5 Minuten mit... Hajime Takatsuka, Generaldirektor bei JETRO München

Bayerns Anteil am deutschen BIP beträgt gut 20%. Damit hat das Bundesland mit die stärkste Wirtschaftskraft in Deutschland. Etwa 450 japanische Firmen sind im Freistaat ansässig. Nicht zuletzt aufgrund der eigenen Auslandsrepräsentanz in Tokyo pflegt der Freistaat gute Geschäftsbeziehungen mit Japan. Es ist zu erwarten, dass weitere japanische Unternehmen sich künftig in Bayern ansiedeln werden. Die japanische Außenhandelsförderorganisation JETRO betreibt ein Büro in München und unterstützt bei der Expansion japanischer Unternehmen in Deutschland sowie bei der Geschäftsgründung deutscher Unternehmen in Japan. Nachdem vor ca. 10 Jahren das Büro in München geschlossen wurde, hat die Organisation im Juli 2020 wieder einen Standort in der Landeshauptstadt eröffnet. Im Interview mit Herrn Hajime Takatsuka, dem Generaldirektor von JETRO München, erfahren Sie mehr über die Hintergründe der Wiedereröffnung und geplante Projekte.

Herr Takatsuka, die Wiedereröffnung des Münchner Büros von JETRO weckt große Erwartungen. Können Sie uns bitte die allgemeinen Tätigkeitsbereiche Ihrer Organisation erläutern und die Gründe, warum das Büro in München wiedereröffnet wurde?
 

JETRO wurde im Jahr 1958 zur Förderung des Handels und der Investitionen zwischen Japan und dem Ausland gegründet. Wir legen den Schwerpunkt auf Aktivitäten, die den Bedürfnissen der Zeit entsprechen. So konzentrieren wir uns aktuell auf Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen in Japan sowie die Unterstützung der Expansion japanischer Unternehmen, einschließlich Start-ups, ins Ausland.

Zu diesem Zweck organisieren wir mit dem Münchner Büro von JETRO beispielsweise Veranstaltungen, bei denen Unternehmen aus Japan und Bayern Geschäftsverhandlungen führen können. Auch nehmen wir an Messen innerhalb Bayerns teil.

Eine weitere wichtige Aufgabe ist es, Informationen, die Geschäftsbeziehungen zwischen Japan und Bayern insgesamt voranzutreiben und die japanische Community in Bayern zu unterstützen. Insbesondere in jüngster Zeit verfolgen wir hier die Trends in den Bereichen Automobile der nächsten Generation sowie Wasser- und Brennstoffzellen.
 

Bis zur Wiedereröffnung wurden japanische Unternehmen in Süddeutschland von Düsseldorf aus unterstützt. Warum haben Sie sich als weiteren Bürostandort in Deutschland für München entschieden?
 

Wie Sie bereits erwähnt haben, hatte JETRO bis 2009 ein Büro in München. Allerdings nahm in den 2000er Jahren der Bedarf vor allem in den Schwellenländern in Asien zu, während aus Budgetgründen die Anzahl der Auslandsbüros nicht erhöht werden konnte. Somit mussten wir leider das Büro in München schließen und die Unternehmen in Süddeutschland wurden nun von Düsseldorf aus unterstützt.

Für die Wiedereröffnung des Büros in München gibt es zwei Gründe: Zum einen nimmt die Anzahl der japanischen Unternehmen mit Sitz in Bayern zu. Eine wichtige Säule der Arbeit von JETRO ist die Unterstützung japanischer Unternehmen bei der Expansion ins Ausland. Da die Zahl der japanischen Unternehmen in Bayern rapide ansteigt, hatte JETRO den Wunsch, ihre Dienstleistungen unbedingt vor Ort anzubieten, so dass schließlich das Büro eröffnet wurde.

Der zweite Grund ist die wirtschaftliche Stärke Bayerns sowie die Konzentration von Industrie und Unternehmen dort. Renommierte Unternehmen, beispielsweise aus den Branchen Automobil und Maschinenbau, haben dort ihren Hauptsitz und in der Umgebung nimmt auch die Anzahl der Start-up-Unternehmen zu, die in neuen Geschäftsfeldern tätig sind. Wir haben uns für München entschieden, weil die Zusammenarbeit zwischen diesen Unternehmen mit japanischen Unternehmen sowie die Geschäftsmöglichkeiten zugenommen haben.
 

Herr Takatsuka, Sie waren zuvor im Büro in Düsseldorf tätig. Merken Sie Unterschiede zwischen Bayern/München und NRW/Düsseldorf?
 

Bei meinem ersten Aufenthalt von 2009 bis 2012 war ich in Düsseldorf eingesetzt. Auch dieses Mal trat ich meinen Dienst zunächst in Düsseldorf an und bereitete von dort aus die Eröffnung des Büros in München vor. Ähnlich sind sich München und Düsseldorf dahingehend, dass es sich bei beiden Städten jeweils um die Landeshauptstadt eines wirtschaftlich starken Bundeslandes handelt, dass tiefe Wirtschaftsbeziehungen zu Japan bestehen und dass es für japanische Unternehmen einfach ist, dort geschäftlich Fuß zu fassen.

