#bytevaria Sep 27, 2021

5 Minuten mit … Frau Helen Vogt, Geschäftsführerin Creative Technology Europe GmbH

Mikrochips sind aus unserem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken – wir finden sie in Computern, Smartphones oder sogar Küchengeräten. 1985 wurde das japanische Unternehmen Creative Technology Corporation gegründet, welches sogenannte „electrostatic chucks“ herstellt. Mit diesen Produkten werden Silizium-Wafer über elektrostatische Anziehungskraft bei den verschiedenen Prozessen der Halbleiterfertigung festgehalten. Diese Technologie wendet Creative Technology Corporation auch für andere Materialien an und entwickelt kreative Ideen auch für Branchen wie die Automobil- oder Textilindustrie – ein klassisches Beispiel für Cross-Industry-Innovation. Trotz der Corona Pandemie mit den strikten Einreisebestimmungen konnte Creative Technology Corporation mit Unterstützung durch Invest in Bavaria und der Repräsentanz des Freistaats Bayern in Tokyo ihre erste Niederlassung in Europa in München eröffnen. Wir haben uns mit der Geschäftsführerin der Creative Technology Europe GmbH, Frau Helen Vogt, unterhalten.

Frau Vogt, die Eröffnung der ersten Niederlassung in Europa mitten in der Corona-Pandemie war bestimmt eine sehr große Herausforderung für Creative Technology – gerade in Hinblick auf die zahlreichen Einschränkungen sowohl in Deutschland als auch in Japan. Können Sie uns bitte erläutern, wie Sie das alles bewältigt haben?


Der Gründungsprozess hat im Herbst 2020 begonnen, als die Infektionszahlen in Deutschland zwar bereits hoch waren, die meisten Aktivitäten jedoch mit einigen Einschränkungen noch relativ problemlos möglich waren.  Ich selbst war und bin die ganze Zeit über in Europa vor Ort und konnte daher alle nötigen Schritte von hier aus durchführen, sodass wir uns mit dem Headquarter auf einen Austausch per Videokonferenz und Telefonate geeinigt haben und somit Reisen zwischen Japan und Deutschland nicht nötig waren.

Ich denke, dass wir trotz der damaligen Umstände einen guten Zeitpunkt erwischt haben – im Herbst 2020 waren beispielsweise persönliche Meetings noch möglich, Besichtigungen von Büroräumen konnten durchgeführt werden und sogar zum Essen in Restaurants konnte man sich noch treffen. Wenn ich mich richtig erinnere, wurden all diese Maßnahmen jedoch kurze Zeit später verschärft, sodass wir mit den nötigen Schritten zur Gründung unseres neuen Standortes gerade noch so kurz vor knapp „reingerutscht“ sind.


Wie kam es dazu, dass Sie in München ihren Standort in Europa eröffnet haben? Warum haben Sie sich ausgerechnet für Bayern entschieden?


Wie auch das Handelsblatt im April dieses Jahres titelte, entwickelt sich München derzeit zum „Silicon Valley an der Isar“. Für uns war bei der Standortsuche die Nähe zu zahlreichen Forschungsinstituten sowie Firmen aus der Automobilbranche entscheidend. Ebenso natürlich auch die gute Anbindung an den Flughafen und die damit verbundene Möglichkeit auf Direktflüge nach Japan.


Was waren die größten Herausforderungen bei der Gründung der GmbH?


Die Gründung selbst habe ich nicht als problematisch empfunden, da vor allem die Kommunikation auf allen Ebenen reibungslos ablief. Der Austausch mit dem Headquarter in Japan und den dortigen Entscheidungsträgern war stets sehr eng und flüssig, sodass wir Einzelheiten direkt entscheiden und umsetzen konnten.

Das „Grundgerüst“ für die GmbH, wie beispielsweise die Suche nach einem Anwalt oder einem Steuerberater, lief größtenteils über bereits bestehende Kontakte, was uns sicherlich viel Zeit und Mühe erspart hat. Relativ schnell stand daher fest: Dies sind unsere Ansprechpartner und Wegbegleiter bei der Gründung unseres Standortes.
 

Was ist Ihr nächstes Ziel? Welches Potenzial sehen Sie in Bayern und Deutschland?


Ich denke, dass Deutschland als Standort für die Halbleiterindustrie noch wichtiger wird, als es bisher bereits der Fall ist. Viele Unternehmen mit Sitz in Deutschland wachsen vor allem jetzt in dieser Zeit und ich bin gespannt, wie sich dies in Bayern entwickeln wird. Wir selbst möchten uns natürlich auch entsprechend vergrößern. Der erste Schritt mit der Gründung unseres Standortes in München ist dafür getan.


