Bayerns Weltkulturerbe – eine Entdeckungstour

Wer an Bayerns Burgen und Schlösser denkt, dem kommt automatisch Neuschwanstein in den Sinn. König Ludwigs Märchenschloss ist ein beeindruckender Publikumsmagnet, der seinesgleichen sucht. Aber Bayern hat noch viele weitere kulturelle Höhepunkte zu bieten. Dieses Mal möchten wir Sie mitnehmen auf eine Reise, die zu den Orten, die von der UNESCO als Weltkulturerbe deklariert wurden, führt.

Die Altstadt von Regensburg: UNESCO Weltkulturerbe

Architektonische Höhepunkte

Wir starten unsere virtuelle Tour an der Würzburger Residenz. Der beeindruckende Barockbau, ehemaliger Sitz der Würzburger Fürstbischöfe, braucht als einer der bedeutendsten Residenzbauten des Spätbarock den Vergleich mit Versailles oder dem Wiener Schloss Schönbrunn nicht zu scheuen. Wie in Versailles ist auch in Würzburg das Spiegelkabinett einer der imposantesten Räume des Schlosses. Im Übrigen hat es die Würzburger Residenz auch schon zu einiger Film-Berühmtheit gebracht, denn sie ist Kulisse des 2011 gedrehten Mantel-und-Degen-Abenteuers „Die vier Musketiere“ mit Christoph Waltz in der Rolle des durchtriebenen Kardinals Richelieu.

Das nächste Highlight auf unserer Liste ist die Bamberger Altstadt. Aufnahme in die UNESCO-Liste fand sie, weil die historische Bausubstanz auch heute noch weitgehend erhalten ist; insgesamt stehen über 1.000 Häuser in Bamberg unter Denkmalschutz. Damit nicht genug: In der Bamberger Staatsbibliothek verstecken sich mit dem Lorscher Arzneibuch und den Reichenauer Handschriften zudem noch zwei wahre Schätze, die zum Weltdokumentenerbe der UNESCO zählen.

Eine weitere Innenstadt, die es auf die Liste der UNESCO geschafft hat: Regensburg als deutschlandweit am besten erhaltene mittelalterliche Großstadt. Weil die Stadt im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört wurde, können Besucher hier den größten zusammenhängenden Bestand an gotischer und romanischer Architektur bestaunen.

Weiter geht die Führung zur Wieskirche im Pfaffenwinkel, eigentlich Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies. Der Name Pfaffenwinkel kommt nicht von ungefähr, denn an kaum einem anderen Ort in Deutschland finden sich so viele Klöster und Kirchen. Die Wieskirche entstand als Wallfahrtsort, nachdem eine Bäuerin zu sehen glaubte, wie die Statue des gegeißelten Heilandes Tränen vergoss. Die beeindruckende Rokoko-Kirche wurde nach der Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe umfassend saniert und erstrahlt heute in ihrer ursprünglichen Pracht.

Seit 2012 darf sich das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth zum erlesenen Kreis der Titelträger zählen. Das beeindruckende Opernhaus im italienischen Spätbarock zählt zu den wenigen original erhaltenen Spielhäusern aus dem 18. Jahrhundert in Europa. Das einzige, was fehlt, ist der originale Bühnenvorhang. Den nahmen napoleonische Truppen auf ihren Russlandfeldzug mit. Im Übrigen war das Opernhaus ein Argument für Richard Wagner, sich auf Bayreuth als Festspielort festzulegen, auch wenn er sich am Ende doch entschied, ein neues Festspielhaus errichten zu lassen.

Ein Streifzug durch die Geschichte


Auf eine weit längere Geschichte blickt unsere nächste Station zurück. Der Obergermanisch-Raetische Limes bildet gemeinsam mit dem Hadrianswall in Großbritannien die im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitende Welterbestätte "Grenzen des Römischen Imperiums". Mit sage und schreibe 550 Kilometern Länge ist er das längste Bodendenkmal Europas und durchläuft mehrere deutsche Bundesländer.

Sogar noch älter sind die Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen, die bis ins fünfte Jahrtausend vor Christus datiert werden. Insgesamt zählt die UNESCO 111 Fundstellen zu diesem Welterbe, die sich auf die Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und Slowenien verteilen. Und drei der Pfahlbauten finden sich auch in Bayern, südlich von Augsburg und im Starnberger See. Bedeutend sind diese Funde vor allem wegen der Geschichten, die sie uns über die Steinzeit erzählen. So entdeckten Forscher hier die ältesten Textilien und die ältesten Radfunde aus der Zeit um 3.000 vor Christus.

Auch abseits von Neuschwanstein gibt es also viel zu entdecken in Bayern. Und wer weiß, vielleicht können wir diese Aufzählung bald um unser berühmtes Märchenschloss ergänzen. Bemühungen, in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen zu werden, gibt es immerhin bereits seit einigen Jahren.