin- und InsurTechs können ihre Ideen dank tatkräftiger Unterstützung schnell zur Marktreife bringen und die Unternehmen profitieren von frischem Know-how.

Starthilfe für Gründer

So haben sich erst dieses Jahr zahlreiche bayerische Unternehmen zusammengefunden, um unter der Leitung des Gründerzentrums Werk1 ein Förder-Programm speziell für InsurTechs auf den Weg zu bringen – den W1 Forward InsurTech Accelerator. Zehn Versicherer haben sich dafür mit dem Werk1 zusammengetan: Allianz, ARAG, die Bayerische, Generali, HUK Coburg, LV 1871, MunichRe, Nürnberger Versicherungsgruppe, SwissRe und die Versicherungskammer Bayern; das bayerische Wirtschaftsministerium hat die Schirmherrschaft übernommen. Bereits im Juni startete die erste Welle, bei denen die Start-ups von Sachleistungen im Gegenwert von 80.000 Euro profitieren konnten, darunter Trainings mit renommierten Coaches oder Arbeitsplätze im Coworking Space von Werk1. Der nächste Batch wird voraussichtlich schon Anfang nächsten Jahres starten. Folgende Start-ups sind die Teilnehmer der ersten Runde:

  • Leonhard-MacDonald Ventures, die eine SaaS-basierte Business-Intelligence-Lösung entwickeln
  • Minnosphere macht Machine Learning und KI zur Risikominimierung für Versicherungen nutzbar
  • MotionsCloud will mit mobilen Cloud-Lösungen die Schadensregulierung und -verwaltung beschleunigen
  • Nect arbeitet an einer Authentifizierungslösung zu Versicherungs-übergreifenden Nutzung
  • Snapsure arbeitet an einem Versicherungs-Bot, der automatisiert das passende Versicherungsangebot findet


Synergieeffekte nicht nur für die Branche

Die Auswahl der Start-ups macht eines besonders deutlich: Die disruptiven Technologien, an denen die Gründer arbeiten, sind nicht nur für die Finanz- und Versicherungsbranche von Interesse. Vielmehr betreiben sie gewissermaßen Grundlagenforschung an Zukunftstechnologien, von denen auch viele andere Anwenderbranchen profitieren können. Big Data, Blockchain, Machine Learning oder Künstliche Intelligenz sind hierbei nur einige der Stichworte. Gerade in München treffen die jungen Unternehmen auf fruchtbaren Boden, schließlich sind hier Unternehmen aller Industrien vertreten, die einen stetigen Bedarf nach neuen, digitalen Lösungen haben. Das beweist nicht zuletzt auch der Fakt, dass immer mehr Forschungseinrichtungen internationaler Konzerne nach München kommen und hier den gezielten Kontakt zu Versicherungsunternehmen suchen. Versicherungs- und Finanzwirtschaft, Start-ups, Industrie-Unternehmen – alle Beteiligten profitieren von den Synergieeffekten, die sich daraus ergeben.

Dass die InsurTech-Szene gerade in München boomt, ist kein Zufall. Schließlich ist die Stadt eine der weltweit führenden Standorte für die (Rück-)Versicherungsbranche, wie die oben aufgezählten Unternehmen beweisen. Seit den 90er Jahren verzeichnet der Sektor zudem ein Wachstum von fast 60 Prozent. Dass München der ideale Standort für Finanz- und Versicherungsgründer ist, weiß auch Erik Podzuweit von Scalable Capital; das FinTech-Start-up wurde gerade erst mit dem FinTech Germany Award in der Kategorie Early Stage ausgezeichnet. Der Co-Gründer und Co-CEO hat uns in der dritten Episode unseres #bytevaria talks erzählt, warum München der perfekte Standort für Gründer ist und welche Potenziale er in der Fin- und InsurTech-Szene sieht. Erfahren Sie mehr zum Thema im Interview oder in unserer Infografik.