5 Minuten mit … Ralf Anderhofstadt, Head of Project Customer Service and Parts (CSP) 3DD Daimler Buses (EvoBus GmbH)

Das Erfüllen hoher Lieferperformance von Ersatzteilen sowie individuelle Kundenwünsche gewinnen in der industriellen Herstellung immer weiter an Bedeutung. Als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Daimler AG entwickelt und produziert die EvoBus GmbH Omnibusse und bietet passende Dienstleistungen an. Das Unternehmen ist dabei Vorreiter beim Einsatz von 3D-Druckverfahren für die Teileproduktion. Mit über 100 freigegebenen unterschiedlichen Ersatzteilen erreicht die EvoBus GmbH schnelle Lieferzeiten für den Kunden und kann durch zahlreiche Beispiele, etwa individuelle Ablagefächer oder Becherhalter gezielt auf Kundenwünsche eingehen. Herr Anderhofstadt erklärt uns im Interview, wie das 3D-Druckverfahren die Wertschöpfungskette am Standort Neu-Ulm revolutioniert.

Der 3D-Druck wird oft lediglich mit der Herstellung von Prototypen assoziiert. Wieso eignet sich das Druckverfahren zur Herstellung von Bauteilen?
Wir sehen bei additiv gefertigten Teilen insbesondere im Bussegment ein sehr großes Potential sowohl im Ersatzteil- als auch im Kleinserienbereich. Die von uns umgesetzten 3D-Druckteile entsprechen allen von der Daimler AG vorgegebenen Qualitäts- und Produktionsstandards und wir können mit additiv gefertigten Teilen viele aktuelle „Pain-Points“ wie hohe Lagerkosten und Optimierung der Lieferzeiten von uns lösen. Außerdem erreichen wir vor allen Dingen im Ersatzteilbereich, dass jedes 3D-Bauteil später anhand einer spezifischen Teilenummer weltweit nachgeordert werden kann und wir machen uns von Werkzeugkosten unabhängig, sodass auch Sonder- und Kleinserienteile möglich sind. Ein weiterer Benefit ist das niedrigere Gewicht im Vergleich zu konventionellen Bauteilen sowie die zahlreichen Brand Protection Möglichkeiten.

Welche wirtschaftlichen Vorteile ergeben sich zusätzlich für Sie durch den Einsatz der 3D-Drucktechnologie?
Wir sichern uns dadurch in erster Linie verschiedene Wettbewerbsvorteile: Durch 3D-Druck können hohe Kosten zur Herstellung von Werkzeugen gespart werden, außerdem ist eine Optimierung der Lagerkosten möglich und wir sparen viel Geld durch den Entfall der Entsorgung von Materialüberschüssen. Einen weiteren Vorteil gegenüber unseren Kunden bietet jedoch die Schnelligkeit – von der ersten Idee bis zur Auslieferung vergehen nur wenige Tage.

Welche ökologischen Aspekte sprechen außerdem für eine Teileproduktion mittels 3D-Drucker?
Im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie sind die ökologischen Aspekte ebenfalls sehr wichtig für uns. Durch die 3D-Druck Technologie vermeiden wir aktiv Überschussproduktionen durch Mindest-abnahmemengen und schonen die Umwelt dadurch, dass keine Materialüberschüsse entsorgt werden müssen. Durch die hohe Teileverfügbarkeit können außerdem lange Transportwege vermieden werden.

Bereits umgesetzte Ersatzteile von der EvoBus GmbH – Daimler Buses

Von welchen Risiken muss bei diesem Produktionsverfahren ausgegangen werden und wie kann man diesen Risiken begegnen?
Bereits bekannte Risiken und Gefahren wie Produktpiraterie spielen natürlich auch bei 3D-Druck eine große Rolle. 3D-CAD-Daten zum Druck bieten natürlich großes Potential für illegale Kopien. Wir sorgen durch zahlreiche Brand Protection Maßnahmen wie beispielsweise Schutz durch Block-Chain-Technologie bzw. Verschlüsselung bereits vor.

Ihr Unternehmen hat Neu-Ulm als Standort ausgewählt und sich für die Endfertigung seit 1995 speziell auf dieses Werk konzentriert. Welche Gründe haben zu Ihrer Entscheidung beigetragen?
Die additive Fertigung ist eine Stärke unserer anliegenden Regionen, außerdem berücksichtigen wir natürlich den geplanten Ausbau der Infrastruktur in Ulm und Umgebung (z.B. neuer Bahnhof). Zusätzlich profitieren wir von ausgezeichneten bayerischen Hochschulen in der Umgebung und entsprechend hochqualifizierten Fachkräften.

Welche Kooperationen mit Partnern aus Bayern waren für Sie wichtig, um Vorreiter in der additiven Fertigung zu sein?

Co-Creation spielte im Projekt bis zum heutigen Tag und auch in Zukunft eine wichtige Rolle. Wir profitieren von zahlreiche Kooperationen mit Partnern in Bayern (u. a. Startups in München) sowie mit dem Weltmarkführer EOS aus Krailling.

Herr Anderhofstadt, Sie sind gebürtiger Schwabe - können Sie uns zum Schluss noch einen Ihrer Lieblingsplätze in Ihrer Heimat nennen?
Das bayrische Schwabenländle hat ziemlich viele schöne Plätze an einen Platz zieht es mich jedoch wirklich regelmäßig hin: an den Roggenburger Weiher westlich von Roggenburg, welches durch sein Kloster bekannt ist. Der Weiher selbst bietet im Sommer eine tolle Erfrischung, rundherum ist genug Platz für schöne Wanderungen oder eine Fahrradtour und die Krönung ist dann eine leckere Pizza in der Gaststätte „Klein Venedig“ mit einem traumhaften Blick über den Weiher.


Als Bayer bin ich wirklich stolz auf unsere starke Wirtschaft, unsere Kultur und natürlich auch auf den FC Bayern München. Im Freistaat leben und arbeiten zu dürfen, ist ein Geschenk. In Bayern profitieren wir von einer exzellenten Automobilindustrie, hervorragenden Universitäten und sehr innovativ denkenden Menschen - unsere Arbeitslosenquote ist die niedrigste in Deutschland.

Daimler Buses (EvoBus GmbH)

In Bayern seit:

1995

In Bayern vertreten mit:

Produktion

Branche:

Nutzfahrzeuge

Headquarter:

Stuttgart

Mehr erfahren unter:

www.evobus.com