Die kanadische Community in Bayern

Physisch liegen zwar mehrere tausend Kilometer zwischen Kanada und Bayern, doch zahlreiche Partnerschaften und Kooperationen auf verschiedensten Ebenen – seien sie wirtschaftlicher, politischer, kultureller oder wissenschaftlicher Natur – schaffen eine enge Verbindung und Nähe zwischen den beiden Regionen.

Vertretungen in beiden Ländern fördern bilaterale Kooperationen


Ein Grund dafür, dass der Austausch zwischen den beiden Regionen so gut funktioniert, sind vor allem auch die zahlreichen kanadischen Vertretungen und Regierungsorganisationen in Bayern. Im Herzen von München befindet sich das Kanadische Konsulat, das neben der Konsularabteilung auch mehrere Handelsbeauftragte (Trade Commissioner Service) beschäftigt. Unter demselben Dach arbeiten das Ontario Trade and Investment Office und das Büro des National Research Council Canada (NRC) in Deutschland. Die lang bestehende Partnerschaft und besondere Freundschaft zwischen Bayern und der kanadischen Provinz Québec, die seit 1989 auch durch ein offizielles Kooperationsabkommen besiegelt ist, wird durch die Vertretung der Regierung von Québec in München gefördert. Umgekehrt stärkt auf kanadischer Seite die Vertretung des Freistaats Bayern in Montreal seit 1999 den engen Austausch zwischen Bayern und Québec auf verschiedensten Ebenen – im wirtschaftlichen Bereich insbesondere auch für ganz Kanada.

Bayern – attraktiver Wirtschaftsstandort für kanadische Firmen


Dass Bayern ein attraktiver Wirtschaftsstandort ist, haben weit mehr als 100 kanadische Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen erkannt und ihre Niederlassungen in Bayern aufgebaut. Dazu zählen beispielsweise:

  • Das innovative KI-Softwareunternehmen Algolux entwickelt robuste Computer-Vision- und Bildoptimierungstechnologien für Autonomes Fahren. Seit 2020 bereichert Algolux auch das Münchner Smart Mobility Ökosystem.
  • CGI gehört zu den größten IT- und Business Consulting Unternehmen der Welt und bedient rund 21 Branchen. Untern den weltweit 400 Standorten ist natürlich auch Bayern vertreten.
  • Die unabhängige Normungsorganisation CSA Group ist ein international bekannter Anbieter von Prüf- und Zertifizierungsdienstleistungen und bereits in München und Strasskirchen vertreten. Derzeit errichtet die CSA Group zudem im niederbayerischen Plattling ihre neue Europazentrale.
  • Mit Standorten in Feuchtwangen und Langerringen entwickelt Kinova Robotics sichere Technologien im Bereich der Robotik und ist vor allem auf assistive Roboterarme spezialisiert.
  • Magna International ist Kanadas größter Hersteller von Automobil-Teilen und mit mehreren Standorten in Bayern vertreten, u. a. im unterfränkischen Sailauf.
  • Opal RT unterstützt Kunden aus aller Welt auch von Nürnberg aus mit Echtzeit-Simulationslösungen und Testgeräten für verschiedenste Anwendungen, u. a. für Energiesysteme, Leistungselektronik, den Automobilsektor sowie Luft- und Raumfahrt.
  • OpenText ist das größte kanadische Softwareunternehmen und zählt zu den Besten weltweit. Das EMEA-Headquarter befindet sich in Grasbrunn.
  • Pano Cap ist auf die Herstellung von Plastikverschlüssen spezialisiert. Für die Versorgung des europäischen Markts sorgt seit 2003 der Europa-Hauptsitz in Kaufbeuren.
  • Das preisgekrönte Visual Effects Studio Rodeo FX kreiert in seinen Münchner Studios realistische Filmerlebnisse für den nächsten Kino-Hit.
  • Die Firma Trojan Technologies ist darauf spezialisiert, den Wasseraufbereitungsprozess durch UV-Wasserdesinfektion effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Seinen Deutschland-Standort hat das global tätige Umweltunternehmen im unterfränkischen Schöllkrippen.


Aufschwung für den Handel

Nicht zuletzt diese Firmen profitieren vom Freihandelsabkommens CETA, dessen dreijähriges Bestehen Kanada und die EU am 21.9.2020 gefeiert haben. Das Abkommen, welches, dem Handel zwischen Kanada und Europa neuen Schwung verleihen soll, hat Wirkung gezeigt. CETA hat bereits dazu beigetragen, dass das Handelsgeschäft zwischen der EU und Kanada stärker angewachsen ist. Der bilaterale Handel EU27-Kanada ist seit September 2017 um 24% bei Waren und 25% bei Dienstleistungen gestiegen.

