Bayerischer Einzelhandel wappnet sich für den E-Commerce

Onlinehandel macht dem innerstädtischen Einzelhandel zu schaffen – das bekommen auch die bayerischen Händler zu spüren. Kern der Herausforderung: Immer mehr Menschen setzen auf einen Mix aus klassischem Shopping-Erlebnis und der Möglichkeit, schnell, einfach und bequem online einzukaufen.

Das stellt natürlich vor allem den städtischen Einzelhandel vor große Aufgaben und das Schlagwort E-Commerce nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Und genau hier ist der Handel in Bayern bereits auf einem guten Weg: Laut einer von ibi Research an der Universität Regensburg im Auftrag des bayerischen Wirtschaftsministeriums aktualisierten Studie „E-Commerce-Strategien für den mittelständischen Einzelhandel – Ausblick 2020“ setzt die bayerische Wirtschaft auf Wachstum. Seit 2007 wächst der E-Commerce jährlich um 21,2 Prozent. Je nach Szenario kann der E-Commerce-Marktanteil in den nächsten fünf Jahren auf bis zu 17 Prozent ansteigen (von sieben Prozent in 2014). Das entspricht einem Marktvolumen von rund 82 Milliarden Euro.

Modellprojekt in Bayern

Der Freistaat Bayern möchte den bayerischen Einzelhandel auf diesem Weg unterstützen. Zu diesem Zweck hat er das Modellprojekt „Digitale Einkaufsstadt Bayern“ ins Leben gerufen. Damit sollen Städte und Handelsgemeinschaften an digitale Innovationen herangeführt werden. Ziel ist das Angebot an den Kunden, stationären Einzelhandel und E-Commerce aus einem Guss zu liefern.

In dem auf zwei Jahre angelegten Projekt werden die ausgewählten Städte nach einer Bedarfsanalyse von einem Expertenteam intensiv gecoacht und betreut. Am Ende sollen unterstützt von mehreren Partnern neue Strategien stehen, die sich bei Erfolg auch auf andere Kommunen übertragen lassen. Auch der Austausch mit den anderen teilnehmenden Modellkommunen spielt natürlich eine Rolle. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner unterstreicht die Bedeutung des Projektes: „Jedes bayerische Unternehmen braucht eine digitale Strategie, auch der Einzelhandel. Digitale Innovationen wie der E-Commerce stellen eine gewaltige Herausforderung dar. Wir fördern innovative Strategien, um den bayerischen Einzelhandel fit für die Digitalisierung zu machen.“

Unterstützung von mehreren Seiten

Auch von Seiten der Industrie- und Handelskammern erfährt der Einzelhandel Unterstützung. So zum Beispiel beim E-Commerce-Tag am 04. November in Nürnberg, bei dem unter anderem erfolgreiche Geschäftsmodelle im E-Commerce oder Wege des Einzelhandels in den E-Commerce diskutiert wurden. Auch Existenzgründer im Einzelhandel können sich gezielte Unterstützung holen: Bei der IHK, dem bayerischen Einzelhandelsverband HBR, dessen Beratungsgesellschaft BBE oder beim Wirtschaftsministerium stehen fachkundige Experten beratend zur Seite.

Handlungsempfehlungen

Auch das bayerische Wirtschaftsministerium formuliert in seiner Studie neben der Bestandsaufnahme Handlungsempfehlungen für die Zukunft. Darunter fallen unter anderem die Wahl der strategischen Vertriebsoptionen, die Option einer Mehrkanalstrategie und die Entscheidung für bestimmte Offline- und Online-Vertriebskanäle.

Der stationäre Einzelhandel hat einen entscheidenden Vorteil: Die Fähigkeit zur individuellen Beratung und Unterstützung des Kunden durch aktuelles und fundiertes Fachwissen. Nach wie vor finden Kunden dieses Alleinstellungsmerkmal nur im Handel vor Ort. Mit den bayerischen Initiativen soll dieser Vorteil auch ins Online-Geschäft übertragen werden.