0

Alphornblasen in Bayern: Zwischen Tradition, Handwerk & Passion

Ob die klassische Tracht oder das gemütliche Eisstockschießen – in Bayern gibt es eine große Auswahl an Bräuchen, die die Lebensart von damals ins Heute transportieren. Dazu zählt auch die musikalische Tradition des Freistaates und darunter insbesondere das Spielen eines Alphorns. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Blechblasinstrument, das vor allem in den Alpenregionen weit verbreitet ist. Blechblasinstrument? Ja, denn obwohl aus Holz gefertigt, bestimmt die Art der Tonerzeugung die Kategorisierung unter die Blechbläser. Mehr zur Herstellung des Alphorns und wo Sie selbst einmal das Alphornblasen ausprobieren können, verraten wir im Folgenden.

Beliebtes Instrument im Freistaat

Nach der überlieferten Tradition sollen die beliebten Alphörner ursprünglich von Hirten als Signalgeber zur Kommunikation genutzt worden sein. Zudem bildet ein Gemälde in der ältesten Holzkapelle Süddeutschlands St. Anna im Allgäu bereits einen Hirten gemeinsam mit solch einem langen Blasinstrument ab. Heute ist das Alphorn, auch über Hirtengruppen hinaus, äußerst beliebt. Nicht zuletzt deshalb werden regelmäßige Treffen im Freistaat veranstaltet. So finden sich auf dem jährlichen Allgäuer Alphornbläsertreffen über 300 Alphornbläser – ob Solisten oder Ensembles – zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Übrigens, schon gewusst? Im Sommer 2018 jährt sich das Allgäuer Alphorntreffen bereits zum 60. Mal. Nicht weniger interessant ist, dass das von 1982 ins Guinness-Buch der Rekorde eigetragene längste an einem Stück gefertigte Alphorn aus Bayern stammt. Das 20,67 Meter lange Werk kann noch heute in seiner Geburtswerkstatt, dem Berchtesgadener Alphornbau Biermaier, besichtigt werden.

Handwerk für Profis

Auch das Verfahren, mit dem ein Alphorn hergestellt wird, bedient sich der klassischen Technik der Rohrherstellung aus Holz – ein Handwerk, dass nur wenige spezialisierte Instrumentenbauer in Bayern beherrschen. Die Alphörner können nur aus geeigneten Holzstämmen, vorzugsweise aus Fichten, hergestellt werden. Nach dem Aushöhlen der beiden Baumstammhälften, dem Austrocknen sowie der abschließenden Umwicklung wird das Mundstück des Instruments aufgesetzt. Früher wurde besonders die unten abgebogene Form einer krumm gewachsenen Fichte genutzt, die zumeist an den Hängen der bayerischen Berge zu finden war. Diese Krümmung war so wichtig, da sie für den Schallbecher am Ende des Instruments und damit auch für den finalen Ton des Alphorns verantwortlich war. Heute ist das Verfahren oftmals nach CNC-Verfahren standardisiert – auch die Alphornbranche schreckt nicht vor Modernisierung zurück. Je nach persönlichem Geschmack können die hölzernen Schallbecher der Instrumente noch mit Malereien veredelt werden.

Alphornblasen leicht gemacht

Neben all der Theorie geht es beim Alphornblasen natürlich besonders um die Praxis. Umso interessanter ist das Angebot, das Musizieren mit dem Instrument in Bayern selbst auszuprobieren und zu lernen. Das Landhotel Alphorn in Ofterschwang bietet dazu spezielle Kurse an, sei es ein kurzer Schnupperkurs für Anfänger oder direkt eine komplette Alphornwoche für Fortgeschrittene. Ein besonderes Highlight ist auch der Alphornkurs auf dem höchsten Berg Deutschlands, der Zugspitze. Um das bayerische Lebensgefühl in all seinen Facetten zu erleben, gibt es bei dem Zugspitzevent in Garmisch-Partenkirchen anschließend eine eigens organisierte Hütteneinkehr mit deftigen Spezialitäten aus dem Freistaat.