5 Minuten mit ... May 19, 2021

5 Minuten mit … Herrn Takao Watanabe, Geschäftsführer der Goldwin Europe GmbH

Bayern mit seinen idyllischen Bergen, den unzähligen Wanderwegen und der vielseitigen Seelandschaft ist unbestritten ein beliebtes Urlaubsziel. So lautet ein Motto hierzulande auch: Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich auch Unternehmen aus dem Sport- und Lifestyle-Bereich im Freistaat ansiedeln. Das 1950 gegründete japanische Unternehmen Goldwin Inc. ist auf hochwertige Outdoorbekleidung spezialisiert und eröffnete letztes Jahr mit Unterstützung von Invest in Bavaria in München seinen ersten Flagship-Store in Deutschland. Wir haben uns mit dem Geschäftsführer der Goldwin Europe GmbH, Herrn Takao Watanabe, über die Expansion nach Bayern, Herausforderungen hinsichtlich der Pandemie sowie geplante Projekte unterhalten.

Herr Watanabe, die Eröffnung des Flagship-Stores in München mitten in der Corona-Pandemie war bestimmt eine sehr große Herausforderung – gerade in Hinblick auf die zahlreichen Einschränkungen sowohl in Deutschland als auch in Japan. Können Sie uns bitte erläutern, wie Sie das alles bewältigt haben?

 

Die Eröffnung eines Stores in München war ein seit Jahren gehegter Wunsch und wir haben sofort mit den Vorbereitungen begonnen, nachdem wir eine Immobilie gefunden hatten. Zurückblickend denke ich, dass uns mit dem Zeitpunkt (Mitte Oktober 2020) eine Punktlandung gelungen ist, denn nur da war eine Geschäftseröffnung überhaupt möglich. In den derzeitigen Betrieb ist die Hauptgeschäftsstelle in Tokio stark involviert, so dass zum Zeitpunkt der Eröffnung zahlreiche Dienstreisen erforderlich waren. Dennoch haben wir mit möglichst wenig Mitarbeitern so viel wie möglich aus der Ferne erledigen können. Natürlich war es auch sehr hilfreich, dass wir vor Ort auf exzellente und kooperative Partner für die Einrichtung des Stores und für den Bereich PR getroffen sind. Auch die Einstellungsgespräche  haben wir vornehmlich per Videokonferenz geführt. Nur für die Auswahl der wichtigen Position des Geschäftsführers gab es persönliche Gespräche. Glücklicherweise konnten wir gute Mitarbeiter rekrutieren.

 

Goldwin war in Europa bis jetzt hauptsächlich in der Schweiz aktiv. Warum haben Sie sich für den Standort München in Bayern entschieden?

 

Die Eröffnung des Stores in München ist Teil unserer globalen Strategie, mit der wir uns auf das Einzelhandelsgeschäft unserer Originalmarke Goldwin konzentrieren. Der Store in München ist unser zweiter Store im Ausland. Nach der Eröffnung unseres Stores in Tokio im Jahr 2018 hatten wir zunächst im Jahr 2019 eine Filiale in San Francisco eröffnet. Als Standort für unseren Flagship Store in Europa haben wir uns für München entschieden, weil wir unsere rundumerneuerte Marke Goldwin, deren Kollektion von Ski- über Outdoor- bis hin zu Sportausrüstung reicht, dort den Kunden direkt präsentieren können. München liegt in Alpennähe und es gibt in allen Jahreszeiten zahlreiche Möglichkeiten und Orte, um Sport zu treiben und die Natur zu genießen. Auch hat die Stadt viele Einwohner. Außerdem findet dort jedes Jahr im Sommer und Winter die internationale Sportfachmesse ISPO statt, so dass die Region in jeder Hinsicht eine Nähe zum Sport aufweist. Daher haben wir entschieden, dass sich München als Zentrum für unser Europageschäft eignet.


Herr Watanabe, durch das Online-Business haben Sie die Möglichkeit, europaweit ihre Waren zu verkaufen. Merken Sie einen Unterschied im Kaufverhalten in den verschiedenen EU-Ländern? Was kommt zum Beispiel besonders bei den Franzosen oder bei den Italienern gut an – und was ist für den bayerischen Kunden wichtig?

 

Tatsächlich gibt es Regionen, in denen der europäische Stil tief verwurzelt ist. Vor allem fällt dies beim Schnitt der Kleidungsstücke auf. Egal ob Oberteil oder Beinbekleidung – in Europa ist eine schmale Silhouette Standard. Wie Sie sich sicher denken können, wird dieser Stil typischerweise von Italien repräsentiert.

Übrigens kommen die meisten Bestellungen in unserem Online-Shop aus Deutschland, gefolgt von Großbritannien. Wir jagen keinen Moderichtungen hinterher, aber natürlich beziehen wir Trends mit ein. Unsere meistverkaufte Hose ist etwas weiter geschnitten und es war sehr schwierig, diese in Europa zu verkaufen. Wir haben zum europäischen Stil häufig die Rückmeldung erhalten, dass Männerhosen zum Beispiel in Italien oder der Schweiz unbedingt schlank geschnitten sein müssen, um sich verkaufen zu können. Problemlos akzeptiert hingegen wurde das Produkt in Großbritannien. Aber auch in Italien, der Schweiz und Deutschland verkaufen sich inzwischen von Saison zu Saison mehr dieser Hosen mit einem Schnitt, der nicht dem europäischen Stil entspricht, so dass ich den Eindruck gewonnen habe, dass sich gute Produkte eben doch weltweit verkaufen. Einer unserer Geschäftspartner in München (der Inhaber des Geschäfts ist Brite), bestellt die besagte Hose bereits seit mehreren Jahren. Zunächst war sie ein Ladenhüter, aber inzwischen verkauft sie sich endlich, worüber ich mich freue. 


