Bayern als Trendsetter der Nanotechnologie

Unsere Umwelt ist bereits von Nanotechnologie durchzogen. Sie steckt in vielen Dingen, die im Alltag der meisten Menschen selbstverständlich sind: Handyakkus, entspiegelte Displays, Autolacke und Sonnencreme, um nur wenige Beispiele zu nennen. All das beruht auf Nanomaterialien und deren Eigenschaften. Was durch Nanopartikel noch alles möglich ist, warum diese Technik in Zukunft noch wichtiger wird, was der Begriff bedeutet und warum Bayern Vorreiter in Sachen Nanotechnologie ist, erklären wir in diesem Blogbeitrag.

© BMU/Bernd Müller

Nanotechnologie: Was ist das eigentlich?
 

Die Nanotechnologie beschäftigt sich mit unterschiedlichsten Anwendungsgebieten. Gemeinsam haben sie alle die Größenskala, in der sie sich abspielen: Was zwischen einem und 100 Nanometern groß ist, kann Bestandteil von Nanotechnologie sein. Forscher und Experten auf diesem Gebiet beschäftigen sich also mit Objekten, die zwischen 10.000 und 1.000.000 Mal kleiner sind als ein Millimeter. Dabei vereint die Nanotechnologie verschiedenste wissenschaftliche Bereiche: Kommunikationstechnik, Medizin, und Ingenieurswissenschaften werden ebenso von den hier entstandenen Erkenntnissen revolutioniert wie Physik, Chemie und Biologie. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich auch Experten aus all diesen Bereichen mit Nanoteilchen auseinandersetzen können. Weil sie so viele verschiedene Wissenschaften in sich vereint, bezeichnet man die Nanotechnologie auch als Cross-Industry-Innovation. 
 

Welche Rolle nimmt die Nanotechnologie heute ein?
 

Die Nanotechnologie gilt als eine der drei Schlüsselwissenschaften des 21. Jahrhunderts: Künstliche Intelligenz, Quanten-Computing und Nanotechnik betrachtet die Forschung als die derzeit wichtigsten Themengebiete für die Zukunft. Unter diesen dreien nimmt letztere eine zentrale Schlüsselposition ein, denn Quantencomputer lassen sich ohne Nanotechnologie nicht realisieren und für zahlreiche praktische Anwendungen Künstlicher Intelligenz sind leistungsstarke Quantencomputer Voraussetzung. Ohne Nanotechnologie ist der wissenschaftliche Fortschritt also stark begrenzt. Doch auch in einzelnen Disziplinen entstehen heute fast täglich mikroskopisch kleine Revolutionen: Molekulare Nanotechnologie in Medizin und Biologie ermöglicht beispielsweise, Nanoroboter in die Zellen von Menschen einzusetzen, um Krebs zu bekämpfen. Das ist auch einer der Gründe  dafür, dass sich die Politik einschaltet, um die Forschung weiter voranzutreiben. Der Freistaat Bayern fördert Nanotechnologie auf verschiedene Weise. 
 

© NanoBioNet e. V.

Wie Bayern die Nanotechnologie fördert
 

Zum einen unterstützt das Bayerische Staatministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie die Clusteroffensive Bayern, in deren Rahmen auch das Cluster Nanotechnologie gegründet wurde. Dieses Cluster setzt sich aus mehreren Netzwerken zusammen, wie beispielsweise: 
 


Es dient zum Branchenübergreifenden Austausch über die Schlüsseltechnologie und ihre zahlreichen Anwendungsbereiche. Konkret wirbt das Cluster Nanotechnologie mit den folgenden Kernkompetenzen: 
 

  • Initiierung, Unterstützung und Koordination von Projekten bis hin zum kompletten Projektmanagement
  • Durchführung von kundenspezifischen Innovationsworkshops
  • Initiierung und Management von Nanotechnologie-Netzwerken
  • Förderung von Kooperationen zwischen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen sowie Anwendern in der Wirtschaft
  • Unterstützung bei Projektanträgen
  • Unterstützung anwendungsorientierter Forschung
  • Internationales Forschungsmarketing
  • Durchführung von Seminaren, Workshops und Messeteilnahmen
  • Wissensbeschaffung und -aufbereitung
  • Offene Diskussion von Chancen und Risiken


Damit ist das Cluster Nanotechnologie der erste Ansprechpartner von Forschung, Wirtschaft und Politik, wenn Informationen oder Partner aus den verschiedenen Branchen gefunden werden müssen. Durch diese gebündelte Kompetenz fällt es sowohl Start-ups als auch etablierten Unternehmen leicht, den eigenen Wissensschatz zu erweitern und international Anschluss an die jüngsten Erkenntnisse zu gewinnen. 

Bayern fördert Forschungseinrichtungen auch direkt: Im Februar 2020 bekam das in Forchheim ansässige Innovations-Institut für Nanotechnologie und korrelative Mikroskopie e.V. (kurz: INAM) vom Freistaat 5 Millionen Euro. Mit dieserr finanziellen Stärke ausgestattet soll das Institut unabhängig operieren und forschen können – selbstverständlich unter Einbezug international renommierter Experten. Das Wirtschaftsministerium schreibt in einer Mitteilung vom 07.02.2020



Das INAM soll Grundlagenforschung im Bereich der bildgebenden und tomographischen Elektronen-, Ionen- und Röntgenmikroskopie vorantreiben, die konkrete Anwendung in interdisziplinären Forschungskooperationen erproben sowie Forschungsdienstleistungen für KMU und industrielle Partner anbieten. Über die Generierung und intelligente Verknüpfung außergewöhnlich großer Datenmengen (Big Data) soll eine Vielzahl KI-gestützter Anwendungen erforscht werden. - Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie

 

Man ist sich der Wichtigkeit von Nanotechnologie für die Zukunft und ihrer Vielseitigkeit also auch politisch bewusst und unternimmt einiges, um Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsprojekte voranzutreiben. Dabei ist auch der Standort in Forchheim nicht zufällig gewählt: Nur eine halbe Stunde Autofahrt trennt das INAM vom Medical Valley EMN, einer für ganz Europa bedeutenden Kompetenzregion in Sachen Medizintechnik im Herzen Bayerns.

       

Bayern ist die Heimat von Hightech in Deutschland
 

Egal ob in den Bereichen Health, BioTech, als Standort der Industrie 4.0 oder in Sachen Digitalisierung: Der Freistaat ist einer der attraktivsten Unternehmensstandorte in Europa. Das haben auch internationale Unternehmen erkannt, weshalb zum Beispiel Microsoft, Amazon, Apple und Google große Zentralen im Freistaat unterhalten, wo sie direkt neben innovativen bayerischen Unternehmen wie Celonis und Adidas sitzen.