5 Minuten mit ... Prof. Dr. Randolf Hanke, Leiter des Entwicklungszentrums Röntgentechnik des Fraunhofer IIS Instituts in Fürth

Bayerns Wirtschaft ist lebendig – dazu tragen vor allem die Menschen, die hier arbeiten und leben, bei. In unserer Rubrik „5 Minuten mit …“ stellen wir jeden Monat eine interessante Persönlichkeit aus Wirtschaft und Forschung vor. Diesen Monat haben wir uns mit Prof. Dr. Randolf Hanke, Leiter des Entwicklungszentrums Röntgentechnik des Fraunhofer IIS Instituts in Fürth sowie geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken, unterhalten

5 Minuten mit ... Prof. Dr. Randolf Hanke, Leiter des Entwicklungszentrums Röntgentechnik des Fraunhofer IIS Instituts in Fürth
Prof. Dr. Randolf Hanke

Im Juli 2013 wurde der Neubau für das Entwicklungszentrum Röntgentechnik in Fürth-Atzenhof eingeweiht – finanziert mit Mitteln des Freistaats Bayern. Was hat sich seitdem getan?

Alle Abteilungen sind nun im Neubau angekommen und die Wissenschaftler haben ihre Labore in Betrieb genommen; die Kommunikation unter den Mitarbeitern hat sichtbar zugenommen mit der Konsequenz einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen. Aktuell arbeiten knapp 100 Wissenschaftler und Techniker sowie weitere etwa 70 Teilzeitkräfte, wissenschaftliche Hilfskräfte, Doktoranden und Masteranden in Fürth Atzenhof. Besonders zugenommen haben die Forschungs- und Experimentierarbeiten rund um die neue XXL-CT Maschine in unserer Linac-Testhalle.

Was bedeutet „zerstörungsfreie Materialprüfung“ und in welchen Industriebranchen kommt die moderne Röntgentechnologie zum Einsatz?

Wie der Name zerstörungsfreie Prüfung ZfP (oder NDT für nondestructive testing) ja schon andeutet, werden beliebige Bauteile oder Werkstoffe auf Material- oder Produktionsfehler überprüft, ohne sie dabei zu zerstören. Das kann mit verschiedenen Methoden wie Ultraschall-, Wärmebildprüfung oder eben Röntgenstrahlung geschehen. Dabei wird das Objekt entweder angeregt oder durchstrahlt und mögliche Fehler zeigen sich dann in den detektierten Signalen der untersuchten Objekte. Insbesondere die Röntgen-Computertomographie erzeugt hervorragende Informationen über die untersuchten Bauteile. Am Standort in Atzenhof haben wir eine Vielzahl neuer CT-Methoden und -Anlagen für Prüfaufgaben aus der Luft- und Raumfahrtindustrie, Automobilindustrie, aber auch für die Energietechnik (Rotorblätter, Bohrkerne etc.), Biologie/Agrar (Pflanzenwachstum, Lebensmittelüberwachung) oder die Sicherheitstechnik (Gepäck- und Containerkontrolle) entwickelt.

Es geht also darum, Unsichtbares sichtbar zu machen. Welche Zukunftsfelder werden davon berührt?

Eines der interessantesten Themen für die Zukunft ist die Möglichkeit, mittels neuer Röntgenmethoden verschiedene Materialien in einem Bauteil zerstörungsfrei voneinander zu trennen und zu sortieren. Das kann einerseits bei der Müllsortierung oder dem Recycling verbrauchter Güter (Handys, Autos, Elektronikschrott etc.) angewandt werden, aber auch bei der Trennung von wertvollen Rohstoffen wie z.B. bei der Suche nach Rohdiamanten in Kimberlitgestein.

Als Forschungsinstitut leisten Sie einen wesentlichen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Unternehmen. Welche Bedeutung hat das Fraunhofer Institut IIS auf internationaler Ebene?

International hat das Fraunhofer IIS sicher wegen der in Erlangen erfundenen und entwickelten mp3-Audiocodierung die höchste Bedeutung erlangt. Aber auch im Bereich der drahtlosen Kommunikationsmethoden, des Schaltungsdesigns, der Hochgeschwindigkeitsbildgebung oder in der Digitalen Kinotechnik hat sich das Fraunhofer IIS international eine hohe Sichtbarkeit erarbeitet. In der Röntgentechnik am Standort Fürth Atzenhof werden wir immer häufiger international angefragt, durch Know-how und Technologietransfer, z.B. den Aufbau ähnlicher F&E Center nach unserem Vorbild in Fürth-Atzenhof zu unterstützen (Singapur, Brasilien, Indien). Außerdem pflegen wir einen regen wissenschaftlich-technischen Austausch mit allen wichtigen Forschungspartnern weltweit, besonders auch initiiert und gepflegt durch den eng mit dem EZRT verbundenen Lehrstuhl für Röntgenmikroskopie an der Julius-Maximilians Universität in Würzburg. Darüber hinaus gibt es mittlerweile auch eine Reihe von wichtigen Industriepartnern weltweit, die unsere F&E Ergebnisse auch außerhalb von Deutschland und Europa vermarkten.

Welche Sehenswürdigkeiten oder Aktivitäten in Fürth und Umgebung können Sie ausländischen Mitarbeitern für ihre Freizeit empfehlen?

Oh, da gibt es eine Reihe von aufregenden Möglichkeiten, angefangen bei der Comödie Fürth, die durch die mittlerweile weit über Franken hinaus bekannten Kabarettisten Heissmann und Rassau alias Waltraud und Mariechen betrieben wird. Für Romantiker ist der wunderbare, weitläufige Stadtpark entlang der Pegnitz mit seinem einzigartigen Rosengarten zu empfehlen und wer es gern klassisch und kulturell mag, dem sei das spannende und abwechslungsreiche Theaterprogramm unseres wunderschönen Stadttheaters und des Kulturforums nahegelegt. Aber auch in der Nacht haben wir in Fürth eine unterhaltsame Kneipenkultur z.B. mit der Kleinkunstbühne in der Kofferfabrik, in der bereits der weltbekannte Gitarrist Al Di Meola mehrfach zu Gast war.