Die COVID-19-Krise führte in vielen Wirtschaftszweigen zu enormen Geschäftseinbußen. Wie war das in ihrer Branche? Welche Strategie haben Sie verfolgt, um durch die Krise zu kommen? Konnten Sie von Unterstützung durch bayerische Behörden profitieren?

 

Corona trifft uns sehr hart. Vor allem der Markt für Skiausrüstung, einem unserer Kernbereiche, ist ein großer Markt, und alle Länder sind zumindest von der heimischen Nachfrage innerhalb Europas abhängig. Die Schweiz hat zwar ihre Skigebiete geöffnet, aber nur für die eigenen Bürger. Die meisten anderen Länder haben die Skigebiete aufgrund des Lockdowns nicht geöffnet und auch die Geschäfte in den Skigebieten blieben geschlossen. Selbst in Ländern, die geöffnet hatten, war die Situation schwierig. Wie Sie wissen, hat es viel geschneit und die Pistenbedingungen waren so gut wie seit Jahren nicht. Es ist eine Schande.

Andererseits boomen Tätigkeiten wie Outdooraktivitäten und Joggen, die in der Natur alleine ausgeübt werden können. Dank unseres Fokus auf das Onlinegeschäft haben die Ergebnisse unsere Erwartungen übertroffen.   Wir haben den Store im letzten Jahr am 16. Oktober eröffnet und zurückblickend denke ich, dass dies nur zu diesem Zeitpunkt überhaupt möglich war. Leider scheint es so, dass wir nicht in den Genuss staatlicher Unterstützung kommen, aber dennoch denke ich, dass es gut war, im letzten Herbst eröffnet zu haben.


Wie unterscheiden sich die japanischen Geschäftspartner von den europäischen? Gibt es Besonderheiten in der bayerischen Art, Geschäfte abzuwickeln?

 

Einerseits fühle ich große Unterschiede, andererseits denke ich, es ist überall gleich. Letztendlich kommt es auf die Verbindung zwischen den Menschen an. Ist das nicht überall so? Ich hatte das stereotype Menschbild, dass alle Deutschen sehr sorgfältig und pünktlich sind, aber dem ist nicht so. Es leben hier auch viele dynamische Menschen. Manchmal wundere ich mich natürlich (lacht).
Die Tatsache, dass wir den Store inmitten der Coronakrise fast wie geplant eröffnen konnten, ist wohl ein Zeichen dafür, dass die Bayern akkurat arbeiten. Das hätte ich mir ein einem anderen europäischen Land so nicht vorstellen können.

Der neue Flagship-Store von Goldwin in München

Was ist ihr nächstes Ziel? Welches Potenzial sehen Sie in Bayern und Deutschland? Wie setzen Sie den japanischen Trend „Mono uri yori koto uri“ – also „Nicht Waren, sondern Erlebnisse verkaufen“ – auch in Europa um?

 

Zunächst ist es unser Ziel, mit dem Store in München erfolgreich zu sein. Deutschland ist weitläufig und groß und es gibt viele große Städte. Aus Deutschland stammen bekannte Sporthersteller wie Adidas und Puma. Bayern ist wirklich ein Ort der Geschäftsgründungen. Ich hoffe, dass wir in dieser Region die Bekanntheit unserer Marke steigern können und gut angenommen werden. Es heißt zwar, dass es wichtig ist, „nicht Waren, sondern Erlebnisse zu verkaufen“ aber ich halte beides für gleichermaßen wichtig, um basierend auf Stores die Markenbekanntheit zu steigern und eine Fangemeinde zu schaffen. Ich denke, dass vor allem die Stores ein wichtiges Kommunikationsmittel sind, damit Kunden die Marke erleben und für sich entdecken. Dies entspricht auch unserer Geschäftsstrategie in Japan und daher möchte ich als ein weltweit verständliches Mittel die besten Stores schaffen.


Invest in Bavaria unterstützte Sie beim Ansiedlungsprozess, welche Erfahrungen haben Sie hierbei gemacht.

 

Ich habe von Mitsui Düsseldorf von der Existenz des Programms erfahren. Wir haben Invest in Bavaria im Juli 2017 besucht und werden seitdem beraten und unterstützt. Auch wenn sie von ihrem neutralen Standpunkt keine konkreten Unternehmen empfehlen, so haben sie uns doch mit den erforderlichen Informationen zum Geschäftsbetrieb, Informationen zur Community, persönlichen Beziehungen, der Bekanntmachung mit japanischen Unternehmen und dergleichen unermüdlich unterstützt. Sie haben für uns sogar nach leerstehenden oder neuen Ladenlokalen in der Stadt gesucht und angefragt, ob sie für uns geeignet sind. Dafür bin ich sehr dankbar.


Zum Schluss möchten wir Sie fragen, was Ihnen in Bayern bisher am meisten gefallen hat. Haben Sie einen Lieblingsort in Bayern, den Sie uns empfehlen möchten?

 

Skifahren in Garmisch, Schloss Neuschwanstein in Füssen als Schauplatz des alten Film „Gesprengte Ketten“, Besichtigungen, Kanufahren auf den Seen unweit von München und vieles mehr. Bayern hat viele schöne Orte. Meine Empfehlung ist Bayern München. Da ich jedoch Basketballfan bin, meine ich damit nicht die Fußballmannschaft, sondern das Basketballteam Bayern München. Ich könnte auch empfehlen, einmal ein Spiel im Audi Dome anzuschauen. In Deutschland sind sie nicht so bekannt, aber es ist ein starkes Team und wirklich interessant! Es finden auch Spiele gegen andere europäische Teams statt. Auch das Surfen auf dem Fluss in der Nähe von Invest in Bavaria ist ein Spektakel!