Digital Health in Bayern: Die Digitalisierung als Chance für die Gesundheitsbranche

Die Corona-Krise stellt Bayern, seine Unternehmen und seine Bürger vor ungeahnte Herausforderungen. Die langfristigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen lassen sich bisher noch nicht abschätzen. Eine Branche, die dieser Tage besonders in den Fokus rückt, ist der bayerische Gesundheitssektor, insbesondere die Unternehmen und Start-ups im Bereich Digital Health. Denn die Pandemie beschleunigt die Nachfrage nach digitalen medizinischen Lösungen enorm, so dass unermüdlich an neuen Innovationen gearbeitet werden muss. Bayern hat bereits vor der Krise die Digitalisierung im Gesundheitswesens vorangetrieben. Diese Bestrebungen zahlen sich jetzt aus. Wir zeigen Ihnen den aktuellen Stand des bayerischen Digital Health Sektors und dessen Entwicklungsmöglichkeiten.

Digital Health: Eine Konvergenz mit Potenzial
 

Was die meisten Menschen erst durch die derzeitige Pandemie erkennen, war vielen bayerischen Unternehmen und Start-ups schon vorher klar: Zahlreiche Prozesse innerhalb des Gesundheitswesens bedürfen kontinuierlicher Verbesserung. Digitale Lösungen, die den Arbeitsalltags von Ärzten und Pflegekräften verbessern müssen verstärkt eingesetzt werdenGenau hier setzt Digital Health an. Durch die Digitalisierung medizinischer Anwendungen entstehen Cross-Industry-Innovationen im Gesundheitsbereich, die die Behandlungen von Patienten verbessern und die Abläufe effizienter machen. Vor allem die drei Bereiche Künstliche Intelligenz, Telemedizin und digitalisiertes Gesundheitsmanagement bekommen durch die derzeitige Situation besondere Aufmerksamkeit und zeigen, welches Potenzial auch abseits einer Krise von Digital Healthcare ausgeht. 

Künstliche Intelligenz (KI)
 

Seit Jahren investiert der Freistaat in die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Neben Initiativen, Programmen, Projekten und Clustern wurde sogar eine bayerische KI-Agentur ins Leben gerufen. Auch im Bereich der Medizin fördert Bayern den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, dadurch können komplexe sowie zeitintensive Prozesse vereinfacht werden. In der Corona-Krise setzen KI und E-Health direkt an diesem Punkt an. Denn die Entwicklung von Medikamenten oder Impfstoffen erfordert Studien mit riesigen Datenmengen. In Verbindung mit Künstlicher Intelligenz wird deren Auswertung verbessert und beschleunigt. Auch zur Früherkennung und Steuerung zukünftiger Pandemien mittels Tracing-Apps kann KI eingesetzt werden. Hierbei erkennt die künstliche Intelligenz via Bluetooth Begegnungen mit Menschen und warnt automatisch, sobald diese Menschen mit einem Virus infiziert waren.

©Jameda

Telemedizin


Die Telemedizin ist darauf ausgerichtet das ärztliche Wissen sowie ein breites Spektrum medizinischer Dienstleistungen, unabhängig des Wohnortes, mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel zum Patienten zu bringen. Von der Diagnose über die Therapie bis zur Rehabilitation. Dabei soll Telemedizin niemals den Arzt ersetzen, sondern lediglich eine digitale Arzt-Patienten-Kommunikation ermöglichen. Der Einsatz von Sensoren, bildgebenden Verfahren und das Internet machen ärztliche Beratungen unabhängig davon, ob der Fachmediziner vor Ort präsent ist oder nicht. Die eingeschränkten Möglichkeiten zum Praxisbesuch während der Corona-Pandemie haben die Notwendigkeit der Telemedizin wieder einmal verdeutlicht. Bayern treibt mit der Telemedizin-Offensive des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege bereits die Umsetzung voran. Beim bayerischen Tag der Telemedizin, der seit 2012 jährlich in München stattfindet, haben die Besucher die Chance, in Foren, Workshops und Ausstellungsbereichen das Thema der digitalen Transformation im Gesundheitswesen kennenzulernen. Es entsteht ein aktuelles Bild der bisherigen Errungenschaften sowie der weiteren nötigen Anstrengungen in diesem Bereich.  

