Aktuelle MedTech-Trends – Welche Rolle Bayern spielt

In Sachen Medizintechnik kommt dem Freistaat eine ganz besondere Rolle zu. Bereits 2015 stellte eine Studie im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie fest, dass über 3% der weltweit produzierten medizinischen Produkte allein aus Bayern stammen. Seitdem ist der Markt weiter gewachsen. Wie stark, zeigt ein Vergleich: 2015 setzten Unternehmen aus dem MedTech-Bereich in ganz Bayern etwa 15 Milliarden Euro um. 2018 machte allein Fresenius Medical Care – der größte MedTech-Betrieb im Freistaat – 17,8 Milliarden Euro Umsatz. Wir berichten über aktuelle MedTech-Trends und die Rolle Bayerns in diesem Bereich.

Was Bayern als Standort für MedTech-Unternehmen attraktiv macht


Es ist lohnenswert für Unternehmen, ihre Medizintechnik-Sparte hier anzusiedeln. Die ansässigen Hochschulen sind sehr bewandert auf diesem Gebiet, wie sich an verschiedenen Einrichtungen einiger bayerischer Universitäten zeigt:
•    Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: Zentrum für medizinische Physik und Technik
•    Universitätsklinik Regensburg: Telemedizinisches Zentrum
•    Technische Universität München: Lehrstuhl für Medizintechnik

Ergänzend zu den akademischen Einrichtungen gibt es Organisationen im Freistaat, die einen großen Beitrag zu Weiterentwicklungen im medizinischen Umfeld leisten. So gibt es zahlreiche Forschungsverbände, in denen Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam an Forschung und Entwicklung arbeiten. Diese Faktoren sorgen dafür, dass der bayerische Arbeitsmarkt über Fachkräfte verfügt, deren Kompetenzen MedTech-Unternehmen weiterbringen. Im „Medical Valley“ in der Region Nürnberg alleine gibt es etwa 180 forschende MedTech-Betriebe. 


Bayerische Netzwerke für Medizintechnik


Einige Verbände zielen im Freistaat Bayern darauf ab, die Medizintechnik und aktuelle MedTech-Trends zu fördern sowie voranzubringen. Das „Medical Valley EMN“, wobei EMN für „Europäische Metropolregion Nürnberg“ steht, beheimatet etwa 180 forschende Unternehmen aus diesem Wirtschaftszweig. Mit „MedTech Pharma e. V.“ hat sich außerdem das größte Netzwerk der Gesundheitsbranche Europas in Bayern niedergelassen. Es umfasst derzeit über 600 Mitglieder aus ganz Deutschland und 12 weiteren Ländern. Von Vernetzung in Bayern profitieren nicht nur etablierte Konzerne. Neben Innovations- und Gründerzentren wie jenes für Medizintechnik und Pharma (IZMP) in Erlangen gibt es auch universitäre Kooperationsnetzwerke wie „BioMedTec Franken“. Mehrere Einrichtungen dieser Art im ganzen Bundesland treiben die Gründung und Ansiedlung neuer Unternehmen voran. 
 

Medizintechnik im Freistaat: Was sich aktuell tut


Im Jahr 2019 fanden bereits Veranstaltungen in Bayern statt, die die weltweiten MedTech-Trends wiederspiegeln. Der Kongress MedTech Summit, der einst unter dem Namen „MedTech Dialog Bayern“ startete, setzt regelmäßig Impulse und sorgt für regen Austausch in der Branche. Bereits seit 2017 findet dieses Dialogforum jährlich statt. Nicht nur Unternehmen finden sich dort ein, sondern auch Gäste aus Politik und Forschung treffen sich hier regelmäßig. Das Dialogforum, dem am stetigen Fortschritt der ansässigen Medizintechnikunternehmen gelegen ist, wird aktiv vom Freistaat unterstützt und gefördert. Außerdem findet in Nürnberg mit der MedtecLIVE jährlich eine Messe statt, auf der sich sämtliche Größen der Branche die Klinke in die Hand geben und ihre neuesten Innovationen vorstellen. Auch hier sind Vertreter aus Forschung, Entwicklung, Wirtschaft und Politik anzutreffen. Dieses Jahr fand die Messe vom 21. bis 23. Mai statt und auch der Termin für 2020 steht bereits fest: Vom 31. März bis 2. April 2020 können sich Interessierte die neuesten Technologien anschauen. Der parallel stattfindende MedTech Summit ergänzt die Veranstaltung mit seinem akademischeren Ansatz.
 

