5 Minuten mit…Wolfgang Westermeier, Geschäftsführer und Mitgründer der Customized Drinks GmbH

Am 23. April fand traditionell der Tag des Deutschen Bieres statt. Bayern ist in der ganzen Welt bekannt für sein Getränk aus Wasser, Malz, Hefe und Hopfen. Vor allem die großen Brauereien vertreiben ihr Bier in allen Herren Ländern. Doch auch im Freistaat entwickelt sich eine schnell wachsende Craft-Beer- und Heimbrauerszene, die Wert darauf legt, ihr Bier geschmacklich individuell gestalten zu können und abwechslungsreicher zu machen. Diesen Trend hat sich das Münchner Start-up Customized Drinks bei seinem Produkt Braufässchen zu Nutzen gemacht. Unser diesmaliger Gesprächspartner Wolfgang Westermeier vertreibt mit seinen beiden Geschäftspartnern ein Bierbrauset, mit dem jeder bei sich zuhause sein individuelles Bier herstellen kann.

Wolfgang Westermeier (c) Customized Drinks GmbH
Wolfgang Westermeier (c) Customized Drinks GmbH

Bier gibt es an jeder Ecke zu kaufen. Wie seid Ihr auf die Idee mit Braufässchen gekommen?


Wir haben uns während des Studiums bei dem Gründerstipendium Manage&More am Gründerzentrum der Technischen Universität München kennengelernt. Irgendwann haben wir uns gefragt, warum wir eigentlich fast immer das gleiche Bier trinken und wie wir zukünftig mehr Vielfalt bei der Bierauswahl haben könnten. So sind wir drauf gekommen, unser Bier selber zu brauen. Da die damals am Markt verfügbaren Lösungen alle sehr kompliziert und zeitaufwändig waren, haben wir uns einen neuen Prozess überlegt, wie man zuhause einfach und schnell sein eigenes Bier brauen kann.

Kann mit Eurem System wirklich jeder Bier brauen?


Ja, das Braufässchen ist die schnellste und einfachste Möglichkeit, zuhause selber Bier zu brauen. Als erstes stellt man sich dabei auf www.braufaesschen.com in drei einfachen Schritten sein Lieblingsbier zusammen. Man kann zuerst seine Lieblingssorte wählen, anschließend bestimmen wieviel Hopfen man gerne in seinem Bier hätte und es am Ende noch mit bis zu drei natürlichen Aromen verfeinern. Anschließend bekommt man alle Zutaten für die Wunschrezeptur passend abgewogen nach Hause geschickt sowie ein leeres fünf Liter Fass, eine Anleitung und ein Druckventil. In 10 Minuten kann man im Fass alles zur Gärung vorbereiten, muss das Bier anschließend fünf Tage bei Zimmertemperatur gären und zwei Tage im Kühlschrank reifen lassen. Nach nur einer Woche kann man sein eigenes Bier frisch aus dem Braufässchen zapfen.

Allein in Bayern gibt es über 600 Brauereien. Da sollte doch eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei sein.  Inwiefern bietet Braufässchen noch neue Biersorten an?


Mit Braufässchen kann man aktuell aus über 100.000 verschiedenen Möglichkeiten sein individuelles Bier zusammenstellen. Das ist möglich, da Heimbrauer von den Beschränkungen des Reinheitsgebotes ausgenommen sind und ihnen so wesentlich mehr Zutaten für die Bierherstellung zur Verfügung stehen. Neben der Intensität des Hopfens können so zum Beispiel noch natürliche Aromen aus Früchten oder Chips aus alten Whiskey Fässern zum Bier hinzugegeben werden und es so individuell verfeinert werden.

2015 wart Ihr unter den Top 3 des renommierten deutschen Gründerpreis in der Kategorie Start-up. Inwiefern hat die Nominierung aber auch der Auswahlprozess selbst Euer junges Unternehmen voran gebracht?


Die Teilnahme an derartigen Wettbewerben ist allein deshalb sinnvoll, weil man sich dafür nochmal intensiver Gedanken über den Businessplan sowie die nächsten Meilensteine machen muss und in der Regel auch Feedback einer Expertenjury dazu bekommt. Darüber hinaus haben wir durch die Teilnahme am deutschen Gründerpreis ein tolles Netzwerk aus anderen Start-ups und erfahrenen Unternehmern bekommen, was uns bei der weiteren Ausgestaltung unserer Strategie sehr geholfen hat. Zudem war das Beratungsprojekt mit Porsche Consulting sehr hilfreich für uns, um für das weitere Wachstum mit besseren Produktionsprozessen gut gewappnet zu sein.  

Bereits zwei Jahre nach der Unternehmensgründung habt Ihr Eure internationale Marke "brewbarrel" etabliert. Wie habt Ihr es geschafft, so schnell zu wachsen und welche Tipps könnt Ihr anderen Gründern geben?


Meist ist ein schnelles Wachstum immer mit guten und schwierigen Phasen verbunden, weshalb man das richtige Team braucht, welches auch in schwierigen Phasen zusammenhält und sich gegenseitig motiviert. Zudem müssen alle das gleiche Ziel bezüglich Wachstum haben, weil man in der Regel erstmal recht viel Zeit und Arbeit investieren muss, bevor man die Früchte davon ernten kann. Bei uns hat es auch knapp zwei Jahre harter Arbeit benötigt, bevor wir wirklich auch die Vorteile der Internationalisierung für uns nutzen konnten. Daher war es im Nachhinein auch gut, dass wir doch schon so früh angefangen haben. Man sollte dabei jedoch nicht außer Acht lassen, eine durchdachte und mit Fakten hinterlegte Strategie zu entwickeln, in welche Märkte man mit welcher Strategie als erstes geht.  


Wo trinkt Ihr in München oder dem Umland am Liebsten ein kühles Bier?


Am liebsten bei uns im Büro mit dem ganzen Team. Es ist ein wichtiger Teil unserer Unternehmens- und Teamkultur, nach der harten Arbeit auch regelmäßig die gemeinsamen Erfolge zu feiern. Dazu darf dann natürlich ein selbstgebrautes Bier nicht fehlen!

 

 

Bayerns Wirtschaft ist lebendig – dazu tragen vor allem die Menschen, die hier arbeiten und leben, bei. In unserer Rubrik „5 Minuten mit …“ stellen wir jeden Monat eine interessante Persönlichkeit aus Wirtschaft und Forschung vor.