Die Städte unterscheiden sich in ihrer Atmosphäre, was in der unterschiedlichen Einwohnerzahl begründet liegt. Während München ein großstädtisches Flair aufweist, macht Düsseldorf im Vergleich dazu einen eher kleinen und gemütlichen Eindruck.
 

Gibt es neue Projekte oder Aktivitäten nach der Wiedereröffnung? Welche langfristigen Pläne haben Sie?
 

Im März 2020, kurz bevor das Coronavirus begann sich auszubreiten, haben wir in München eine Veranstaltung organisiert, bei der japanische Unternehmen und bayrische Start-ups sich geschäftlich austauschen konnten. Bei dieser Veranstaltung hat uns auch die Ansiedlungsagentur Invest in Bavaria unterstützt.

Ferner werden wir im Februar 2021 an der Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel „BIOFACH“ in Nürnberg mit einem Japan Pavillon teilnehmen. Basierend auf den Bedürfnissen der Unternehmen in Japan und Bayern bemühen wir uns unter anderem um die Umsetzung von Veranstaltungen, die zu konkreten Ergebnissen führen, sowie um die Bereitstellung von Informationen, die Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Ich denke, es wäre schön, wenn wir die Zusammenarbeit mit Invest in Bavaria sowie der bayrischen Vertretung in Japan vertiefen könnten.
 

COVID-19 hat sich zu einer weltweiten Pandemie entwickelt. Während der Vorbereitung der Wiedereröffnung des Büros sind Sie mit der aufkommenden Pandemie konfrontiert gewesen. Wie haben Sie diese Zeit überstanden?
 

Zwischen März und Juni, als sich die Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus verbreiteten, war uns genau wie anderen japanischen Unternehmen die Gesundheit unserer Mitarbeiter am wichtigsten, so dass prinzipiell im Homeoffice gearbeitet wurde. Danach haben wir im Einklang mit der Lockerung der Beschränkungen durch die Bundes- und Landesregierung nach und nach wieder vermehrt vom Homeoffice zur Arbeit im Büro umgestellt.

Aufgrund der Auswirkungen des neuartigen Coronavirus sind Seminare, der Empfang von Delegationen und die Teilnahme an Messen etc. sehr viel schwieriger geworden, aber wir haben nach Mitteln gesucht, diese durch Onlineaktivitäten zu ersetzen. Beispielsweise haben wir mit dem japanischen Generalkonsul zu München zusammengearbeitet und im August 2020 unser erstes Onlineseminar für japanische Unternehmen in Süddeutschland organisiert. Dieses Onlineseminar soll auch weiterhin stattfinden.
 

JETRO hat eine Umfrage zur Auswirkung von COVID-19 unter den japanischen Unternehmen in Deutschland durchgeführt und das Ergebnis im Internet veröffentlicht. Können Sie uns kurz das Ergebnis erläutern? Sie sind für Bayern zuständig, haben Sie etwas Bayern-spezifisches festgestellt?
 

Die Umfrage wurde im Mai 2020 durchgeführt. Es beteiligten sich insgesamt 238 japanische Unternehmen in Deutschland daran, davon 52, die in Bayern ansässig sind. Die Umfrage ergab, dass die Auswirkungen des neuartigen Coronavirus auf die japanischen Unternehmen in Deutschland erheblich sind. 80 % der teilnehmenden Unternehmen gaben an, dass der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr sinken wird. Andererseits antworteten 40 % der Unternehmen auf die Frage nach der Richtung der zukünftigen Geschäftsentwicklung in Deutschland, dass sie den bisherigen Status erhalten möchten. 50 % gaben an, dass sie eine Ausweitung der Geschäfte prüfen. Ich denke, dies ist ein Beweis dafür, dass die japanischen Unternehmen in Deutschland und auch in Bayern selbst in dieser schwierigen Situation rund um Corona mittel- und langfristig Geschäftsmöglichkeiten in Deutschland erkennen. Dies ist doch eine gute Nachricht in schwierigen Zeiten.
 

Zum Schluss möchten wir Sie fragen, was Ihnen in Bayern bisher am meisten gefallen hat. Haben Sie einen Lieblingsort oder -platz in Bayern, den Sie uns empfehlen möchten?
 

Ich lebe seit März 2020 in München. Direkt nach meinem Umzug begann das Coronavirus sich auszubreiten, so dass ich in Bayern und der Stadt München noch nicht sehr viel sehen konnte. Auch das Oktoberfest wurde 2020 leider abgesagt. Ich habe gehört, dass es in Bayern attraktive Städte und sehr viel Natur gibt. Auf jeden Fall möchte ich so bald wie möglich Orte finden, die mir besonders gut gefallen.
 

Die überwältigende wirtschaftliche und industrielle Stärke ist attraktiv. Neben den großen Unternehmen haben – angefangen bei den Hidden Champions - auch mittelständische Unternehmen dort ihren Sitz und es gibt viele Geschäftsmöglichkeiten für japanische Unternehmen

JETRO

In Bayern seit:

2020

In Bayern vertreten mit:

Niederlassung

Branche:

Außenhandelszentrale der japanischen Regierung

Headquarter:

Tokyo, Japan