Welche Ratschläge möchten Sie den japanischen Unternehmen mitgeben, die demnächst in Bayern einen Stützpunkt aufbauen möchten?


In dieser von Einschränkungen geprägten Zeit ist es meiner Meinung nach besonders wichtig, Kontakte vor Ort zu haben, die flexibel reagieren können. Von Japan aus komplett ohne Anlaufstelle in Bayern zu beginnen, stelle ich mir schwer vor. Falls es in Bayern zu Beginn der Gründung niemanden vor Ort geben sollte, der die ersten Schritte unternehmen kann, empfehle ich auf jeden Fall zuerst Gespräche mit der Repräsentanz des Freistaats Bayern in Tokyo und den Austausch mit dem Invest in Bavaria in München. Auch uns hat dies sehr bei der Gestaltung eines „Fahrplans“ zur Gründung der GmbH geholfen.

Einschränkungen werden zusammen mit zunehmenden Impfungen mehr und mehr aufgehoben, doch ändert sich die Situation von Land zu Land immer noch sehr schnell und gerade in Deutschland gelten für jedes Bundesland oftmals andere Maßnahmen, die erst einmal geklärt werden müssen. Für eine langfristige Planung über einige Monate hinweg halte ich es dafür für praktischer und auch sicherer, wenn Flugreisen von und nach Japan zunächst vermieden werden – man kann derzeit einfach noch nicht sagen, wie die aktuelle Lage sich entwickelt und entsprechend Einfluss auf die Planung nehmen.

Mit Sicherheit hegen die Mutterunternehmen in Japan den großen Wunsch, die Niederlassungen in Bayern bald besuchen zu können, aber bis dies wieder ohne großen Aufwand möglich ist, kann ein enger Austausch über regelmäßige Videokonferenzen und Telefonate zwischen Bayern und Japan diese Hürde überbrücken.


Invest in Bavaria unterstützte Sie beim Ansiedlungsprozess. Welche Erfahrungen haben Sie hierbei gemacht.


Frau Yamaguchi-Humpert von Invest in Bavaria war von Beginn an eine große Hilfe und hat mir zu jeder Zeit stets mit hilfreichen Informationen und wertvollen Anregungen zur Seite gestanden. Es war wirklich eine Beruhigung, dass ich mit Invest in Bavaria einen Ansprechpartner vor Ort hatte, bei dem ich alle meine Fragen loswerden konnte – unabhängig vom Themengebiet wurde mir in jedem Fall weitergeholfen. Ganz besonders dankbar bin ich für die zweitätige Office-Besichtigungstour, die Frau Yamaguchi-Humpert organisiert hat. Da ich selbst bisher noch nicht oft in München war und die Stadt daher noch nicht gut kannte, stelle ich mir die Suche nach geeigneten Büroräumen auf eigene Faust äußerst schwierig vor. Ebenso hat mir Invest in Bavaria dabei geholfen, erste Kontakte vor Ort zu knüpfen und mich in das japanische Netzwerk von München einzufinden. Gerade jetzt, wo Kontaktbeschränkungen immer noch an der Tagesordnung sind und neue Bekanntschaften nur schwer möglich sind, war auch dies eine wertvolle Unterstützung.


Zum Schluss möchten wir Sie fragen, was Ihnen in Bayern bisher am meisten gefallen hat. Haben Sie einen Lieblingsort in Bayern, den Sie uns empfehlen möchten? Oder gibt es Orte, die Sie besonders gerne besuchen?


Durch die Pandemie hatte ich bisher leider noch keine Möglichkeit, viel von der Stadt kennenzulernen. Ich freue mich aber darauf, beispielsweise die Geschichte der Stadt anhand ihrer zahlreichen historischen Gebäude zu erkunden. Unter anderem bin ich besonders auf den Justizpalast gespannt. Ich erkunde eine Stadt gerne, in dem ich neben den touristischen Sehenswürdigkeiten nach Besonderheiten oder Orten suche, die einem erst auf den zweiten Blick auffallen. Spontan denke ich hierbei an die Münchener U-Bahnhöfe. Ihre individuelle Gestaltung gibt einem die Möglichkeit, sich kurz vom Alltag zu lösen und das geschäftige Treiben unterwegs aus einer anderen Perspektive zu beobachten.

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