Digitalisiertes Gesundheitsmanagement
 

Die Digitalisierung der Daten und Prozesse in Kliniken, Praxen, Laboren und Gesundheitsämtern vereinfacht die Diagnostik und die Behandlung grundlegend. Patienten können dadurch schneller, besser und vor allem effektiver untersucht und im Nachgang adäquat betreut werden. Das Digital Health Start-up temedica aus München setzt beim gezielten Gesundheitsmanagement an. Dessen Apps unterstützen Patienten, Ärzte und Kostenträger bei unterschiedlichen Gesundheits- und Therapie-Anwendungen. Das Unternehmen nutzt die Digitalisierung, um die Versorgung aller Patienten zu verbessern, indem sich dessen Apps den unterschiedlichsten gesundheitlichen Problemen annehmen und den Benutzern gezielte Tipps sowie Übungen zur Linderung bereitstellen. So hat temedica zum Beispiel eine Therapie-App für Rückenschmerz-Patienten entwickelt. Auch bei der Bekämpfung der Covid-19 Pandemie, wird auf den Einsatz einer App gesetzt. So konnte erneut die Berechtigung der Digitalisierung im Gesundheitsmanagement bestätigt werden, was Bayern zum Anlass nimmt, diese weiterhin zu fördern.
 

Netzwerke für Digital Health-Start-ups und -Unternehmen in Bayern
 

Mit der Health-Innovation-Plattform „Startup Creasphere“ hat München im Jahr 2018 seinen ersten gesundheitsorientierten Accelerator bekommen. Initiatoren sind das Schweizer Pharmaunternehmen Roche, mit einem Standort im bayerischen Penzberg, und Plug and Play, der weltgrößte Start-up-Accelerator und einer der aktivsten Kapitalgeber im Silicon Valley. Gemeinsam bieten sie zukunftsorientieren Digital Health-Unternehmen- und Start-ups ein Netzwerk, um sich auszutauschen und Investitionen sowie Expansionen zu forcieren. Dabei wird der kontinuierliche Wandel im Gesundheitswesen aufgenommen, um erfolgreich innovative Lösungen auf den Weg zu bringen, die zur digitalen Transformation beitragen. Im letzten Jahr ist durch die Kooperation mit der Sana Kliniken AG, dem drittgrößten privaten Krankenhausbetreiber Deutschlands  mit Hauptsitz in München, eine neue Möglichkeit zur Zusammenarbeit innovativer Akteure in der Gesundheitsbranche entstanden. Die Kliniken und das Start-up-Ökosystem schaffen eine wertvolle Verbindung, um disruptive Technologien und zukunftsweisende Geschäftsmodelle zu erschließen, die schließlich einen positiven Effekt auf Patienten und die Leistungserbringung haben. 
Das neue „H+ Innovation Programme“ des InsurTech Hub Munich (ITHM) und dmac – Medical Valley Digital Health Application Center, Teil des Digital Health Hub Nürnberg/Erlangen, richtet sich an Start-ups im Bereich der digitalen Gesundheit, die Unterstützung bei der Entwicklung ihrer Business Pläne sowie Zugänge zum digitalen Gesundheitsmarkt in Deutschland benötigen. Außerdem können die jungen Unternehmer von Mentoring- und Networking-Aktivitäten profitieren. Weitere solche Programme des ITHM sind bereits in Planung. 

Digital Health in Corona Zeiten: Durchbruch „Made in Bavaria“  


Das bereits erwähnte Schweizer Diagnostikunternehmen Roche stellt an seinem Produktionsstandort im bayerischen Penzberg einen serologischen Antikörpertest „Elecsys Anti-Sars-CoV-2“ her, der herausfinden kann, wer bereits mit dem Coronavirus infiziert war. Die speziellen Diagnostikgeräte des Pharmakonzerns  können zwischen 85 und 300 Tests pro Stunde auswerten. Mit einer Spezifität von 99,81Prozent gilt dieser Test als sehr sicher. Um die Tests in noch größerer Menge bereitstellen zu können, wird Roche die Produktionskapazität der biochemischen Anlagen in Penzberg für 170 Millionen Euro ausbauen. Die bayerische Staatsregierung unterstützt dieses Vorhaben zur weiteren Erforschung und Entwicklung der diagnostischen Tests sowie zum Bau eines Forschungszentrums mit 40 Millionen Euro. Digital Health in Bayern ermöglicht, dieser Pandemie entschlossen entgegen zu treten und besser auf ähnliche Situationen in der Zukunft vorbereitet zu sein.