MedTech-Trends in Bayern: Was die MedtecLIVE 2019 gezeigt hat 


Fünf Gebiete waren auf der Fachmesse für Medizintechnik dieses Jahr so präsent wie selten: 
•    Softwarelösungen für medizinische Anwendungen
•    Künstliche Intelligenz als unterstützender Faktor
•    Mobile-Health-Produkte 
•    Intelligente Implantate
•    Nanotechnologie, insbesondere Nano-3D-Druck


Software in der Medizin


Egal ob es um Operationsroboter, Laborgeräte oder moderne Simulationsprogramme geht: Ohne Software funktioniert in einem modernen Krankenhaus fast nichts mehr. Da Medizinprodukte zunehmend komplexer werden, muss die Software immer mehr leisten. Auch die einfache Bedienbarkeit ist ein Faktor, der in der Entwicklung nicht zu vernachlässigen ist. Laut einer FDA-Studie sind nämlich etwa 80 % der Fehler, die in Krankenhäusern passieren, auf schlechte Anwendbarkeit einer Software oder eines Programms zurückzuführen. Durch verbesserte Bedienbarkeit sollen Ärzte, Pfleger, Therapeuten und Patienten noch sicherer mit verschiedensten medizinischen Geräten umgehen. 


K. I. als neuer Helfer

Künstliche Intelligenz hat in der modernen Medizin vor allem einen Auftrag: Ungeheure Datenmengen sortieren, verarbeiten und Lehren daraus ziehen. So können Ärzte entlastet und Patienten zeitgleich besser betreut werden. Röntgenbilder oder CT-Aufnahmen kann eine KI effizienter prüfen als ein Arzt. Auch Patientendaten lassen sich mit einem entsprechenden Algorithmus bedeutend schneller auswerten als ein Mensch das könnte. So unterstützen Computer Ärzte dabei, für ihre Patienten die besten Entscheidungen zu treffen. 


Mobile-Health


Auch für die recht neue Sparte der Mobile-Health spielen Software und KI eine tragende Rolle. Die neuartigen Produkte aus diesem Bereich ermöglichen es, dass der Arzt seine Patienten kontaktiert, wenn das nötig wird. So muss sich kein Patient mehr regelmäßig auf Verdacht checken lassen. In der Theorie funktioniert das, indem der Patient relevante Vitaldaten permanent an seinen Arzt sendet, die dort von einer Software ausgewertet und überwacht werden. Sobald eine kritische Veränderung eintritt, erhält der Arzt eine Meldung und kann seinen Patienten kontaktieren und behandeln. In Dänemark ist ein solches Vorgehen bereits üblich, in Deutschland steckt es buchstäblich noch in den Kinderschuhen. Ein bayerisches Start-up überwacht das Gangbild von Parkinson-Patienten durch einen Sensor im Schuh. Dank dieser Technik von Portabiles HealthCare Technologies kann ein Arzt die Bewegungsfähigkeit eines Kranken rund um die Uhr in Echtzeit überwachen und den Krankheitsverlauf beobachten. 

Intelligente Implantate


Unter diesem Begriff finden sich kleine medizinische Gerätschaften, die Sensorik, Aktorik sowie Signalverarbeitung in sich vereinen und in den menschlichen Körper eingesetzt werden. Neben verschiedenen Stimulatoren für Blasen-, Epilepsie- oder Angstpatienten zählen auch ganze künstliche Organe wie Bauchspeicheldrüsen oder Schließmuskeln zu dieser Kategorie.


Nanotechnologie


Welche beeindruckenden Möglichkeiten der Nano-3D-Druck eröffnet, zeigt sich an einem Beispiel: Auf dem Umfang eines einzelnen menschlichen Haares können etwa 900 Nanosensoren gedruckt werden. Je kleiner ein Sensor oder ein Implantat ist, desto leichter nimmt der Körper es auf, ohne dass das Immunsystem dagegen vorgeht. Sensoren auf den Haaren sind sogar vollkommen unproblematisch, bis das bepflanzte Haar ausfällt. 


Doch nicht nur Nanosensoren werden in den nächsten Jahren die medizinische Forschung prägen. Tumorzerstörende Nanoroboter und kleine Maschinen, die in die Blutbahn geschleust werden, um dort Blockaden zu entfernen, sind nur kleine Beispiele. Diese winzig kleinen Wunderwerke der Technik ermöglichen minimalinvasive Behandlungsmethoden, die bisher undenkbar waren: Am Max-Planck-Institut haben Wissenschaftler einen Roboter entwickelt, der so klein ist, dass er sich durch ein Auge bewegen kann, ohne Gewebe zu beschädigen. Obendrein ist dieses Modell noch fernsteuerbar. Dementsprechend ist abzusehen, dass dieser neue Trend, der auf der MedtecLIVE 2019 in Bayern vorgestellt wurde, in Zukunft dazu genutzt werden kann, um Medikamente in Bereiche des Körpers zu bringen, die bisher nur schwer zu erreichen waren.


Medizintechnikstandort Bayern


Es ist beeindruckend, was mit den Mitteln moderner Technik und Medizin heutzutage möglich ist. In Bayern ist man stolz darauf, jedes Jahr aufs neue die Richtung der MedTech-Trends mitbestimmen zu können. Die Branche Medizintechnik in Bayern haben wir deshalb noch einmal ausführlicher vorgestellt.