Bayern, Land der Wedler und Wanderer

Bayern ist ein echtes Skifahrer-Land – kein Wunder bei der Nähe zu den Alpen. Und auch Nordbayern bietet viele Möglichkeiten für Freunde des Bergsports. Grund genug, sich eine ganz besondere bayerische Spezialität mal genauer anzusehen: das Skitourengehen.

Über 650 Skitouren gibt es in Bayern. Und wunderbar wohlklingende Namen haben sie: Von Riezlern auf das Toreck oder vom Giebelhaus im Hintersteiner Tal auf den Schochen. Neben ihrem Wohlklang geben die Namen aber noch ein inhaltlich wichtiges Detail preis. Denn anders als beim allseits beliebten Skifahren spielt das kleine aber bedeutsame Wort „auf“ beim Skitourengehen eine entscheidende Rolle. Während die klassischen Skifahrer ohne Lift aufgeschmissen sind, fängt der Spaß beim Skitouren erst dort an, wo es gar keinen Lift gibt. Die Idee ist nämlich primär, mit Skiern einen Berg zu erklimmen, um dann auf dem Rückweg eine naturbelassene Talfahrt zu genießen. Man spricht deshalb auch von Skibergsteigen.

Das erfordert eine gute Ortskenntnis, eine noch bessere Ausdauer und vor allem kräftige Beine. Auch die Ausstattung ist eine andere als beim klassischen Abfahren: Die Ski sind kürzer und leichter, die Bindung anders aufgebaut, sodass man beim Bergauflaufen nur vorn im Ski befestigt ist, nicht aber hinten. Essentiell sind außerdem die Skistöcke, die Halt geben und auf das Hochziehen des Körpergewichts ausgelegt sind. Und natürlich ganz wichtig: Die Ski werden auf der Unterseite mit sogenannten Fellen beklebt. Dadurch rutschen sie nur in eine Richtung (nach vorn) und stoppen in die andere (nach hinten). So kann man mit Ski am Fuß – mehr oder weniger – problemlos nach oben wandern.

Skitour am Schönberg im Tölzer Land südlich von München

Der Vorteil liegt auf der Hand: kein Anstehen am Lift, keine überfüllten Pisten und verhältnismäßig niedrige Kosten, hat man einmal die – zugegebenermaßen kostspielige – Ausrüstung angeschafft, wobei sich Interessierte das Equipment erst einmal ausleihen können. Dafür bekommt man eine oftmals exklusive Abfahrt ins Tal und eine tagesfüllende, körperlich fordernde Aufgabe: Als Ausgleich für den stressigen Alltag ist das Naturerlebnis ebenso zu empfehlen, wie als forderndes Training für Fitness, Ausdauer und Schnellkraft, finden sogar die Ärzte. Und das sind immer noch nicht alle Argumente, die das Skitourengehen auf der Habenseite verbucht: Hinzu kommt, dass es allgemein als besonders umweltfreundlich gilt. Immerhin werden dafür keine Betonpfeiler gebaut, Schneisen in Wälder gehauen und künstliche Schneedecken geschaffen.
 

Auch deshalb mausert sich das Skitourengehen seit Jahren zu einem Megatrend – gerade im dafür prädestinierten Bayern. Im Großraum München wurden beispielsweise schon 2013 mehr Touren- als Alpin-Ski verkauft. Und ein Ende ist nicht absehbar. Deshalb kommen in den Führern, die die bayerischen Umweltbehörden in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Alpenverein Jahr für Jahr herausgeben, immer neue Tourenberge sowie naturverträgliche Routen und Varianten hinzu. Mittlerweile sind an vielen Stellen grüne Wegweiser angebracht worden – gerade in beliebten Skitour-Gebieten wie dem Allgäu und dem Bayerischen Wald. Dort liegen auf Grund der wunderbaren Landschaft die mit großem Abstand beliebtesten Routen – da sind sich Einheimische und Touristen einig. Aber selbst die Berge am Tegernsee sind schon allein aufgrund der Nähe zur Landeshauptstadt mittlerweile für Tourengeher erschlossen.

Bayerns Alpinlandschaft bietet beste Vorrausetzungen für erholsame Skitouren in der Natur

 

Dass das Skibergsteigen in Bayern heute so beliebt ist, mag unter anderem auch daran liegen, dass es eben dort in Mitteleuropa seine Wurzeln hat. Der Heimgarten, ein 1791 Meter hoher Berg in den Walchen- und Kochelseebergen, war der erste Alpengipfel, der auf Ski bestiegen wurde. Natürlich von einem Bayer: Karl Otto hieß der Pionier des Skitourengehens. Er stammte aus dem Raum München. 1890, so erzählt man sich, habe er sich auf Ski aus Lindenholz – die er sich extra bei einem Wagnermeister in der Nähe hatte anfertigen lassen – und Zweigen, die er anstatt der heutigen Felle unter die Laufflächen gebunden hatte, in Richtung des Gipfelkreuzes aufgemacht. Die Faszination hielt sich – gerade in Bayern, wo man die besten Bedingungen für den Sport vorfindet. Dabei muss man nicht unbedingt immer Richtung Alpen fahren, auch in anderen Gegenden des Freistaats findet man lohnenswerte Skitourengehen. Ein echter Geheimtipp für Naturliebhaber ist zum Beispiel die Skitour auf die Königsheide im Fichtelgebirge in Oberfranken. Wer es außergewöhnlich mag, wird auch mitten in München fündig: der zentral gelegene Olympiaberg – von Münchnern auch liebevoll „Olyberg“ genannt – bietet bei guter Schneelage beste Voraussetzungen für die urbane Skitour nach Dienstschluss. Eine ausführliche Übersicht weiterer Skitouren in Bayern finden Sie auf dieser interaktiven Karte.