Dialekte und Sprachvielfalt in Bayern

Über 12 Millionen Menschen leben in Bayern. Sie alle sprechen Deutsch und dank eines ausgezeichneten Bildungssystems meistens noch ein bis zwei zusätzliche Sprachen. Allerdings gibt es im Deutschen zahlreiche Dialekte und besonders viele davon sind in Bayern beheimatet. Wir erklären, wie Sie sich in der Sprachlandschaft Bayerns zurechtfinden.

Die Grundlagen

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Sprachräume im Freistaat:

1.    Schwäbisch

2.    Fränkisch

3.    Bairisch

Bairisch spricht man im gesamten Südosten Bayerns. Das Fränkische nimmt den Zweitgrößten Sprachraum ein: Er wird im Süden durch Ansbach, im Osten durch Bayreuth, im Norden durch Coburg und im Westen durch Würzburg begrenzt. Schwäbisch ist verglichen mit bairischen und fränkischen Dialekten weniger vertreten. Es wird im Gebiet um Aschaffenburg herum gesprochen und westlich von Augsburg. 

Die Feinheiten

Doch dabei bleibt es nicht. Es gibt nämlich weder „das Fränkische“ noch „das Bairische“: Man muss unterscheiden zwischen Ober-, Unter- und Mittelfränkisch, zwischen Ober- und Mittelbairisch und vielen anderen bayerischen Mundarten. Insgesamt gibt es rund 60 Dialektlandschaften allein in Bayern. Dabei kann allerdings eine Sorge weggenommen werden: Meistens verstehen die verschiedenen Sprachgruppen einander, auch wenn man als Franke in Oberbayern zweifelnd angeschaut oder belächelt wird; umgekehrt wäre wohl dasselbe der Fall.
 

Warum sprechen die Bayern so viele Dialekte?

Das hat damit zu tun, dass die bayerische Bevölkerung ein starkes Wir-Gefühl empfindet, wenn es um ihre Heimat geht. Nicht wenige fühlen sich in ihrer Identität eher als Bayern denn als Deutsche, obwohl das für Außenstehende unsinnig scheint. Dieses Wir-Gefühl erstreckt sich oft auf ganz Bayern, wird bei politischen und anderen Debatten aber auch gern regional spezifiziert: So fühlen sich Franken als Franken gegenüber Restbayern, legen untereinander wiederum Wert darauf, ob sie aus Unterfranken, Mittelfranken oder Oberfranken kommen. Sogar bis auf die kleinstmögliche Einheit kann dieses Wir-Gefühl reduziert werden: In Unterfranken ist es beispielsweise Brauch, dass benachbarte Dörfer versuchen, einander die Maibäume zu stehlen. Sogar in benachbarten Gemeinden kommt es durch diese traditionelle, mittlerweile freundliche Rivalität dazu, dass man versucht, sich durch bestimmte Redewendungen voneinander abzugrenzen. Beispielsweise sind Iphofen und Schlüsselfeld nur etwa 35 Kilometer voneinander entfernt, doch während man in Schlüsselfeld von „Sommersprossen“ spricht, redet man in Iphofen vom „Muggaschiss “. Für die natürlichen Sprachgrenzen sind oft auch Gegebenheiten aus der Umwelt verantwortlich: Oft sind Flüsse oder Berge entscheidend für die Grenzen der Sprachräume. Der Lech ist eine solche Sprachgrenze: Westlich der Lech spricht man schwäbisch, östlich bairisch.
 

Wie politisch mit Dialekten umgegangen wird

Aus politischer Sicht fand ein Umdenken statt: In den siebziger Jahren galt Hochdeutsch als das Maß aller Dinge und Dialekte sollten Kindern in der Schule gezielt ausgetrieben werden. Mittlerweile sehen große Teile der Politik die verschiedenen Mundarten in Bayern als besonders schützenswertes Kulturgut und fördern sie durch verschiedene Maßnahmen. Beispielsweise gibt es in München den Förderverein Bairische Sprache und Dialekte, der sich seit über 30 Jahren bemüht, den Gebrauch der bairischen Sprache und Dialekte stärker zu etablieren. Nicht nur was ihre Sprache angeht, sind die Bayern sehr traditionsbewusst: Auch die Trachten-Tradition in Bayern zeigt deutlich, welche identitätsstiftende Wirkung die eigene Geschichte für viele Bürger des Freistaats hat.