Zukunftsorientierte Kooperationen für die Wissenschaft


Neben den wirtschaftlichen Verflechtungen gibt es auch in der Forschung zahlreiche Kooperationen und Allianzen zwischen Kanada und Bayern. Neben den Aktivitäten des bereits erwähnten National Research Council (NRC) ist in der Bayerischen Forschungsallianz eine eigene wissenschaftliche Koordinierungsstelle Bayern-Québec/ Bayern-Alberta/ International angesiedelt. Sie unterstützt den Austausch zwischen den einzelnen Wissenschaftlern und ihren Einrichtungen und begleitet laufend an die 20 gemeinsame Forschungsprojekte von der Planung und Koordinierung bis hin zur Umsetzung. Zu den thematischen Schwerpunkten der internationalen Forschungsprojekte zählen u. a.: Energietechnologien und Erneuerbare Energien, Umwelt, Neue Materialien, Nanotechnologie, Transport (e-Mobility), IKT & Komplexe Systeme, Lebenswissenschaften & Neurowissenschaften, Medizintechnik und Künstliche Intelligenz.


Zwei aktuelle Beispiele für solche wissenschaftlichen Kooperationsprojekte sind das „ClimEx Projekt“ und das Forschungsprojekt „Kreative Städte“. Das ClimEx Projekt untersucht die Effekte des Klimawandels auf meteorologische und hydrologische Extremereignisse und daraus folgende Implikationen für die Wasserwirtschaft in Bayern und Québec. Das kulturvergleichende Forschungsprojekt „Kreative Städte“ untersucht Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Art, Entstehung und Verbreitung von Kreativität und Innovationen in Deutschland und dem französischsprachigen Kanada anhand eines Vergleichs der Städte München und Montreal. Während die Kooperation der Regionen Bayern und Québec eine optimale Basis für eine vergleichende Studie schafft, zeichnen sich auch beide Städte als kreative Hochburgen aus. Dies zeigt sich nicht nur am hohen Wirtschaftswachstum beider Städte innerhalb der letzten Jahre: Während Montreal von der UNESCO als Global Creative City ausgezeichnet wurde, präsentiert sich München mit einer rasant steigenden Anzahl an Start-ups äußerst kreativ und innovativ im deutschen Wirtschaftsraum.


Natur, Kultur und Lebensqualität: Ahornsirup oder süßer Senf?


Abseits von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben Kanada und Bayern auch eine faszinierende Landschaft gemeinsam. Das Regental zwischen Teisnach und Viechtach wird nicht umsonst „Bayerisch Kanada“ genannt. Denn genau hier zeigt sich die unberührte Naturschönheit des Flusses Schwarzer Regen von ihrer schönsten Seite.

Rund 3000 in Bayern lebende Kanadier schätzen die hohe Lebensqualität im Freistaat: Naturverbundenheit und ein vielseitiges Angebot von Outdoor-Aktivitäten und Kultur sorgen für ein Gefühl von Heimat. Der prominenteste Kanadier, der Bayern aktuell seine Bayern Heimat nennt, dürfte wohl Alphonso Davies sein, der seit 2018 als Linksverteidiger beim FC Bayern München für Aufsehen sorgt. Immerhin ist er der erste kanadische Fußballspieler, der mit Bayern München die Champions League gewann und macht damit selbst die sonst Eishockey-liebenden Kanadier stolz.


Vor Kurzem hat auch der neue Konsul und Leiter der Vertretung in München, David Dunkerley, sein Amt angetreten:

„Bayern ist – ebenso wie Kanada – ein führender Wirtschaftsstandort, insbesondere mit Fokus auf Forschung, Design und Innovation. Hier gibt es viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Zudem schätze ich die offene und herzliche Art der Menschen im Freistaat. Und natürlich ist es wundervoll, wie gut man hier Freizeit und Arbeit mit den Bergen vor der Haustür verbinden kann. Kanada und Bayern haben im Laufe der Jahre in sehr vielen Bereichen eine starke Verbindung aufgebaut und ich freue mich sehr, als Teil dieser Beziehung die bestehenden und zukünftigen Projekte voranzutreiben.“

Auf die Frage, ob er den kanadischen Ahornsirup oder den bayerischen süßen Senf bevorzugt antwortet er: „Nun, ich kann nicht leugnen, dass ich ein großer Fan von Ahornsirup bin. Aber davon abgesehen kommt auch der Senf ähnlich häufig auf den Tisch! Um ehrlich zu sein, empfehle ich eigentlich eine Kombination von beidem als Glasur beim Sommer-BBQ es schmeckt köstlich!“

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Neben der kanadischen Community sind auch andere Länder wie ChinaIsrael und die USA stark in Bayern vertreten und tragen zum wirtschaftlichen sowie interkulturellen Austausch bei. Sie möchten mit regelmäßigen Informationen über den Freistaat auf dem Laufenden bleiben? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter!