5 Minuten mit ... Susanne Haspinger, COO von Holo-Light

Durch eine Series-A Finanzierung konnte das ursprünglich aus Österreich stammende Start-up Holo-Light jüngst vier Millionen Euro einnehmen. Holo-Light bietet Augmented-Reality Lösungen vornehmlich für Industrieunternehmen an und versorgt bereits Großkunden aus der Automobil- und Maschinenbaubranche mit seiner Technologie. Ziel ist es, mit dem neuen Investment die geplante Internationalisierung voranzutreiben. Im Interview ist heute COO Susanne Haspinger zu Gast, die unter anderem mit ihrem Ehemann Florian das Unternehmen 2015 gegründet hat.

Susanne Haspinger

Frau Haspinger, neulich haben Sie ein Buch zum Thema Chancen der Digitalisierung und Augmented Reality (AR) veröffentlicht. Welche neuen Geschäftsfelder werden durch Augmented Reality geschaffen?

Nahezu jedes Geschäftsfeld lässt sich nachhaltig durch AR beeinflussen. Wir konzentrieren uns auf die industrielle Anwendung. Mit Augmented Reality lassen sich Fertigungsanlagen besser planen sowie Prototypen schneller und vor allem wirtschaftlicher realisieren. Auch die Qualitätskontrolle und technische Ausbildung wird auf eine neue Effizienzstufe gehoben. Die Technologie überwindet Barrieren zwischen Mensch und Technologie. Und sie macht Arbeitsabläufe kollaborativ. So können Ingenieure oder Industriedesigner gemeinsam im AR Workspace standortunabhängig ihre Entwicklungen visualisieren, bearbeiten und präsentieren.
 

Was genau verbirgt sich hinter Ihrer Technologie und wie kann man sich deren Anwendung vorstellen?
 

Unser Augmented Reality Engineering Space (ARES) ermöglicht es Ingenieuren, 3D-CAD-Daten zu visualisieren, zu manipulieren und gemeinsam zu nutzen – was zu kürzeren Entwicklungszyklen und nahtlosen Produktdesigns führt. Mit Interactive Streaming for Augmented Reality (ISAR) haben wir zudem einen Weg geschaffen, große Mengen an 3D-Daten in realer Größe zu visualisieren. Etwa ganze Autos oder größere Produktionsanlagen. Unser Software-Lösungspaket wird durch Stylus XR ergänzt, ein hoch präzises AR-Eingabegerät. Damit können Ingenieure erstmals millimetergenaue Arbeiten, Messungen und Bewegungen in einer Augmented-Reality-Umgebung durchführen.

Welche Kunden gehören zu Ihrem Kundenstamm und wer interessiert sich noch für Ihre Technologie? 
 

Zu unseren Kunden zählen bekannte Unternehmen aus der Automobil-, Maschinenbau- und Chemieindustrie wie BMW, Festo, BASF, Magna und Bosch. Aber auch für Mittelständler ist die Technologie interessant, um schneller, kostengünstiger und auch umweltfreundlicher zu produzieren. Unsere AR-Lösungen werden auch zunehmend in der Luft- und Raumfahrt, im Bauwesen, in der Energiewirtschaft sowie in der maritimen Industrie eingesetzt.
 

Auch die Stadt München ist Kunde. Welches Projekt haben Sie mit der Landeshauptstadt umgesetzt?
 

Auf Basis digitaler 3D-Daten haben wir die zukünftige Bebauung im neuen Münchner Stadtteil Freiham visualisiert und virtuell modelliert. In Raumgröße wird das fotorealistische 3D-Stadtmodell virtuell dargestellt und um die zukünftige Bebauung ergänzt. Vom Besprechungstisch geht es aber auch raus in die reale Stadt. Mit Hilfe des WorldScale-Modus ist es möglich, die reale Welt vor Ort, um virtuelle 3D-Daten der zukünftigen Bebauung zu ergänzen. So können Betrachter sich einen Eindruck über die Dimensionen der geplanten Gebäude verschaffen und mögliche “Was wäre wenn” Szenarien durchspielen. Beispielsweise: Wie sieht der neue Stadtteil aus, wenn die Gebäude ein Stockwerk höher gebaut werden? Mit dem Projekt haben wir 2018 den Innovationswettbewerb der Stadt München gewonnen.


Viele Ihrer Abnehmer stammen aus der Industrie. War das auch ein ausschlaggebender Grund für Ihre Standortwahl in Bayern?
 

Ja, als junger Technologieanbieter ist es für uns wichtig, Zugang zu Industrieunternehmen zu finden. Und auch Feedback zu unseren Lösungen zu erhalten. Wir wollen gemeinsam mit den Unternehmen entwickeln, nicht an ihnen vorbei. Da hilft ein Standort in Bayern enorm.
 

Wir wissen, dass Sie an unterschiedlichen Accelerator-Programmen teilgenommen haben. Welche waren das und wie haben Sie davon profitiert
 

PlugandPlay Startup Autobahn und TechFounders sind Accelerator-Programme, die uns geholfen haben, als Entrepreneure Fuß zu fassen. Etwa durch Mentoring, Workspace und Zugang zu Kundennetzwerken. Über Plug&Play Japan konnten wir zudem erste Kunden in Japan gewinnen und unsere Internationalisierung vorantreiben.
 

Gerade jungen Unternehmen sagt man eine besondere Arbeitsatmosphäre nach. Was bedeutet New Work für Sie und was tun Sie, um Mitarbeiter zu holen und zu halten?
 

Die Rücksichtnahme auf die individuelle Situation wird bei uns großgeschrieben. Hierzu gehört flexibles Arbeiten, Home Office, aber vor allem auch ein offener Austausch auf Augenhöhe zwischen Entwicklung, Management, Vertrieb und Marketing. Kurz gesagt: Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber mit einem klasse Team, guter Atmosphäre und zahlreichen spaßigen Team-Events.
 

Holo-Light befindet sich ja gerade extrem auf Wachstumskurs, Ihr Start-up hat kürzlich eine kräftige Finanzspritze erhalten. Wie sind Sie in Kontakt mit Ihren Investoren gekommen und was hilft Ihnen beim Wachsen?
 

Durch internationale Messen und Foren wie die Matching Series A sind wir zu unseren Investoren gekommen. Wir haben eine sehr gute technologische Basis und arbeiten jetzt verstärkt in Richtung Skalierbarkeit. Mit der Hilfe unserer Investoren können wir unsere Support-Struktur und Distributionskanäle stärken, um unsere Software noch schneller zum Kunden zu bringen und diese auch mit Updates zu versorgen.
 

Was „typisch Bayerisches“ würden Sie gerne mal durch Ihre Technologie sehen?
 

Mit BMW als einer unserer ersten Kunden sehen wir in unserem Augmented Reality Engineering Space fast täglich etwas typisch Bayerisches. Sonst stehen wir ja auch sehr auf ein gutes Weißwurstfrühstück. Da bleiben wir aber gerne komplett in der Realität.

Holo-Light

In Bayern seit:

2016, München

In Bayern vertreten mit:

Niederlassung

Branche:

Augmented & Mixed Reality

Headquarter:

Innsbruck, Österreich

Mehr erfahren unter:

holo-light.com